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Europa

Monsterwelle tötet Kreuzfahrtpassagiere

Das Mittelmeer ist nicht gerade für Riesenwellen bekannt. Doch nun haben während eines Sturms bis zu acht Meter hohe Wellen zwei Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "Louis Majesty" in den Tod gerissen.

Das Kreuzfahrtschiff 'Louis Majesty' liegt im Hafen von Barcelona (Foto: AP)

Nach dem Zwischenfall lief die 'Louis Majesty' den Hafen von Barcelona an

Die "Louis Majesty" befand sich mit 1350 Touristen und 580 Besatzungsmitgliedern an Bord auf der Route von Barcelona nach Genua. Das 207 Meter lange Schiff unter zyprischer Flagge hatte eine fast zwölftägige Rundreise hinter sich, die norditalienische Hafenstadt war Ausgangs- und Endpunkt der Fahrt. Am Mittwochnachmittag (03.03.2010) hatten sich 70 Urlauber zu einem Drink im Salon versammelt und blickten auf die aufgewühlte See. Die spanischen Behörden hatten für die Costa Brava eine Sturmwarnung heruasgegeben und Wellen von fünf bis sechs Metern Höhe vorausgesagt.

Drei Riesenwellen rammten den Bug

Aufräumarbeiten an Deck des Kreuzfahrtschiffs 'Louis Majesty' (Foto: AP)

Aufräumarbeiten an Bord im Hafen von Barcelona

Plötzlich zerbarsten die Scheiben, und Massen von Wasser schwappten in den Raum. Ein 69-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen und ein 52 Jahre alter Italiener wurden getötet, 16 weitere Passagiere verletzt. Drei Riesenwellen von bis zu acht Metern Höhe waren frontal gegen den Bug des zyprischen Kreuzfahrtschiffs geprallt.

"Ich habe Schreie gehört und dann das Wasser aus einem der Säle im fünften Stock stürzen sehen", zitierten italienische Medien Ervino Curtis, einen 63-jährigen Italiener. "In dem Moment, als ich den Salon betreten habe, ist ein Fenster zerbrochen und das Wasser hat alle überflutet. Dann herrschte nur noch Chaos."

Herabstürzende Teile erschlugen die Männer

Die erste "Monsterwelle" hatte nach einem Bericht der Zeitung "La Vanguardia" nur die Fensterscheiben des Salons auf dem fünften Deck zertrümmert. Unmittelbar darauf schlug eine zweite Woge mit solcher Wucht in den Raum, dass sie Urlauber gegen eine Wand schleuderte. Tödliche Folgen habe erst die dritte Riesenwelle gehabt, schrieb das Blatt. Sie habe die Deckenverkleidung aus der Verankerung gerissen. Die herabstürzenden Teile hätten den Deutschen und den Italiener erschlagen.

Der Kapitän gab den Befehl, sofort Barcelona als nächsten größeren Hafen anzulaufen. Das Schiff traf am späten Mittwochabend ein. Dort warteten Krankenwagen, die die beiden Leichen und die Verletzten in eine Klinik brachten.

Rätsel für die Wissenschaft

Eine Riesenwelle (Foto: AP)

Riesenwellen können bis zu 40 Meter hoch werden

Der genaue Ort des Zwischenfalls blieb zunächst unklar. Laut griechischer Küstenwache ereignete sich das Unglück in der Nähe von Marseille. Die französische Zeitung "Le Figaro" berichtet dagegen, der Vorfall habe sich vor der spanischen Küste rund 130 Kilometer nordöstlich von Barcelona ereignet. Die Reederei war zur Aufklärung der widersprüchlichen Informationen bisher nicht zu erreichen.

Wie und warum derartige Monsterwellen ohne erkennbaren Anlass entstehen, ist trotz intensiver Forschung mit modernsten Mitteln wie Satelliten bislang noch nicht restlos geklärt. In einigen Fällen spielten anscheinend Meeresströmungen eine Rolle, sagt Wellenforscher Wolfgang Rosenthal vom Gauss-Institut an der Fachhochule Bremen, das sich mit der Sicherheit im Seeverkehr befasst. Andere Riesenwellen entstehen offenbar rein zufällig durch hochkomplizierte physikalische Überlagerungsprozesse, etwa wenn mehrere normale Wellen einander überholen und in ihrer Kraft summieren, wie Forscher am Institut für Schiffs- und Meerestechnik an der Technischen Universität (TU) Berlin herausfanden.

Monsterwellen sind kein "Seemannsgarn"

Als Naturphänomen wirklich ernst genommen werden Monsterwellen erst seit 1995. Zwar berichteten Seeleute schon seit Jahrhunderten von gewaltigen Brechern, die wie aus dem Nichts auftauchten und Schiffe in die Tiefe reißen können. Meeresforscher aber glaubten die Geschichten nie. Ein Umdenken setzte erst ein, als vor etwa 15 Jahren ein Messgerät auf einer Ölbohrinsel in der Nordsee zufällig eine Wasserwand von 26,5 Metern Höhe registrierte. Es war der erste objektive Beweis für die Existenz von Monsterwellen.

Autorin: Pia Gram (dpa, afp, apn)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot