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Fokus Osteuropa

Montenegrinische Kirche fordert Autokephalie

Montenegro wird unabhängig, diese fordert nun auch die Montenegrinisch-Orthodoxe Kirche für sich. Aber die Zustimmung der orthodoxen Kirchen fehlt.

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Steht eine Kirchengründung bevor?

Die Stellung der Serbisch-Orthodoxen Kirche (SPC) werde sich in einem unabhängigen Montenegro nicht ändern, teilte die Regierung in Podgorica mit. Montenegros Premier Milo Djukanovic sagte indes, niemand könne in einem demokratischen Staat und einer demokratischen Gesellschaft das Monopol innehaben. Die Menschen hätten das Recht, sich um die Montenegrinisch-Orthodoxen Kirche (CPC) zu einen. Schließlich sei sie laut der Verfassung des Fürstentums Montenegro von 1905 autokephal gewesen und habe ihre Selbstständigkeit vor 15 Jahren wiederhergestellt. Das serbisch-orthodoxe Bistum von Montenegro und der Küstenregion behauptet dagegen, es handle sich um eine Organisation der Abtrünnigen, die von keiner kanonisch anerkannten orthodoxen Kirche anerkannt sei.

Zwist vorprogrammiert

Die Beziehungen zwischen den montenegrinischen staatlichen Institutionen und der SPC hatten sich in der letzten Zeit im Vergleich zu den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Dies bestätigte während der Kampagne für das Unabhängigkeitsreferendum auch der montenegrinische Bischof Amfilohije Radovic. Getrübt werden könnte diese Zusammenarbeit nun, weil die CPC gefordert hat, dass ein Teil der insgesamt 660 Klöster und Kirchen in Montenegro ihr zugesprochen werden sollte. Vukic Puljevic von der CPC sagte DW-RADIO, diese Gebäude habe das montenegrinische Volk gebaut. "Die SPC hat sie sich widerrechtlich angeeignet. Die Montenegriner müssen sie wieder nutzen können. Dies schließt jedoch keinesfalls aus, dass auch andere orthodoxe Gläubige darin beten können", so Puljevic.

Einlenken der serbischen Kirche?

Unterdessen hat in Belgrad das höchste serbische Kirchenorgan, die Heilige Erzpriesterversammlung der SPC, stattgefunden. In der offiziellen Mitteilung darüber liegt das Hauptaugenmerk auf der Einheit dieser Kirche und der Wahrung ihrer kanonischen Ordnung. Im Vordergrund steht ferner, dass es erforderlich sei, den Dialog, wie es heißt, mit dem Klerus in der Republik Mazedonien, der noch immer abtrünnig sei, fortzuführen. Vermieden wurde, die kanonisch nicht anerkannte Mazedonisch-Orthodoxe Kirche (MPC) wörtlich zu nennen.

Podgorica sucht Bündispartner

Den sanften Ton des Belgrader Patriarchats gegenüber den mazedonischen Orthodoxen, die ebenfalls die Autokephalie fordern, führen Kirchenexperten auf die Situation zurück, in der sich das Patriarchat befindet. Denn nach dem Referendum in Montenegro haben die Erzpriester nur zu gegenseitiger Liebe aufgerufen. Offen bleibt die Position des Belgrader Patriarchats zur kanonisch nicht anerkannten CPC in einem unabhängigen Staat. Das Oberhaupt der CPC, Erzbischof Mihailo, hat sich bereits an den mazedonischen Klerus gewandt und vorgeschlagen, gemeinsam die Autokephalie ihrer Kirchen voranzutreiben. Die Würdenträger der MPC haben indes zurückhaltend reagiert. Die MPC würde auf einer der kommenden Sitzungen des Synods über den Aufruf der CPC zu einer gemeinsame Strategie auf dem Weg in die Autokephalie beraten. Das Oberhaupt der MPC, Erzbischof Stefan, äußerte dazu lediglich seine persönliche Meinung: "Montenegro hat mit der Unabhängigkeit nach den kanonischen Gesetzen eine Voraussetzung erfüllt, um eine selbstständige orthodoxe Kirche zu gründen."

Gesamtorthodoxes Konzil gefordert

Um die Frage der Autokephalie beider Kirchen zu lösen, mehren sich die Stimmen, ein gesamtorthodoxes Konzil einzuberufen. Der Publizist orthodoxer Schriften, Mirko Djordjevic, sagte DW-RADIO jedoch: "Das letzte gesamtorthodoxe Konzil hat vor 1200 Jahren stattgefunden. Das nächste wird sicherlich nicht sobald einberufen. Bestenfalls liegen noch hundert Jahre vor uns. Daher können Probleme der Kirchenordnung, die es in der ganzen Orthodoxie gibt und worunter auch das mazedonische fällt, nicht vom Konzil entschieden werden, dann würden sie praktisch nie gelöst." Abgesehen davon hat keine der bestehenden orthodoxen Ortskirchen von einem gesamtorthodoxen Konzil ihre Autokephalie erhalten.

M. Canka, E. Stitkovac, I. Petreski
DW-RADIO/Serbisch, DW-RADIO/Mazedonisch, 29.5.2006, Fokus Ost-Südost