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Kultur

Mohn, Malven, Magie

Überall wo sich der Expressionist Emil Nolde niedergelassen hat, legte er Gärten mit leuchtenden Blumen an. Jetzt ist eine große Ausstellung in Berlin zu sehen, die sich nur mit den Blumenbildern Noldes beschäftigt.

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"Blumengarten: Stiefmütterchen" von Emil Nolde (1867-1956) aus dem Jahr 1908.

Dahlien, Sonnenblumen, Stiefmütterchen oder Türkischer Mohn: Blumen, die der Maler Emil Nolde über alles liebte. Sein elementares Markenzeichen sind die intensiv leuchtenden unvermischten Farben, die ineinander verlaufen; denen man ansieht, dass sie spontan, in großzügigen Gesten auf die zuvor grundierte Leinwand aufgetragen wurden. Und dadurch eine sprengende Ausdruckskraft für den Betrachter entwickeln. Hunderte von Blumenmotiven hat der Naturliebhaber Emil Nolde gemalt. 85 Bilder, Aquarelle und Kreidezeichnungen sind nun in der Ausstellung " Mein Garten voller Blumen" in Berlin zu sehen.

Die Urnatur aufspüren

Emil Nolde, Porträt

Emil Hansen, der sich später nach seinem Geburtsort im nördlichen Schleswig-Holstein Emil Nolde nannte.

Die berühmten Blumenbilder von Emil Nolde sind für den norddeutschen Expressionisten Ausdruck für das innere Erleben und das subjektive Empfinden der Welt. „Malen wie er geht, wie er atmet, beim Malen das Intellektuelle, den Kopf beiseite schieben“, so beschreibt Manfred Reuther, Direktor der Noldestiftung Seebüll, Emil Noldes Herangehensweise. Emil Nolde heißt eigentlich Emil Hansen, hat sich aber seit 1902 nach seinem nordfriesischen Heimatdorf Nolde benannt. Von Anfang an hat er den Weg zur Farbe gesucht. Und war überzeugt, dass er sich mit der hellen und freudig leuchtenden Farbe adäquat ausdrücken kann. In ihr fand Nolde das Material, mit dem das Aufspüren des Natürlichen, der Urnatur möglich war, wie er selbst es einmal ausgedrückt hat.

Blumen begleiten das Leben Emil Noldes

Noldemuseum Seebüll.

Das malerisch gelegene Noldemuseum in Seebüll widmet sich dem Maler Emil Nolde, der aus Norddeutschland stammte.

Schnell machte der Name Emil Nolde in der Kunstwelt seine Runde. Karl Schmidt Rottluff und seine Kollegen um die weltweit bedeutendste Expressionistengruppe 'Die Brücke' waren von Nolde so begeistert, dass sie ihn fast devot fragten, ob er nicht Mitglied ihres Künstlerkreises werden wolle, was er 1906 dann auch tat. Doch 1909 hörte Nolde plötzlich – und für viele überraschend - mit den Blumenmotiven auf. Er war schlicht davon genervt, dass die Betrachter nur noch von den Motiven begeistert waren, aber nicht mehr von der Malerei. Erst Jahre später kehrt Emil Nolde wieder zu den Blumenmotiven zurück.

Tropische Welten

Noldes Blumenbilder wirken wie fotografische Schnappschüsse, als Betrachter steht man mit den schillernden Blütenmotiven auf Augenhöhe, wie in einem botanischen Garten. Und wenn schwarzdunkle Wolken durchs Bild ziehen, spürt man die Dramatik der Natur und die herbe und raue Schönheit der nordfriesischen Heimat von Emil Nolde. Ereignisse, die, wie er einmal gesagt hat, so nur auf dem Land zu erleben sind. Neben den opulenten Aquarellen kann man in der Berliner Nolde-Ausstellung „Mein Garten voller Blumen“ auch feine Kreide- und Bleistiftzeichnungen tropischer Pflanzen sehen. Spontane Zeichnungen, die während seiner Südseereise entstanden sind. Botanische Erinnerungsbilder und knappe Momentaufnahmen, die Einblicke in exotische Welten eröffnen.

Nur selten gewährt Nolde dem Betrachter in den Blumenbildern einen Blick über die Gartengrenze hinaus, und dann sieht man in der Tiefe eine einzelne Frauengestalt in einem langen hellen Kleid. Es ist Ada Nolde, seine Frau, wie sie ein Buch liest oder im Garten arbeitet. Denn selbst hat Emil Nolde, auch wenn er zeitlebens ein großer Freund der Blumen war, kaum gegärtnert.

Die Austellung „Mein Garten voller Blumen“ ist bis zum 14. Juni 2009 in der Berliner Dependance der Nolde Stiftung zu sehen.

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