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Fokus Südosteuropa

Montenegro will Kriminalität besser bekämpfen

Beschlagnahme von Vermögen bei Familie, Freunden oder Geschäftspartnern - das droht mutmaßlichen Kriminellen in Montenegro. Ein Jahr nach Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes greift die Regierung offenbar durch.

Euro-Scheine in einer Waschmaschine (Foto: dpa)

Beschlagnahme - probates Mittel gegen Geldwäsche

Nach heftiger Kritik aus dem Westen, dass die montenegrinische Regierung die organisierte Kriminalität und Korruption nur unzureichend bekämpfe, hat die diese nun eingelenkt. Kurz nachdem amerikanische Experten für den Kampf gegen Drogenhandel zur Unterstützung der montenegrinischen Staatsanwaltschaft eintrafen, wurde gegen einige Angehörige der montenegrinischen Drogenmafia Strafanzeige erstattet. Unter dringendem Tatverdacht stehen unter anderem der mutmaßliche Boss der Heroinmafia, Safet Kalic sowie Dusko Saric, der Bruder des Bosses der Kokainmafia Darko Saric und ihr Geschäftspartner Jovica Loncar. Die Drogen-Bosse sollen insgesamt 30 Millionen Euro Gewinn aus Drogenhandel gewaschen haben.

Umfeld einbezogen

Millionen Euro in verschiedenen Währungen (Foto: AP)

Nicht nur Geld wird beschlagnahmt, sondern auch Immobilien

Durch die Geldwäsche sollen die mutmaßlichen Drogenhändler mehr als 100 Millionen Euro an Vermögen angesammelt haben. Dieses Geld ist breit gestreut: von Landbesitz über Geschäfts- und Privathäuser, Hotels und Diskotheken bis hin zu Staatsanleihen. Dies alles sei nun beschlagnahmt, so lange die Ermittlungen liefen und eindeutig bewiesen sei, dass dieses Vermögen nicht aus illegalen Geschäften stamme, sagte der ehemalige montenegrinische Justizminister Dragan Soc. Seiner Ansicht nach ist es sehr wichtig, nicht nur den Hauptverdächtigen selbst, sondern auch seine Verwandtschaft zur Rechenschaft zu ziehen. "Nun wurde der Kreis der Betroffenen auch auf die Familie erweitert", sagte der Ex-Minister und erinnerte daran, dass die serbische Justiz das Vermögen von Darko Saric und seiner Familie bereits beschlagnahmt hat.

Vom Ehrenmann zum Kriminellen

Interpol Logo (Copyright: AP)

Drogenboss von Interpol gesucht

Die Erfahrung Serbiens zeige nämlich, dass es nicht ausreicht, nur die Chefs der kriminellen Organisationen zu bestrafen. Um Korruption und organisierte Kriminalität nachhaltig zu bekämpfen, müsse auch ihr Vermögen beschlagnahmt werden, denn darüber gewinne eine kriminelle Organisation an Stärke und könne politischen sowie wirtschaftlichen Einfluss in der Gesellschaft ausüben. So sind beispielsweise die Hotels des Mafia-Chefs Safet Kalic von Ministern der Regierung des ehemaligen Premiers Milo Djukanovic eröffnet worden. Kalic galt nämlich bis vor kurzem als geachteter Geschäftsmann. Seit dem 04. August wird er per internationalem Haftbefehl gesucht. Sein Komplize Dusko Saric steht ebenfalls auf der Liste von Interpol, ihre restlichen Komplizen sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Autor: Mustafa Canka / Tanja Spanovic
Redaktion: Mirjana Dikic