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Kultur

Moderne Literatur im Museum

Viel gucken, wenig lesen: So wünschen sich viele Besucher ein ideales Museum. Kein Problem bei Malerei. Wie aber kann ein Literaturmuseum diesem Anspruch gerecht werden? Genauso! Das zeigt das Literaturmuseum in Marbach.

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Bücher für's Auge

38 schrankgroße Glasvitrinen ziehen sich in vier langen Reihen durch den dunkel getäfelten Hauptraum des neuen Literaturmuseums. Hier, im Untergeschoss des neuen Gebäudes sind die besonders lichtempfindlichen Werke zu finden: 1300 Exponate, die die Unendlichkeit und Fülle des Marbacher Archivs erahnen lassen. Ein Schatz, der sonst in den unterirdischen Magazinen vergraben ist. Dieses Archiv hat nun ein Gesicht bekommen - ein ungeschminktes.

Literaturmuseum der Moderne in Marbach offiziell eröffnet

Blick auf den Neubau aus der Vogelperspektive

Bücher pur

Die Bücher werden der Öffentlichkeit so präsentiert, wie sie sind, erklärt Heike Gfrereis, Leiterin des Literaturmuseums der Moderne. Das heißt, dass die Bücher nicht mit Interpretationen überlagert werden, sagt Gfrereis. Es werde also nicht gesagt: "Das eine hat mit Jugend in Wien zu tun oder das andere mit Großstadt oder das nächste mit der Erfahrung der 68-er Revolution." So wären ganz unterschiedliche Raumbilder oder Klanginstallationen möglich gewesen. Darauf verzichtete das Museum ganz bewusst. "Das, was hier liegt, ist sehr pur. Es gibt keinen offenen Ton, es gibt kein bewegtes Medium dazwischen, weil man aus Erfahrung weiß, man guckt immer das an, was groß ist, hoch ist, bunt ist und sich bewegt." Das sei zwangsläufig so, sagt die Museumsleiterin. Da könne man gar nichts machen - sei die Handschrift, die daneben liege, noch so kostbar.

Thomas Manns Taufjäckchen

Die Moderne setzt ungefähr bei Nietzsche und Fontane, also dem Ende des 19. Jahrhunderts, ein, und endet mit der Gegenwart. Nackt und ungeschützt liegen sie da - die wertvollen Handschriften und Manuskripte. Ein Brief von Fontane, ein Gedicht von Schnitzler. Alles streng chronologisch geordnet. Gegenüber dokumentiert die zweite Vitrinenreihe, ebenfalls in zeitlicher Abfolge, die Entwicklung des Buches. Und dann sind da noch die zahlreichen Devotionalien, Lebenszeugnisse der Autoren. Gleich drei Taufjäckchen von Thomas Mann, eine Röntgenaufnahme von Kästners' Schädel oder Gadamers Schachspiel.

Beschriftung als Vorzensur

"Zeigen" heißt das Leitmotiv im neuen Literaturmuseum und so ist die Beschriftung der Exponate minimalistisch auf Nachname und Jahreszahl beschränkt. "Wir wollten natürlich erreichen, dass die Leute wirklich das Objekt anschauen, nicht, wie man es oft bei Kunstausstellungen sieht, das die Leute zuerst gucken: Wie heißt das Werk, wer hat es gemalt? Ist es wichtig? Muss ich es überhaupt anschauen?", erklärt Gfrereis. Da gebe es immer eine Art von Vorzensur und die gebe es nun in dem neuen Literaturmuseum nicht über die Beschriftung.

Spielwiese für Verleger

Wer mehr wissen will, kann den multi-medialen Museumsführer zu Rate ziehen. So kann man hier und dort verweilen, sich aber auch gezielt führen lassen. Doch nicht nur Wissenschaftler, sondern auch "Computerkids" sollen im neuen Museum auf ihre Kosten kommen. So geht es im zweiten Raum der Dauerausstellung spielerisch zu. Hier können elektronisch Buchstaben geangelt werden, um kleinere Texte zu erkunden. Der kleinste Raum der Ausstellung ist Spielwiese für Verleger und andere Literaturschaffende, die hier abwechselnd ihren ganz persönlichen Zugang zu Texten, Büchern und Autoren zeigen dürfen.

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