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Alltagsdeutsch – Podcast

Modenschau

Dass Kleider Leute machen und das soziale Prestige unterstreichen können, ist eine Binsenweisheit. Wer viel auf sich hält, kauft bei Modedesignern, nachdem deren Kollektionen auf Modenschauen präsentiert wurden.

Sprecherin:

Sie ist die "schönste Nebensache der Welt". Jeder kommt täglich mit ihr in Berührung. Sie ist so alt wie die Menschheit. Aber sie wird immer wieder neu erfunden: die Mode. Das Wort leitet sich ab vom lateinischen "modus". Es bedeutet "Art und Weise", nämlich die Art und Weise, sich zu kleiden. Der Berliner Carl Tillessen hat die Mode zu seinem Beruf gemacht. Zusammen mit seiner Partnerin Daniela Biesenbach führt er das Modeatelier "firma". "firma" entwirft und produziert exklusive Kleidung für Herren. Mit Erfolg. Das ist nicht leicht, denn der Modemarkt ist hart umkämpft.

Carl Tillessen:

"Diesen Weg zu gehen, jetzt zumindest selbständig zu gehen und 'ne eigene Kollektion zu machen, das kam durch die Begegnung mit Daniela Biesenbach, meiner Partnerin. Wo wir gesagt haben: Wir sind jetzt zu zweit eben so stark, dass wir das wirklich umsetzen können und durchsetzen können, diese Visionen, die wir haben."

Sprecher:

Carl Tillessen und Daniela Biesenbach haben ihre Visionen umgesetzt. Etwas umzusetzen bedeutet, wörtlich genommen, einen Gegenstand von einer Stelle wegzunehmen und an einer anderen wieder hinzustellen. Man kann das Wort umsetzen aber auch auf Ideen, Pläne oder Vorstellungen, sprich Visionen, beziehen. Dann bedeutet es, eine Idee, einen Plan oder eine Vorstellung zu verwirklichen. Also, aus einem Gedanken Wirklichkeit zu machen.

Sprecherin:

Wer als Modemacher, auch Modeschöpfer genannt, erfolgreich sein will, braucht mehr als gute Ideen. Eine solide Ausbildung ist Grundvoraussetzung. Carl Tillessen und Daniela Biesenbach haben beides. Daniela ist Schneidermeisterin. Carl hat zunächst Kunstgeschichte studiert. Dann hat er gemerkt, dass ihn Gemälde zwar interessieren, aber noch mehr die Kleider, die die Menschen tragen, die darauf abgebildet sind. Um selber Mode machen zu können, musste er aber noch einiges lernen:

Carl Tillessen:

"Die Ideen waren da und dann war's eine Schneider-, also Nähausbildung und dann eine Schnittlehre. Und dann, also, haben wir beide, also Daniela Biesenbach und ich, in verschiedenen Firmen dann auch noch erst mal gearbeitet, als Designer angestellt, bevor wir uns selbständig gemacht haben."

Sprecherin:

Carl und Daniela haben sich selbständig gemacht. Sie arbeiten also nicht mehr als Angestellte für andere, sondern sie "stehen für sich selber". Eine andere Redensart für selbständig sein ist auf eigenen Füßen stehen. Wer selbständig ist, kann also für sich selber sorgen. Im beruflichen Zusammenhang bedeutet selbständig zu sein, seine eigene Firma zu haben. Carl und Daniela haben ihr eigenes Modeatelier. Dort entwickeln sie ihre neuesten Schnitte.

Sprecher:

Der Schnitt ist der Bauplan, nach dem ein Kleidungsstück zusammengesetzt ist. Jedes Kleidungsstück ist aus vielen, einzelnen Stoffstücken zusammengenäht. Diese Stücke, zum Beispiel die Ärmel, müssen nach einer bestimmten Form, dem Schnittmuster, aus einem großen Stück Stoff herausgenommen werden. Sie werden zugeschnitten. Da es sehr kompliziert ist, solche Schnittmuster zu entwerfen, muss man dafür eine eigene Ausbildung machen: die Schnittlehre. Wer die Kunst des Schnitts beherrscht, kann Kleidungsstücke herstellen, die gut passen. Man sagt dann: Das Kleidungsstück ist gut geschnitten. Oder: Das Kleidungsstück hat einen guten Schnitt.

Sprecherin:

Es braucht viel Zeit, bis aus einem Entwurf ein Schnitt und aus einem Schnitt schließlich ein Kleidungsstück geworden ist, das man im Laden kaufen kann. Daher müssen Modeschöpfer immer weit vorausdenken. Eine Sammlung von Entwürfen nennt sich Kollektion, nach dem lateinischen Wort für Sammeln: "colligere". Damit die Kunden wissen, wie die Mode im nächsten Jahr aussieht, werden die neuen Entwürfe auf Modenschauen vorgeführt. Daniela und Carl zeigen ihre neue Kollektion auf der Herrenmodemesse in Köln. Ein Moderator kündigt sie an.

Modenschau-Moderator:

"Guten Abend, meine Damen und Herren, die "firma", meine Damen und Herren. Ein junges Label, was zwar einerseits an die 80er Jahre erinnert, aber auch die Farben dieser Saison aufgreift, also Avantgarde mit Zeitgeist in Verbindung bringt."

Sprecher:

Zeitgeist ist ein Ausdruck für alles, was die Lebensauffassung einer bestimmten Epoche widerspiegelt. Ein Modeschöpfer, der Kleider entwirft, die dem Zeitgeist entsprechen, ist modern, abgeleitet vom spätlateinischen Wort "modernus". Es bedeutet "neu". Man könnte auch sagen: Er ist in. Gerade auf dem Gebiet der Mode leiht sich die deutsche Sprache gerne Ausdrücke aus dem Englischen. In verkürzt den englischen Ausdruck "in trend". Das bedeutet: der aktuellen Stilrichtung entsprechend.

Sprecherin:

Auf Modenschauen präsentieren die Modeschöpfer also die neuesten Trends, sprich alles, was in der Mode aktuell ist. Die wichtigste Rolle neben den Kleidern spielen dabei diejenigen, die sie vorführen. Junge Frauen und Männer, die gut aussehen und sich gut bewegen können. Früher nannte man sie Mannequins und Dressmen. Heute nennt man sie Models. Sie müssen sehr anpassungsfähig sein. Denn sie sollen immer einen Menschentyp verkörpern, der gut zu der Mode passt, die gerade vorgeführt wird. Models wie Arno Ende müssen dafür ihr Aussehen immer wieder stark verändern.

Arno Ende:

"Also, mit Sicherheit mache ich nicht jede Trendwendung mit. Man muss natürlich gucken, dass man einigermaßen dem Klischee entspricht, weil, sonst wird man nicht gefragt sein. Auf der anderen Seite geht das auch von alleine seinen Weg, weil, wenn ich jetzt dann drei Jahre mit längeren Haaren durch die Gegend gelaufen bin, dann hab' ich dann auch automatisch mal wieder Lust auf kürzere. Und da das in der Mode eigentlich genauso ist, wird das automatisch seinen Weg gehen."

Sprecher:

Etwas geht seinen Weg. Das bedeutet: Etwas entwickelt sich ganz von selber, ohne Hilfe von außen. Auf eine Person bezogen bedeutet seinen Weg zu gehen, konsequent zu tun, was man selbst für richtig hält. Sich also nicht beirren zu lassen. Arno, das Model, verändert zwar sein Aussehen, wenn die Modeschöpfer das wünschen. Aber er geht dabei nicht so weit, dass seine eigene Persönlichkeit darüber verloren ginge.

Sprecherin:

Auch bei der Modenschau dürfen sich die Models nicht beirren lassen. Ihr Auftritt muss natürlich und elegant sein. Die Kunden sollen Lust darauf bekommen, die Kleider, die sie sehen, auch zu kaufen. Für die Models heißt das vor allem eines: lächeln, lächeln, lächeln. Auch dann, wenn ihnen das, was sie gerade tragen, gar nicht gefällt. Das Model Arno Ende weiß aus eigener Erfahrung, wann es besonders unangenehm wird.

Arno Ende:

"Meistens dann, wenn es Kleidungsfirmen sind und man Kataloge photographieren muss mit kratziger Winterware, billigen Dingen, die einfach unangenehm zu tragen sind."

Sprecher:

Kratzen bedeutet, mit einem spitzen Gegenstand hart über eine Oberfläche zu fahren. Wenn ein Kleidungsstück kratzt – man kann auch sagen, wenn es kratzig ist – heißt das, es verursacht ein unangenehmes Gefühl auf der Haut. Es verursacht Juckreiz. Kleider, die kratzig sind, wird also niemand gerne tragen.

Sprecherin:

Carl Tillessen und Daniela Biesenbach verwenden für ihre Modelle nur Stoffe, die nicht kratzen. Auch alle anderen Zutaten, wie Garne oder Knöpfe, sind sorgfältig ausgesucht. Alles ist von bester Qualität. Die einzelnen Entwürfe kommen jeweils nur in ganz geringer Stückzahl auf den Markt. Das heißt, ein Kunde, der ein Kleidungsstück aus dem Atelier "firma" erwirbt, wird kaum einem Zweiten begegnen, der dasselbe Kleidungsstück trägt. Ohnehin müssen Daniela und Carl ihre Mode ständig an die wachsenden Ansprüche der Kunden anpassen.

Carl Tillessen:

"Einerseits gibt es auch in der Mode so etwas wie technischen Fortschritt. Das muss man ganz klar sehen. Auch wenn man glauben sollte, dass 'n Stoff nun mal 'n Stoff ist. Aber da gibt's also immer wieder technische Neuerungen. Und das hat gerade in den letzten Jahren die Mode stark beflügelt. Und gleichzeitig ist es aber auch so, dass einfach die Lebensform oder die Gewohnheiten der Leute und das Selbstverständnis der Leute, dass das sich verändert. Und dem einen Ausdruck zu verleihen, ist eigentlich die interessante Herausforderung."

Sprecher:

Technische Neuerungen haben die Mode beflügelt. Man könnte auch sagen: Sie haben der Mode Flügel verliehen. Das heißt, sie haben ihr neue Impulse gegeben. Sie haben neue Entwürfe angeregt. Ein Vogel breitet seine Flügel aus, um zu fliegen. Er erhebt sich von der Erde und bewegt sich völlig frei in der Luft. Bilder vom Fliegen und von Flügeln sind somit Symbole für Kreativität, die sich frei entfaltet. Diese Bilder nutzen auch gegenteilige Redensarten aus: Jemandem die Flügel zu stutzen bedeutet, jemanden einzuschränken oder an etwas zu hindern. Sich die Flügel zu verbrennen bedeutet, eine schlechte Erfahrung zu machen. Eben wie eine Motte, die zu nah an eine Kerzenflamme kommt und sich daran die Flügel verbrennt.

Sprecherin:

Carl und Daniela haben mit ihrem Modeatelier "firma" von Anfang an nur gute Erfahrungen gemacht. Seit vier Jahren produzieren sie jetzt ihre eigenen Kollektionen. Von Anfang an haben sie genügend Kunden gehabt. Deswegen haben sie es nie bereut, ein eigenes Atelier gegründet zu haben. Trotzdem stellen Carl und Daniela ihre Arbeit immer wieder in Frage.

Daniela Biesenbach:

"Es gibt dann einen Tag, da ist man sich ganz sicher: Es ist fantastisch, es ist toll, und alle werden es lieben. Und dann kommt wieder irgendein kleiner Zweifel, und man ist am Boden zerstört. Und wenn man dann wirklich da steht und hört den Applaus, dann ist alles vergessen. Dann ist es wieder ganz fantastisch."

Sprecher:

Der Ausdruck am Boden zerstört sein geht zurück auf die Bombenabwürfe des 2. Weltkriegs. Ein Flugzeug, das eine Bombe abwirft, zerstört damit die Häuser am Boden. Natürlich hat der Begriff heutzutage keine kriegerische Bedeutung mehr. Er ist lediglich ein sehr starker Ausdruck für "niedergeschlagen sein".

Sprecherin:

Für Daniela und Carl gibt es selten Grund zur Niedergeschlagenheit. Dazu sind die beiden einfach zu kreativ.

Carl Tillessen:

"Die Ideen, die kommen von selbst, die sind einfach da, die sind eher im Überfluss da. Und dann gilt es noch eher, auszusortieren und sich wirklich auf die besten Ideen zu reduzieren. Die Schwierigkeit ist eigentlich wirklich, dass dann ... also der lange Weg von der Idee zum fertigen Kleidungsstück. Und dann natürlich auch, das Ganze unter die Leute zu bringen."

Sprecher:

Der Ausdruck etwas unter die Leute bringen geht auf eine Redensart im Niederdeutschen zurück. "Dat is unner de Lüde" meint, etwas hat sich herumgesprochen, etwas ist den Leuten bekannt. Wer etwas unter die Leute bringt, verteilt also eine Information, oder noch konkreter: eine Sache. Sprich, er verkauft etwas. Man kann auch sagen: Er bringt etwas an den Mann.

Sprecherin:

Damit Carl und Daniela Kleider an den Mann bringen können, brauchen sie Unterstützung. In ihrem Atelier in Berlin beschäftigen sie ein ganzes Team von Kreativen. Sie helfen dabei, die Entwürfe von Carl und Daniela erst in Schnitte und dann in Kleider umzusetzen. Mindestens ein Jahr Arbeit steckt in jeder Kollektion. Damit Händler und Kunden entscheiden können, was sie kaufen möchten, führen Carl und Daniela ihre neuesten Entwürfe immer erst bei Modenschauen vor, bevor sie sie in größerer Stückzahl herstellen. Ob die Kollektion ein Erfolg oder ein Misserfolg wird, hängt allein davon ab, wie das Publikum auf die Vorführung reagiert. Das lässt auch den erfolgsgewohnten Modeschöpfer nicht kalt.

Carl Tillessen:

"Man ist natürlich immer nervös, gerade bei so 'ner Schau. Umso mehr freue ich mich, dass es so gut, eigentlich in unserem Sinne, abgelaufen ist, diese Präsentation."

Sprecherin:

Dass bei der Modenschau von Atelier "firma" alles gut abgelaufen ist, liegt auch an der Disziplin der Models. Diesmal mussten sie nämlich nicht nur darauf achten, dass ihre Kleidung richtig sitzt und sie nicht stolpern. Sie mussten sogar kleine Tanzeinlagen einstudieren. Daniela und Carl hat es einfach nicht gereicht, die Models nur am Publikum vorbeilaufen zu lassen. Um die Schau noch wirkungsvoller zu machen, mussten sie sich stattdessen wie Tänzer zur Musik bewegen. Und das nicht nur allein, sondern auch paarweise oder zu viert. Der Weg, auf dem die Models entlanggehen, wenn sie Kleider vorführen, heißt übrigens Laufsteg. Bei der Modenschau von Carl und Daniela wurde aus dem Laufsteg diesmal fast eine Musical-Bühne. Aber alle Beteiligten haben die Nerven bewahrt und das Publikum war begeistert. Daniela ist zufrieden.

Daniela Biesenbach:

"Gewöhnlich ist es viel, viel hektischer. Es war so gut ausgesucht, dass genügend Models da waren. Es ist oft so, dass man dann Models hat, die im nächsten Lauf wieder laufen müssen und sich dann in alleräußerster Hektik umziehen müssen. Das war diesmal nicht so. Es war sehr, sehr gut organisiert."

Sprecherin:

Logik und gute Organisation sind wichtig für jeden, der ein eigenes Unternehmen führt. Das gilt auch für Carl Tillessen und Daniela Biesenbach mit ihrem Modeatelier "firma". Aber entscheidend ist die Begeisterung für den Beruf, sprich für die Mode:

Sprecher:

Und bei jeder Modenschau beweisen sie, dass die Mode für sie nicht nur die schönste Nebensache, sondern die schönste Hauptsache der Welt ist.

Fragen zum Text:

Wie wird eine Sammlung von Entwürfen im Modebereich genannt?
1. Schnittmuster

2. Atelier

3. Kollektion

Jemand, der für sich selbst sorgen kann, …

1. ist beflügelt.

2. steht auf eigenen Füßen.

3. geht seinen Weg.

Welcher Ausdruck ist keine andere Bezeichnung für "etwas verkaufen"?

1. etwas unter die Leute bringen

2. etwas an den Mann bringen

3. etwas voranbringen

Arbeitsauftrag:

Unerschwingliche, alltagsuntaugliche Phantasiegebilde oder kreative Kunst, die inspiriert und die Farben- und Formensprache erweitert? Diskutieren Sie Ihre Ansichten zu diesem Thema!

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