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Fokus Südosteuropa

Modernes Mäzenatentum in Mazedonien

Reiche und einflussreiche Mazedonier investieren nicht nur in lukrative Geschäfte, sondern auch in die Gesellschaft. Sie spenden vor allem für Kunst und Sport. Für die Sportvereine ebnen die Gelder den Weg zum Erfolg.

Frauenhände halten Euromünzen (Foto: Picture Alliance/Helga Lade)

Sport-Spenden in zweifacher Millionenhöhe jährlich

Der Bau von Kirchen, Schenkungen an Krankenhäuser, Sponsoring von Sportclubs, die Finanzierung von Forschungsprojekten, Stipendien und Stiftungen für Kultur und Kunst - in diese Bereiche lassen mazedonische Philanthropen - wie sie sich selbst gern nennen - ihr Geld fließen. Mehr als zehn Multimillionäre gibt es in dem Balkanland, das nur etwa zwei Millionen Einwohner hat. Ihren Reichtum haben die meisten seit der Wende nach Ende des Sozialismus erworben.

Einer von ihnen ist Risto Gusterov. Er gehört zu der Generation von Geschäftsleuten, die bei dem Unternehmen "Tehnometal" groß geworden sind, das während des Sozialismus die größte mazedonische Im- und Exportfirma war.

"Ich habe meine Karriere in Mazedonien begonnen. Da habe ich auch meinen Hochschulabschluss gemacht, und der Staat hat es mir ermöglicht, mich auf dem europäischen und globalen Markt versiert bewegen zu können" sagt Gusterov. "Nun ist es für mich normal, dass ich mich revanchiere, und ich denke, das sollte jeder tun."

Gemeinsamer Hintergrund

Trifun Kostovski, der ehemalige Bürgermeister von Skopje (Foto: Petr Stojanovski)

Kostovski investiert in Forschung und Kirche

Künstler in Mazedonien begrüßen diesen Trend. "Ich bin als Künstler äußerst erfreut, dass es nun auch in Mazedonien Mäzene gibt. Sie regen die Kunst an und finanzieren auch meine Skuplturen", sagt Tome Serafimovski, Mazedoniens bekanntester Bildhauer. Seine Werke, in denen die in Skopje geborene Mutter Teresa eine zentrale Rolle spielt, wurden in Belgrad, dem Vatikan, Warschau, Skopje, Ohrid, Zagreb und Wien ausgestellt.

Die Finanzierung dieser Ausstellungen lief vornehmlich über Trifun Kostovski, den ehemaligen Bürgermeister von Skopje und einen der Geschäftsleute, die bei "Tehnometal" begonnen haben und danach reich geworden sind. "Es ist unumstritten, dass Trifun Kostovski einer der größten Mäzene Mazedoniens ist," sagt Serafimovski. "Er hat bisher 45 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke ausgegeben." Kostovski finanzierte beispielsweise den Wiederaufbau einer bedeutenden orthodoxen Kirche in Skopje und unterstützte Forschungsprojekte der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Gusterov dagegen baute in seiner Geburtsstadt Radovis, einer 15.000 Einwohner zählenden Gemeinde, eine Kirche im Wert von fünf Millionen Euro. "Diese kathedralenartige Kirche ist der Höhepunkt meiner philanthropischen Aktivitäten, weil sie die Menschen glücklich macht, und sie an Mazedoniens Zukunft glauben können" erklärt der Spender seine Motivation. "Das ist für mich das großartigste und größte Geschenk für die Menschen und für das Land", sagt Gusterov immer noch enthusiastisch.

Erfolge durch Sponsoring

Gruppenfoto der Mannschaft des Mazedonien-Meisters FC Renova aus Tetovo (Foto: DW)

Erfolgreich durch Sponsoring: Mazedonien-Meister FC Renova

Viele Jahre schon profitiert auch der Sport vom Sponsoring der reichsten Mazedonier. Dadurch können die Mannschaften gute Spieler und Trainer anwerben. Der Erfolg blieb dann auch nicht aus. Kostovski ist es so gelungen, sein Frauenhandball-Team an die europäische Spitze zu bringen.

Der Erfolg kann aber ohne Sponsoring auch schnell wieder vorbei sein. Das zeigt die Tatsache, dass die Mannschaft nach dem Rückzug Kostovskis wieder auf den hinteren Ligaplätzen gelandet ist. Der Eigentümer des Unternehmens "Mazedonisches Stahlwerk", Minco Jordanov, ist der größte Sponsor der erfolgreichsten Herren-Handballmannschaft im Lande. Dank des Engagements von Shefket Idrizi, Eigentümer der führenden Baustofffabriken in der Region, ist der gleichnamige Fußballclub "Renova" aus Tetovo Mazedonien-Meister geworden.

Schätzungen von Experten zufolge sponsorn Geschäftsleute in Mazedonien den Sport jährlich mit 30 bis 40 Millionen Euro.

Autoren: Aleksandar Comovski / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt