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Fokus Osteuropa

Montenegro: Russische Investoren erobern den Markt

Drei Wochen nach dem Referendum hat die EU Montenegro als souveränen Staat anerkannt. Auch Russland will diplomatische Beziehungen aufnehmen. Russische Investoren erobern bereits die montenegrinische Wirtschaft.

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Denkmal des russischen Dichters Puschkin in Podgorica

Russland hat die Unabhängigkeit Montenegros anerkannt. Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Sonntag (11.6.) einen entsprechenden Erlass. In dem Dekret heißt es, Russland sei bereit, diplomatische Beziehungen mit Montenegro auf Botschafterebene einzurichten.

„Historisches Ereignis für Montenegro“

In montenegrinischen Regierungskreisen war ein solcher Schritt erwartet worden. Nach der Nachricht aus Moskau machte sich in Podgorica große Zufriedenheit breit. Für Montenegro ist die Anerkennung durch Russland besonders wichtig. Sie gebe den bereits bestehenden intensiven wirtschaftlichen Beziehungen den angemessenen politischen Rahmen, heißt es in Podgorica. Außenminister Miodrag Vlahovic sagte, dies sei zweifelsohne ein „historisches Ereignis“ für die Republik. „Russland hat Montenegro in schwersten Zeiten unterstützt – natürlich in einem anderen historischen Kontext und unter anderen Umständen sowohl regional als auch weltpolitisch. Vergessen wir nicht: Russland eröffnete bereits1804 in Kotor, gelegen in der gleichnamigen Bucht an der Grenze zu Kroatien, das erste Konsulat in Montenegro. Wenn wir unsere diplomatischen Beziehungen wiederaufnehmen, setzen wir praktisch das fort, was bereits vor zwei Jahrhunderten initiiert wurde.“

Dominanz russischer Oligarchen

Bereits seit einigen Jahren ist in Podgorica ein russisches Konsulat tätig. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen verbessern sich stetig. Im vergangenen Jahr rief Präsident Putin russische Geschäftsleute dazu auf, in Montenegro zu investieren. Sie taten es auch: Durch den Kauf der größten montenegrinischen Unternehmen, des Aluminium-Kombinats in Podgorica und des Bauxit-Bergwerks in Niksic, beherrschen russische Oligarchen inzwischen die Hälfte der montenegrinischen Wirtschaft. Verhandlungen über den Erwerb eines Wärmekraftwerks und eines Kohlebergwerks im nordmontenegrinischen Pljevlja nähern sich dem Ende.

Bereits in den Vorjahren haben vermögende Russen Hotels, Immobilien und sogar ganze Dörfer an der Adriaküste gekauft – der Preis schien dabei keine Rolle zu spielen, sagen Beobachter in Montenegro. Einer der größten Käufer ist der Bürgermeister von Moskau, Jurij Luschkow.

Millioneninvestitionen aus Russland

Der Generalkonsul von Russland in Podgorica, Wladimir Wanijew, meint, die Russen betrachteten die Montenegriner als ein sehr verwandtes Volk sowohl in historischem als auch im religiösen Sinne. Und auch Montenegro demonstriert gesteigertes Interesse an guten Beziehungen zu Russland: Montenegros Ministerpräsident Milo Djukanovic schickte schon vor drei Jahren Milan Rocen, einen seiner engsten politischen Vertrauten, als Gesandten nach Moskau. Rocen ist erst kürzlich auf den Posten des ersten außenpolitischen Beraters des montenegrinischen Regierungschefs zurückgekehrt. Im Rückblick auf seine Arbeit in Moskau sagt er heute „Während meines zweijährigen Mandats als Botschafter von Montenegro sind einige hundert Millionen Euro russischer Investitionen ins Land geflossen. Von anderen Transaktionen und den Einnahmen aus dem Tourismus ganz zu schweigen“, so Rocen.

Zweifelsohne ist Montenegro ein neues Paradies für Russen geworden. Zahlen sprechen da wohl für sich: Die Zahl der russischen Touristen steigt jährlich um rund 80 Prozent. Daher ist auch ein regelmäßiger Fluglinienverkehr zwischen Moskau und Podgorica eingerichtet worden.

Mustafa Canka, Ulcinj

DW-RADIO/Serbisch, 13.6.2006, Fokus Ost-Südost