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Wirtschaft

Monte dei Paschi will sich gesund schrumpfen

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi will bis 2021 jede fünfte Stelle streichen und fast jede dritte Filiale schließen. Bis zum Jahr 2021 will die Bank wieder schwarze Zahlen schreiben.

Mit dem Abbau von 5500 der zuletzt 25.600 Arbeitsplätze und einer neuen Strategie soll das vom italienischen Staat aufgefangene Institut aus Siena dann auf einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro kommen  - letztes Jahr war es noch ein Verlust von 3,2 Milliarden. Euro.

Vorstandschef Marco Morelli stellte am Mittwoch seinen Plan für den Umbau der Nummer vier unter Italiens Banken vor: "Das ist ein konservativer Plan. Wir streben nicht nach unrealistischen Zielen." 600 der 2000 Filialen werden geschlossen. Die älteste Bank der Welt setzt in Zukunft stärker auf Privatkunden und kleine Mittelständler, das Großkunden-Geschäft soll eingedampft werden. Eine Fusion komme nicht infrage, sagte Morelli. "Es gibt keinen Plan B."

Grünes Licht aus Brüssel

Die EU-Kommission hatte erst am Dienstag grünes Licht für Staatshilfen von bis zu 5,4 Milliarden Euro gegeben. Eine Grundsatzeinigung zwischen Rom und Brüssel hatte es schon Anfang Juni gegeben. Doch unterlag diese den Angaben zufolge zwei Bedingungen, die erst jetzt erfüllt sind: Die Europäische Zentralbank (EZB) habe offiziell bestätigt, dass die MPS solvent ist. Und Italien habe nun die Zusage privater Investoren zum Ankauf notleidender Kredite der Bank.

Aktionäre und die Gläubiger nachrangiger Anleihen tragen 4,3 Milliarden Euro bei. Insgesamt wird die Kapitalbasis der Bank damit um 8,1 Milliarden Euro gestärkt. Gleichzeitig wird Monte dei Paschi 26 Milliarden Euro an faulen Krediten an den staatlichen Banken-Rettungsfonds Atlante los. Die Aktion kostet aber zunächst noch einmal Geld: Denn die Kredite, die für 5,5 Milliarden Euro an Atlante übertragen werden, standen bei Monte dei Paschi mit 9,4 Milliarden in der Bilanz.

Intensivstation

Bereits 2016 hatte die Bank aus der Toskana mit einem Verlust von 3,2 Milliarden Euro abgeschlossen. "Was wir in den vergangenen neun Monaten erlebt haben, sucht seinesgleichen. Das war wie auf einer Intensivstation, in die alle fünf Minuten ein neuer Notfall hereinkam", sagte Morelli. Der Stellenabbau werde bis 2021 rund 1,15 Milliarden Euro kosten.

Durch die Kapitalspritze und die Auslagerung fauler Kredite soll Monte dei Paschi Ende 2021 auf eine wettbewerbsfähige harte Kernkapitalquote von 14,7 Prozent kommen. Ende 2016 war sie bis auf 8,2 Prozent geschrumpft, Kunden zogen massenhaft Geld ab. Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) fordern schon von 2018 an einen Kapitalpuffer von elf Prozent.

Kosten drücken

Morelli setzt ganz auf Automatisierung und Digitalisierung, um die Kosten zu drücken. Die Online-Tochter Widiba soll dafür zum Modell werden. Wenn Kredite wackeln, sollen künftig früher die Alarmglocken schrillen. Das Risikomanagement müsse "radikal verbessert werden", forderte Morelli.

Der Bankensektor in Italien leidet unter einem Berg von Krediten, die nicht mehr bedient oder getilgt werden können. Monte dei Paschi galt als größtes Sorgenkind. Ende Juni wurden zwei kleine Banken abgewickelt, ihre lebensfähigen Teile gehen an die Großbank Intesa Sanpaolo. Derzeit ist die Banca Carige aus Genua, die Nummer neun des Landes, auf der Suche nach einer halben Milliarde Euro frischem Kapital.

wen/ul (dpa, rtrd, Archiv)