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Fokus Südosteuropa

Montenegros Sprachvielfalt birgt Probleme

In den Schulen in Montenegro wird ab diesem Schuljahr Montenegrinisch als Unterrichtssprache eingeführt. Nicht alle Schüler der Grund- und Mittelschulen und nicht alle Eltern sind damit einverstanden.

Schüler sitzen in einer Klasse (Foto: DW)

Alles in Montenegrinisch?

In montenegrinischen Schulen wird künftig auf Montenegrinisch unterrichtet. Nicht ungewöhlich, sollte man meinen. Doch Montenegrinisch als Sprache ist zwar in der Verfassung des Landes festgeschrieben, hat aber keine eigene festgeschriebene Grammatik, lautet die Kritik. Bis zur Unabhängigkeit fand der Unterricht auf Serbisch statt. Seit der Unabhängigkeit wird in der Muttersprache unterrichtet, was als Kompromisslösung galt. Erst seit diesem Schuljahr wird Montenegrinisch als Unterrichtssprache eingeführt.

Doch nicht alle sind damit einverstanden: Bei der letzten Volkszählung haben 63 Prozent der Bevölkerung Serbisch als Muttersprache angegeben. Die Regierung beruft sich aber auf die Verfassung, die besagt, dass Montenegrinisch an Schulen eingeführt wird. In der Verfassung steht auch, dass Schülern der Unterricht in ihrer Muttersprache zugesichert wird. Bei fünf Amtssprachen ist das nicht einfach.

Diskriminierung oder Unterstützung?

Die Oppositionsparteien haben angekündigt, gegen den Beschluss der Regierung von Milo Djukanovic beim Verfassungsgericht Beschwerde einzulegen. Kleine pro-serbische Parteien haben zum Boykott des Unterrichts aufgerufen. Eine Elterninitiative, die gegen Montenegrinisch als Unterrichtssprache ist, ruft Gleichgesinnte zu einer Unterschriftenaktion auf, die von den Schulleitern Unterricht in ihrer Muttersprache fordert: Das kann neben Montenegrinisch und Serbisch auch Bosnisch, Kroatisch und Albanisch sein. Der Name der Initiative: "Stopp der Diskriminierung".

Doch von Diskriminierung könne man in diesem Fall nicht sprechen, sagt der montenegrinische Autor Aleksandar Becanovic der Deutschen Welle. "Die kann es nur geben, wenn jemandem das Recht auf seine Muttersprache untersagt wird und nicht wenn es einem andern erteilt wird." Es sei logisch, dass der Unterricht in Montenegro nun auf Montenegrinisch stattfinde.

Politik vor Linguistik?

Jugendliche auf einer Galerie in Montenegros Hauptstadt Podgorica (Foto: DW)

Montenegros Jugend zwischen Pluralismus und Einsprachigkeit?

Mit der Einführung der neuen Unterrichtssprache versuche die montenegrinische Regierung, auf politischem Wege ein linguistisches Problem zu lösen, sagt Literaturprofessor Dejan Vucicevic. Montenegrinisch ist ihm zufolge eine Sprache, die nicht standardisiert ist. Zwar gab es Pläne, Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz des Montenegrinischen verbindlich festzulegen, doch das sei nie passiert. Es gebe außerdem keinerlei sprachwissenschaftliche Unterschiede zum Serbischen, sagt der Literaturprofessor. "Daher wird es äußerst interessant, wie die Lehrer in ihrem Unterricht nun Montenegrinisch anwenden sollen."

Der Autor Aleksandar Becanovic sieht die Situation positiv: "Mir ist wichtig, dass durch diese Lösung nicht die Rechte derer geschmälert werden, die Montenegrinisch als ihre Muttersprache betrachten. Sie sollen das Recht haben, ihre Sprache zu sprechen und mit der Zeit, glaube ich, werden wir lernen, in einem sprachlichen Pluralismus zu leben."

Autoren: Mustafa Canka / Mirjana Dikic

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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