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Fokus Osteuropa

Montenegro baut eigenes diplomatisches Netzwerk auf

Nach der Trennung des Staatenbundes werden nun die diplomatischen Vertretungen aufgeteilt. Podgorica plant Botschaften gemäß seiner Größe, finanziellen Möglichkeiten und Interessen. Berlin kommt eine besondere Rolle zu.

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Berlin im Fokus der Wirtschaftsdiplomatie von Montenegro

Nachdem Serbien die Nachfolge der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro angetreten hat, hat Belgrad alle diplomatischen Vertretungen im Ausland übernommen. Für rund 50 Diplomaten von der montenegrinischen Liste im Außenministerium der ehemaligen Staatengemeinschaft ist damit die Amtszeit am 5. Juni abgelaufen. Bis zum Ende des Monats würden sie nach Montenegro zurückkehren, teilte die Regierung in Podgorica mit. Ferner heißt es, die konsularischen Vertretungen Serbiens im Ausland würden bis auf weiteres auch die Interessen der montenegrinischen Staatsbürger wahrnehmen.

Erste Botschafter ab Herbst

In der Staatengemeinschaft hatte Montenegro 12 Botschafter – unter anderem in Brüssel, London, Moskau und Rom – 15 stellvertretende Botschafter sowie die Missionsleitung bei der UN, OSZE und EU. Diese Diplomaten werden auch künftig in New York, Wien und Brüssel bleiben, weil Montenegro in diesen Metropolen Räumlichkeiten für diplomatische Vertretungen organisiert hat. Sie sollen in den kommenden Monaten die Gründung der montenegrinischen Missionen bei diesen Organisationen vorbereiten. Podgorica hofft, dass dies im Herbst der Fall sein wird, wenn es nach der UN-Vollversammlung Mitglied dieser Organisation wird. Demzufolge kann Montenegro Ende September, Anfang Oktober die ersten bevollmächtigten Vertreter in den wichtigsten Staaten der Welt, Europas und der Region erhalten. Podgrica wird seine Botschafter zunächst nach Berlin, Brüssel, Washington, Ljubljana, Zagreb und Skopje entsenden, denn in diesen Städten sind seit Jahren bereits montenegrinische Handelsmissionen tätig.

Diplomatisches Netzwerk der Größe entsprechend

Der montenegrinische Präsident Filip Vujanovic sagte, Montenegro werde sein diplomatisches Netzwerk entsprechend seiner Größe, seinen finanziellen Möglichkeiten und Interessen aufbauen. Ebenso wie es andere Länder getan haben, die der Einwohnerzahl und der Wirtschaftskraft dieses jüngsten europäischen Staates entsprechen. "Wir werden ein effizientes diplomatisches Netzwerk aufbauen, das vornehmlich die Wirtschaftsdiplomatie Montenegros festigen und dafür sorgen soll, dass unsere reichen natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen sowie unsere guten Chancen für eine wirtschaftliche Entwicklung in der internationalen Gemeinschaft würdig vertreten sind."

Bedeutende Rolle Deutschlands

Aus diesen Gründen spielt der montenegrinischen Regierung zufolge die Botschaft in Berlin vielleicht sogar die bedeutendste Rolle. Denn die Bundesrepublik Deutschland ist heute der wichtigste Wirtschaftspartner von Montenegro weltweit. Allein dieses Jahr wird Deutschland 59 Millionen Euro in Großprojekte in Montenegro investieren. Dieses Jahr wird ferner erwartet, dass mindestens 30 Prozent mehr deutsche Touristen als im Vorjahr Montenegro besuchen. "Daher misst auch das Außenministerium der deutschen Sprache immer mehr Bedeutung bei", sagte Montenegros Chefdiplomat Miodrag Vlahovic im Gespräch mit DW-RADIO. "Das Außenministerium hat eine Initiative eingeleitet, nach der wenigstens ein Drittel der jüngeren Menschen Deutsch lernen sollen. Dabei werden wir sehr stark von unseren deutschen Freunden unterstützt", so Vlahovic. Auch in montenegrinischen Grund- und Mittelschulen wird Deutsch bald zweitwichtigste Sprache nach Englisch werden, weil dies die Regierungen in Berlin und Podgorica kürzlich vereinbart haben.

Mustafa Canka, Ulcinj
DW-RADIO/Serbisch, 7.6.2006, Fokus Ost-Südost

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