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Asien

Modi will Chinas Einfluss zurückdrängen

Indiens Premierminister Modi besucht drei Anrainerstaaten des Indischen Ozeans zur Stärkung der wirtschaftlichen und sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Auch China hat Interessen in der Region.

Nach Narendra Modis überragendem Wahlsieg im Jahr 2014 gingen viele Beobachter davon aus, dass sich der indische Premierminister in erster Linie der nationalen Probleme annehmen würde. Aber heute vertritt fast niemand mehr diese Ansicht. Seit seiner Amtseinführung hat der Hindu Nationalist vor allem die Außenpolitik Indiens geprägt. Im Zentrum stand dabei die Wiederbelebung der Beziehungen zu den südasiatischen Nachbarstaaten. Jetzt setzt Modi seine Mission auf einer Auslandsreise in drei Staaten des Indischen Ozeans fort: Seychellen, Mauritius und Sri Lanka.

Vor der Reise sagte Modi: "Indien legt allerhöchsten Wert auf eine Stärkung der Beziehungen dieser Region, die entscheidend für Indiens Sicherheit und Fortschritt sind." Experten sind überzeugt, dass es bei der Reise vor allem darum geht,

Chinas Einfluss

zurückzudrängen. Die Volksrepublik hatte sich in den letzten Jahren in der Region stark engagiert, insbesondere in Sri Lanka. China will den Indischen Ozean nicht dem asiatischen Rivalen Indien überlassen.

Indiens Befürchtungen

Milliarden Dollar hat China in Sri Lanka investiert. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Modernisierung der Infrastruktur und dem Bau von Häfen. ln der Folge wurden die Beziehungen zwischen Colombo und Beijing immer enger. Insbesondere der ehemalige Sri-lankische Präsident

Mahinda Rajapaksa

orientierte sich stark nach China. Smruti Pattanaik, Wissenschaftler am Institut für Sicherheitsstudien in Neu Delhi erklärt im Interview mit der Deutschen Welle: "Die vorherige Regierung Rajapaksas wendete sich an China, um Indien sowohl wirtschaftlich als auch militärisch auszubalancieren. Rajapaksa setzte dabei insbesondere auf engere Sicherheitsbeziehungen." Als im September 2014 ein chinesisches U-Boot im Hafen von Colombo anlegte, löste das erhebliche Bedenken in Neu Delhi aus.

Modi und Sirisena

Sri Lanka ist der größte Nachbar Indiens im Indischen Ozean. Der Inselstaat ist von hoher geostrategischer Bedeutung für den Subkontinent. "Allein aufgrund seiner geographischen Nähe zu Indien könnte Sri Lanka ein hervorragender Beobachtungsposten seien, um einen Blick auf Indiens militärische Aktivitäten zu haben", so die Analytikerin Pattanaik. Jede Präsenz externer Streitkräfte in Sri Lanka betreffe demnach Indiens Sicherheit direkt.

Mithripala Sirisena und Narendra Modi

Sri Lankas Präsident Mithripala Sirisena (m.) und Indiens Premierminister Narendra Modi (re.) beim Staatsbesuch in Indien

Die Wahlniederlage von Rajapaksa bei den sri-lankischen Präsidentschaftswahlen im Januar 2015 wurde deswegen von der indischen Regierung begrüßt. Der neue Präsident,

Maithripala Sirisena

, so wird angenommen, bevorzugt Indien als Partner. Tatsächlich führte Sirisenas erste Reise nach Neu Delhi, wo er seinem Wunsch Ausdruck verlieh, die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu vertiefen. Im Rahmen der Reise unterzeichnete er auch einen Vertrag zur Kooperation bei der Nutzung von ziviler Atomenergie.

Nur einen Monat später reist Modi nun nach Sri Lanka, wo er am Freitag (13.03.2015) für einen zweitägigen Besuch erwartet wird. Es ist die erste Reise eines indischen Premierministers in das südliche Nachbarland seit 28 Jahren. Während seines Besuchs wird Modi tausende Häuser offiziell übergeben, für deren Errichtung die indische Regierung die Finanzmittel bereitgestellt hat. Die Häuser sollen Binnenvertriebenen als Bleibe dienen. Außerdem wird er vor dem Parlament in Colombo eine Rede halten.

Viel Konfliktpotential

Das indische Staatsoberhaupt wird außerdem die Provinz Jaffna besuchen, eine Region, in der vor allem Angehörige der ethnischen Minderheit der Tamilen leben. Das überwiegend singhalesische Land litt jahrzehntelang unter einem Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen. Er kam 2009 zu einem Ende. Seither steht die Regierung in Colombo immer wieder in der Kritik. Ihr wird von internationalen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International vorgeworfen, nicht genug gegen die Diskriminierung ethnischer und religiöser Minderheiten zu unternehmen.

Die Frage nach der Lage der Tamilen ist für Modi von entscheidender Bedeutung, da die tamilische Bevölkerung aus Indien vom Premierminister erwartet, in Sri Lanka für die Angehörigen ihrer Ethnie entschieden einzutreten. In diesem Zusammenhang sei es für die indisch-sri-lankischen Beziehungen von entscheidender Bedeutung, wie der neue Präsident Sirisena die tamilische Minderheit behandele, so der Politologe Sumit Ganguly. "Solange die neue Regierung sich nicht von der alten Politik verabschiedet, werden die indisch-sri-lankischen Beziehungen belastet sein."

Flüchtlinge in Sri Lanka

Nach dem Bürgerkireg gab es zehntausende Binnenflüchtlinge in Sri Lanka

Beide Nationen geraten auch wegen des Fischfangs immer wieder aneinander. Fischer beider Länder werfen ihre Netze nämlich in den exklusiven Fanggründen des jeweils anderen Landes aus. Vor Modis Besuch sagte der sri-lankische Premierminister Ranil Wickremesinghe, dass indische Fischer, die in die Hoheitsgewässer Sri Lankas eindrängen, erschossen werden könnten. Das führte zu einer empörten Reaktion aus Neu Delhi.

Handelsbeziehungen fördern

Abgesehen von diesen Differenzen, wird der Besuch die Kooperation zwischen beiden Ländern sicher vertiefen. Von offiziellen Stellen war zu hören, dass der bilaterale Handel, der zur Zeit bei etwa Milliarden US-Dollar steht, Priorität habe. Sri Lanka war das erste Land, das mit Indien ein Freihandelsabkommen geschlossen hat. Mit der Verstärkung der wirtschaftlichen Beziehungen hofft die Regierung Modi Sri Lanka wieder enger in den Einflussbereich des Subkontinents zu binden, sagen Experten.

"Ich bin zuversichtlich, dass mein Besuch aller drei Länder unsere Beziehungen wiederbeleben wird, in dieser überaus wichtigen Region, die wir alle unsere Heimat nennen", sagte Modi kurz vor seiner Abreise. Das zeigt an, dass es bei dieser Reise nicht nur um wirtschaftliche Beziehungen, sondern auch um die Stärkung der Sicherheitskooperation geht, insbesondere die maritime Sicherheit und den Anti-Terrorkampf.

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