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Bankenkrise in Italien

Monte dei Paschi scheitert bei Geldsuche

Die älteste Bank der Welt, Monte die Paschi in Siena, steht kurz vor dem Bankrott. Ihr Versuch, neue Kapitalgeber zu finden, ist gescheitert. Jetzt hofft die Bank auf den italienischen Staat.

Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist der erhoffte Befreiungsschlag misslungen. Die Bank hat bei ihrer Kapitalerhöhung weniger Geld eingenommen als benötigt.

Das schwer angeschlagene Institut habe seinen Kapitalpuffer durch den Umtausch von Anleihen in Aktien und dem Verkauf neuer Aktien nicht um fünf Milliarden Euro aufstocken können, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag unter Berufung auf die Bank. Es wird erwartet, dass die Bank den Staat nun um direkte Hilfe bittet.

Am Mittwoch hatte MPS erklärt, dass ihr das Geld früher ausgehe als gedacht. Die flüssigen Mittel könnten nur noch für vier Monate reichen, hieß es in einer Kapitalmarkt-Mitteilung. Zuvor hatte die Bank angegeben, das Geld reiche noch für elf Monate. Zum Stichtag 16. Dezember hatte MPS noch 10,6 Milliarden Euro an Liquidität.

Diese Ankündigung hatte den Aktienkurs um fast 20 Prozent nach unten gedrückt. Immer wieder wurde der Handel unterbrochen. Auch am Donnerstag wurde die Aktie wegen großer Schwankungen kurz nach Zustandekommen des Eröffnungskurses wieder vom Handel ausgesetzt. 

Die Regierung ist vorbereitet

Experten hatten bereits damit gerechnet, dass MPS die benötigte Summe nicht zusammenbekommt. Die italienische Regierung hatte sich daher bereits am Dienstag beim Parlament die Erlaubnis für eine Kreditaufnahme von bis zu 20 Milliarden Euro geholt, um MPS und andere Krisenbanken notfalls stützen zu können. Die italienische Finanzbranche leidet unter der schwachen Wirtschaft im Land, weshalb viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen können. 

Wann das Kabinett ein Notfall-Dekret verabschieden könnte, war zunächst unklar. Nach den EU-Regularien müssen auch Privatanleger Verluste tragen, wenn der Staat einem Geldhaus hilft. Bei MPS wären Zehntausende Kleinanleger betroffen. Falls sie zur Kasse gebeten würden, wäre dies für den neuen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni ein politisch heikles Manöver - zumal es nächstes Jahr zu Neuwahlen kommen kann.

Sollte der italienische Staat tatsächlich einspringen, droht auch eine weitere Herabsenkung der Bonität. Nur eine der vier großen internationalen Ratingagenturen, die kanadische DBRS, beurteilt die Bonität der italienischen Volkswirtschaft noch mit "A". Sollte auch diese Einstufung nach unten korrigiert werden, könnte das die Refinanzierungskosten für den römischen Staatshaushalt deutlich verteuern.

dk/bea (dpa)