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Global Ideas

Moderne Energietechnik hilft aus der Armutsfalle

In Bangladesch fehlt vielen Haushalten und kleinen Betrieben Strom, um Lampen oder elektrische Geräte zu betreiben. Moderne, effiziente und gleichzeitig einfache Energietechnik kann helfen.

Stromversorgung mit Solaranlagen in Bangladesch (Foto: GTZ / Robert Heine)

Stromversorgung mit Solaranlagen in Bangladesch

Eine ausreichende und effiziente Energieversorgung ist ein Schlüssel zur Bekämpfung der Armut in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. 2,5 Milliarden Menschen haben Probleme bei der Beleuchtung ihrer Häuser, bei der Zubereitung von warmen Mahlzeiten, oder bei der Erwärmung von Wasser für die Körperpflege, stellt Stefan Opitz von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in einer Studie fest. Häufig fehle ihnen der Zugang zu den einfachsten Technologien und das Wissen über einfache kostengünstige Lösungen, um ihre persönliche Situation zu verbessern, so Opitz in einem Bericht mit dem Titel "Energie ist Leben". Dieser Mangel behindere auch massiv die wirtschaftliche Entwicklung, speziell im ländlichen Raum.

Stromversorgung mit Solarpaneln in Bangladesch (Foto: GTZ / Ekkehard Kürschner)

300 Dollar kostet die Anschaffung einer Solar-Heimanlage

Strommangel behindert die Produktivität

Ein Beispiel für diesen Kreislauf aus Energiemangel und Armut ist Bangladesch. In dem Land an der Ostgrenze Indiens lebt nur ein Viertel der Menschen in Städten, es gibt viele Analphabeten, vor allem unter den Frauen. Die Wirtschaft wächst zwar stetig, fußt aber vor allem auf der Landwirtschaft. 40 Millionen Tonnen Reis werden in Bangladesch im Jahr geerntet. Damit ist das Land der viertgrößte Reisproduzent der Welt.

Nach Einschätzung der GTZ leidet Bangladesch vor allem an einer Energiekrise. Regelmäßig bleibt es in den Häusern, Geschäften und Betrieben der mehr als 150 Millionen Einwohner Bangladeschs dunkel. Der Grund: Strommangel. Besonders hart trifft das die Menschen in ländlichen Regionen. Für viele Haushalte und kleine Betriebe dort ist die Aussicht auf einen baldigen Anschluss an ein Stromnetz gering. Selbst wenn es einen Anschluss gibt, leidet die Produktivität, aufgrund der täglichen Stromausfälle, sagt die GTZ. Ein erheblicher Teil der bereitgestellten Energie gehe zudem durch ineffiziente Geräte oder im maroden Stromnetz verloren. Ineffiziente Nutzung bei der ohnehin spärlich verfügbaren Energie ist typisch für Entwicklungs- und Schwellenländer.

Ein Hilfsmittel für Bangladesch könnten sogenannte Solar-Heimanlagen (Solar Home Systems = SHS) sein. Haushalte und kleine Betriebe, die keinen Anschluss an ein Stromnetz haben, könnten solche Solaranlagen für etwa 300 Dollar kaufen. Diese photovoltaischen Anlagen liefern Strom für Lampen und kleinere elektrische Geräte wie Radios, TV-Geräte und Ladegeräte für Mobiltelefone.

Mini-Kraftwerke für die politische Bildung

Ein mit Solarstrom betriebener Fernseher in Bangladesch (Foto: GTZ)

Ein mit Solarstrom betriebener Fernseher in Bangladesch

"Ein ganz wichtiges Argument der Nutzer dieser Solar Home Systems ist der Fernseher", sagt Michael Blunck von der GTZ. In Deutschland werde man zwar mitunter kritisch angeschaut, wenn man dieses Argument für ein SHS nenne. "Aber man muss sich vorstellen, dass es in diesen Dörfern eine hohe Analphabetenrate gibt. Viele Menschen haben kaum eine Möglichkeit, sich unabhängig Informationen zu beschaffen. Sie können keine Zeitung lesen, auch Radiohören ohne Energie ist nicht möglich." Erst seit die Menschen Energie durch ihre kleinen Solarkraftwerke haben, können sie sich per Fernseher und Radio mit Informationen und Nachrichten versorgen." Das ist für die politische Meinungsbildung sehr wichtig", sagt Blunck.

Mehr Strom, mehr Umsatz

Straßenhändler beleuchten ihre Waren mit solarbetriebenen Lampen (Foto: SELCO Solar Pvt. Ltd., http://www.selco-india.com/, Sarah Alexander)

Straßenhändler können dank solarbetriebender Lampen ihre Waren länger zum Verkauf anbieten

Das bestätigt auch eine Umfrage der GTZ unter Nutzern der Solar-Heimsysteme in Bangladesch. Fast die Hälfte der Befragten sagte, dass die bessere Versorgung mit Nachrichten und Informationen eine wichtige Veränderung in ihrem Leben sei.

Sicherer Strom bedeutet zum Beispiel aber auch mehr Licht am Abend. So hätten Kinder auch im Dunkeln noch die Gelegenheit zu lesen und zu lernen, erklärten die Solar-Nutzer. Auch das sei eine der wichtigsten Veränderungen.

Die SHS verwenden inzwischen auch Händler auf Basaren, die keinen Stromanschluss haben, erzählt Blunck. Diese Kaufleute nutzten vorher Kerosinlaternen, um ihre Waren am Abend zu beleuchten. Diese Laternen hatten aber entscheidende Nachteile: Einerseits ist Kerosin ein fossiler Energieträger, der vergleichsweise teuer ist. Andererseits verschmutzen die Laternen die Umwelt.

Der Einsatz von kleinen Solaranlagen könnte also die Wirtschaft in Schwung bringen, hofft die GTZ, und damit die Tür öffnen für einen dauerhaften Aufschwung in den energieschwachen Regionen der Welt.

Autor: Martin Schrader
Redaktion: Klaus Esterluß

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