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Kultur

Moderne Kunst aus Lateinamerika in Bonn

In Sachen Kunst gilt Lateinamerika als Kontinent der leuchtenden Farben und des magischen Surrealismus. Doch es gibt auch ein ganz anderes Lateinamerika. Zu sehen derzeit in der Bundeskunsthalle in Bonn.

Julio Le Parc Continuel Mobile (Fortlaufendes Mobile) 1963 Nylonfäden, Stahlplättchen © VG Bild-Kunst, Bonn 2010 Foto: Oriol Tarridas

Frida Kahlo und Diego Rivera sind die ersten Namen, die man mit moderner Kunst aus Lateinamerika verbindet. Neben dem Surrealismus war jedoch auf dem Kontinent eine andere Strömung präsent: die Abstrakte Kunst. Erstmals werden Werke dieser Strömung im Rahmen der Ausstellung "Vibración- moderne Kunst aus Lateinamerika" in der Kunsthalle Bonn gezeigt. Zu sehen sind unter anderem werden Werke von Joaquín Torres-García, Lucio Fontana, Julio Le Parc, Carmen Herrera, Carlos Cruz-Diez ausgestellt.

Gego (Gertrud Goldschmidt) Untitled (Ohne Titel) 1969 Eisendraht und Gewicht Courtesy Fundación Gego and The Cisneros Fontanals Art Foundation Foto: Oriol Tarridas

Werk ohne Titel von Gego

"Die abstrakte Kunst ist in Europa entstanden, daher verbinden die meisten abstrakte Kunst mit Nordamerika und Europa.", erklärt der Kurator der Ausstellung Juan Ledezma. Aber die kunsthistorische Sicht ändert sich. Seit zehn Jahren haben diverse Museen auf der ganzen Welt die lateinamerikanische Kunst für sich entdeckt, auch in Universitäten wird mittlerweile die moderne Kunst aus Lateinamerika zum Thema.

Der Kontext Urbanisierung

Vibración stellt den Einfluss der geometrischen Abstraktion in Werken der Malerei, Skulptur und Fotografie dar. Zudem zeigt die Ausstellung Bilder und Skulpturen aus der Op-Art und der kinetischen Kunst aus den 60ern und 70ern. Die Ausstellungsstücke sind im Kontext der Urbanisierung und Modernisierung Lateinamerikas in den 30er und 40er Jahren entstanden, in einer Zeit, in der viele Europäer nach Südamerika ausgewandert sind. Unter ihnen sind auch viele Künstler jüdischer Herkunft, die vor dem Nazi- Regime in Deutschland geflüchtet sind.

Grete Stern Portrait Bertold Brecht, 1933 Neuvergrößerung 1970er Jahre, Silbergaletinedruck Bauhaus-Archiv Berlin

Grete Stern Portrait Bertold Brecht, 1933

Sie haben in ihren neuen Heimatländern die moderne lateinamerikanische Kunst stark beeinflusst. Vibración hat den Fokus auf drei jüdische Künstlerinnen gesetzt, die jeweils nach Venezuela, Argentinien und Brasilien flüchteten: Gertrud "Gego" Goldschmidt, Mira Schendel und Grete Stern. Letztere arbeitete im Bereich der Werbung und hat außergewöhnliche surrealistische und dadaistische Fotomontagen erstellt. Zusammen mit ihrem Mann, dem argentinischem Fotografen Horacio Coppola, betrieb sie ein Fotostudio, das ein Treffpunkt vieler Intellektueller war. Oft waren es diese Schriftsteller oder Schauspieler, die Stern porträtiert hat. Nachdem sich die Fotografin mit dem Thema Stadt auseinandergesetzt hatte, dokumentierte sie insbesondere indigene Völker in Argentinien.

Einer der ersten Vertreter der kinetischen Kunst ist Carlos Cruz-Diez, der den Kurzfilm "Bewegung und Vibration im Raum: Eine Skulptur von Gego" gedreht hat. Auch er ist in Vibración zu sehen. In dem Film werden die netzartigen Skulpturen von Gego benutzt um anhand von Linie und Schatten eine Struktur zu schaffen. Gego emigrierte im Jahre 1939 nach Caracas und begann netzartige Strukturen aus Metalldraht zu kreieren. Einer dieser Gitterkonstruktionen "Sphäre Nr. 4" wird auch in der Kunsthalle Bonn ausgestellt. Vibración bietet die Möglichkeit sich mit abstrakter Kunst aus Lateinamerika zu befassen. Der kunsttheoretische Dialog kann von nun nicht nur zwischen Europa und den Vereinigten Staaten Amerikas geführt werden, sondern auch Südamerika mit einbeziehen.

Autorin: Gözde Peşman

Redaktion: Günther Birkenstock