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Politik

Mogadischu leidet

Die Kämpfe in Somalias Hauptstadt weiten sich aus. Die seit mehr als einer Woche andauernden Gefechte in Mogadischu fordern hunderte von Toten, Hunderttausende sind auf der Flucht.

Ein Aufständischer nimmt Deckung in Mogadischu. Quelle: AP

Ein Aufständischer nimmt Deckung in Mogadischu

Mindestens 20 Menschen wurden nach Informationen der somalischen Nachrichtenagentur Shabelle alleine am Donnerstag (26.4.) getötet. Mehrere Dutzend äthiopische Panzer rollten nach Augenzeugenberichten durch die Stadt. Am Vorabend war das SOS-Krankenhaus in Mogadischu von mehreren Geschossen getroffen worden. Mehrere Patienten wurden verletzt. Ärzte klagen über fehlende Medikamente, um die Verletzten zu versorgen. Die somalische Übergangsregierung hatte erst kürzlich betont, dass sie mit Unterstützung der Äthiopier "alle Terroristen" vertreiben wolle.

Aufständischer mit Gefangenen. Quelle: AP

Aufständischer mit Gefangenen

Die neuen Gefechte haben nach Ansicht der Vereinten Nationen die Bevölkerung in die schlimmste Krise der letzten Jahre gestürzt. Mogadischu und sein Umland sind Orte der Verzweiflung. Zurück in Mogadischu bleiben vor allem die Kranken und Schwachen. "All jene, die krank sind, in Rollstühlen sitzen, behindert sind, können nicht weg", sagt Catherine Weibel vom UN-Flüchtlingshilfswerk. Krankenhausbetten sind schon längst keine mehr frei, und auch das Verbandszeug wird inzwischen knapp: Hunderte Verletzte hoffen inmitten der seit Tagen anhaltenden schweren Kämpfe auf Hilfe. Täglich steigt die Zahl der Verwundeten, wenn Einwohner der Leid erprobten Stadt in die Schusslinie zwischen islamistischen Kämpfern auf der einen und somalischen sowie äthiopischen Soldaten auf der anderen Seite geraten. "Sogar der Schatten der Bäume ist ausgebucht", klagt Dahir Dhere, der Direktor des Medina-Krankenhauses in Mogadischu. "Wir sind völlig überlastet."

Hunderte von Toten und Verwundeten

Rund 600 Verletzte innerhalb einer Woche haben einheimische Nichtregierungsorganisationen gezählt. Die Zahl der Toten bezifferten sie bis Dienstag auf mehr als 350. Einer ähnlichen Gewaltwelle Anfang des Monats fielen Schätzungen zufolge etwa 1000 Menschen zum Opfer. Mehr als 320.000 der insgesamt zwei Millionen Einwohner sind nach UN-Angaben seit Februar aus der Hauptstadt geflohen.

Die afrikanische Friedensmission, die nach dem geplanten Abzug der Äthiopier für Ruhe und Ordnung sorgen sollte, ist weiterhin nicht einsatzfähig. Bislang sind erst 1500 ugandische Soldaten eingetroffen. Ministerpräsident Ali Mohamed Gedi betont unterdessen, seine Regierung stehe vor dem Sieg über die Aufständischen. Zugleich fordert er internationale Hilfe, sonst könne "der Krieg sich ausbreiten", warnt er. "Diese Terroristen wollen die gesamte Region destabilisieren."

Äthiopische Streitkräfte bekämpfen seit Monaten zusammen mit somalischen Regierungssoldaten Aufständische und Überreste der islamischen Milizen, die im vergangenen Jahr einen Großteil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. (sams)

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