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Geschichte

Moderne Kunst für ein freies Deutschland

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1955: In Kassel beginnt eine Erfolgsgeschichte.

Theodor Heuss Politiker, Bundespräsident, D - Besuch der ersten documenta in Kassel 1955 (Copyright: ullstein bild - AKG)

Bildergeschichten Archivbild aus Kassel

Dieser Besuch am 15. September 1955 ist eigentlich nur noch die Krönung einer schon jetzt gelungenen Veranstaltung: Bundespräsident Theodor Heuss gibt sich die Ehre und besucht die erste "documenta" in Kassel, jene Kunstausstellung, die später zur weltweit berühmten Ausstellungsreihe zeitgenössischer Kunst werden sollte.

Der Kasseler Kunstprofessor Arnold Bode, der als Initiator der Schau den Präsidenten bei seinem Rundgang führt, kann schon jetzt zufrieden sein: Drei Tage vor Schließung der Ausstellung sind rund 130.000 Menschen gekommen.

Damit haben die Ausstellungmacher ihr Ziel erreicht: Die Deutschen finden hier erstmals in großem Stil Zugang zu jener Kunst, die unter den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert worden war. Gerade die abstrakte Malerei steht bei dieser "documenta I" besonders im Mittelpunkt. Und die hat einen unmittelbaren Gegenwartsbezug: Die Abstraktion ist die Kunst der Freiheit, so heißt es jetzt – und die junge Bundesrepublik möchte sich als freies Land (und dies in der Abgrenzung zum Gesellschaftssystems in der DDR) gerade dieser Kunst besonders verbunden fühlen.

Ob diese innere Hinwendung zur Klassischen Moderne 1955 schon gelingt, ist fraglich – die ästhetischen Vorstellungen der NS-Zeit prägen die deutsche Mentalität schließlich noch Jahrzehnte weiter. Aber zweifelsohne beginnt 1955 eine Erfolgsgeschichte: Zunächst alle vier, inzwischen alle fünf Jahre veranstaltet, findet in Kassel die wichtigste Ausstellung zur zeitgenössischen Kunst statt. Zuletzt lockte die "dOCUMENTA (13)" im Jahr 2012 über 800.000 Besucher an.

Bundespräsident Heuss und Arnold Bode verweilen an diesem 15. September 1955 übrigens – das Foto zeigt es – vor einer Skulptur des britischen Bildhauers Henry Moore. Dessen Werke finden sich noch heute in vielen deutschen Städten, und seine Skulptur "two large forms" prägt später unter dem ebenfalls kunstliebenden Regierungschef Helmut Schmidt lange Zeit das Außengelände des Bonner Bundeskanzleramtes: Die "documenta" und ihre Künstler haben die Bundesrepublik geprägt.

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