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Wirtschaft

Moody's lässt Frankreich ungeschoren

Die Ratingagentur Moody's gesteht Frankreich weiterhin die höchste Bonitätsnote zu – wenngleich mit Abstrichen. Europas zweitgrößte Volkswirtschaft atmet auf. Doch die Diskussion um die Ratingagenturen dreht sich weiter.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (Foto: dapd)

Die Bonitätsdebatte setzt Sarkozy unter Druck

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat nach dem Verlust der Bestnote seines Landes durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) wieder etwas Bestätigung erfahren. Im Gegensatz zum Konkurrenten S&P behielt Moody's die Top-Bonität "AAA" für Frankreich vorerst bei. Auch am stabilen Ausblick ändere sich zunächst nichts, erklärte Moody's, und lobte die von der Regierung angestoßenen Maßnahmen zur Defizitreduzierung als "wichtig".

Logo der US-Ratingsagentur Moody's (Foto: dapd)

Die Ratingagentur gab noch keine Entwarnung

Zugleich kritisierte die Agentur die düsteren Aussichten für die französische Wirtschaft. Die schlechten Wachstumsprognosen für Frankreich und die gesamte Region stellten ein Risiko für die Steuerkonsolidierungspläne der französischen Regierung dar. Wegen der Stärke der französischen Wirtschaft habe man das Rating des Landes beibehalten, die wachsende Schuldenlast mache Frankreich aber zu einem der schwächsten Länder mit AAA-Bonität, so Moody's.

S&P entzog Frankreich "Triple A"

Moody's großer Mitbewerber Standard & Poor's hatte Frankreich am vergangenen Freitag erstmals die Topnote entzogen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hatte seit 1975 mit dem "Triple A" werben können. Insgesamt hatte S&P neun der 17 Euro-Länder herabgestuft. Deutschland als größte Volkswirtschaft der Währungsunion behielt seine Bestnote "AAA". Derzeit verfügen nur noch vier Euro-Staaten über die S&P-Höchstnote – neben Deutschland die Niederlande, Finnland und Luxemburg.

Moody's hatte bereits im Oktober darauf hingewiesen, dass die Finanzstärke Frankreichs durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geschwächt wurde. Die dritte große Ratingagentur Fitch hatte hingegen mitgeteilt, dass ein Verlust der Spitzenbonitätsnote "AAA" für Frankreich binnen Jahresfrist nicht zu erwarten sei.

Paris erwartet keine steigenden Kreditkosten

Sarkozys Haushaltsministerin Válerie Pécresse zeigte sich am Montag optimistisch, dass die Kreditkosten für das Land nach der Herabstufung durch S&P nicht steigen werden. Sie erwarte keine automatischen Konsequenzen, da Frankreich kreditwürdig sei, sagte sie dem Radiosender Europe-1. Außerdem gelobte sie eine Fortsetzung des Sparkurses der Regierung und wehrte sich gegen Bedenken der französischen Linken sowie von S&P, dass die Finanzreformen das Wirtschaftswachstum gefährden könnten.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin versicherte, eine Investition in französische Schuldtitel stelle kein Risiko dar.

Berlin sieht keinen Handlungsbedarf bei Hilfsfonds

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (Foto: dapd)

Schäuble sieht das EFSF-Volumen als ausreichend

Trotz Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs und anderer Euro-Länder sieht die Bundesregierung keine Probleme bei der Finanzierung der Rettungsschirme. Berlin bleibt vorerst gelassen und erwartet keine höheren Lasten. Weder der aktuelle Hilfsfonds EFSF noch der künftige Rettungsschirm ESM müssten finanziell aufgestockt werden. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte im Deutschlandfunk, er sehe keine Notwendigkeit für eine stärkere finanzielle Absicherung: "Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten an Aufgaben hat, reicht der Garantierahmen bei weitem aus."

Schäuble sprach sich dafür aus, den Einfluss von Ratingagenturen zurückzudrängen. "Wir müssen in der Banken- und Versicherungsaufsicht darüber nachdenken, wie wir die Rolle der Rating-Agenturen darauf beschränken können, was sie tatsächlich sind." Zudem werde in Europa an Regeln gearbeitet, die Rating-Agenturen Transparenzverpflichtungen auferlegen und sicherstellen, dass sie nicht eigene Interessen haben. Das S&P-Urteil zweifelte der Minister an. "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben."

Auch EU-Kommission kritisiert S&P-Urteil

Die EU-Kommission kritisierte ebenfalls die jüngste Abwertung der neun europäischen Länder durch Sandard & Poor's. Es sei eine "ernsthafte Fehlwahrnehmung", dass Europa seine Krisenstrategie einzig und alleine auf Sparmaßnahmen baue, kritisierte ein Kommissionssprecher. Die Entscheidung selbst bemängelte er als "inkonsistent", den Zeitpunkt als "seltsam", nachdem mehrere Länder kürzlich unerwartet geringe Zinsen für die Aufnahme neuer Schulden hatten zahlen müssen. Die Kommission arbeitet derzeit an Vorschlägen, die die EU-Finanzinstitutionen unabhängiger von Rating-Agenturen machen sollen.

Autorin: Naima El Moussaoui (dapd, rtr, dapd, afp)

Redaktion: Rolf Breuch

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