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Sport

Modellstadt stolpert über WM

Curitiba gilt als fortschrittlichste Großstadt Lateinamerikas. Doch die WM-Vorbereitungen haben die Organisatoren offenbar überfordert: Fast wäre Curitiba aus dem Spielplan der FIFA herausgefallen.

"Eine Klasse für sich" urteilte Siemens 2010 in seinem "Latin American Green City Index" über Curitiba. Unter 17 lateinamerikanischen Metropolen schnitt die Stadt als einzige "deutlich über dem Durchschnitt" ab. Es ist nicht die erste Studie, die Curitibas Lebensqualität lobt. Unter Städteplanern ist es berühmt, für sein flächendeckendes Schnellbussystem, mit dem die Stadt ab 1968 ein neues Verkehrskonzept erprobte und zum Vorbild für Städte wie Adelaide, Ottawa und Istanbul wurde.

Dieser Ruf ist nun beschädigt: Anfang des Jahres machte Curitiba Schlagzeilen, als FIFA-Generalsekretär Gérôme Valcke den Verantwortlichen ein Ultimatum setzte, weil

das Stadion drohte, nicht fertig zu werden

.

Roter Schnellbus in Curitiba (Foto: Orlando Kissner / afp / Getty Images)

Das effiziente Schnellbusnetz hat Curitiba unter Stadtplanern berühmt gemacht

Chaos beim Stadionumbau

Noch peinlicher als Valckes öffentliche Watsche war allerdings der Grund dafür: An keinem anderen Stadion sollte für die Weltmeisterschaft so wenig geändert werden wie an der Arena da Baixada. Für 60 Millionen Euro sollte vor allem eine bisher fehlende Längstribüne gebaut und das Stadion überdacht werden. Die Übergabe im Dezember 2013 schien geradezu ein Selbstläufer.

Doch der Bauherr, der Fußballclub Atlético Paranaense, unterschätzte offenbar die Komplexität des Vorhabens. Eine eigens gegründete Tochtergesellschaft sollte die Arbeiten organisieren, ohne die Erfahrung und das Kapital einer großen Baugesellschaft im Rücken.

Nachdem sich bereits der Baubeginn um sechs Monate verzögerte hatte, stellten die staatlichen Kreditgeber Mitte 2013 ihre Zahlungen ein, weil der Rechnungshof des Bundesstaates Paraná Unregelmäßigkeiten in den Büchern der Gesellschaft ausmachte. Im Oktober desselben Jahres stoppte dann die Justiz den Bau. Als es gerade wieder voran gehen sollte, streikten die Bauarbeiter, weil sie keinen Lohn erhielten.

Verspätungen allenthalben

Luftbild des Stadions. (Foto: Getty Images/AFP)

Im letzten Moment fertig geworden: die Arena da Baixada

Am Ende wurde die Arena da Baixada dann doch noch rechtzeitig fertig, kostete aber 110 Millionen Euro - also 80 Prozent mehr als veranschlagt. Mehr als doppelt so teuer wird wohl der Flughafenausbau. Im Gegensatz zum Stadion enden die Bauarbeiten dort aber wohl erst 2016.

Selbst bei Curitibas traditionellem Steckenpferd, der innerstädtischen Mobilität, haben sich die Stadtväter diesmal nicht mit Ruhm bekleckert: Statt neun Projekten wurden nur sieben umgesetzt, auch sie mit Verspätung. Gekostet haben sie trotzdem mehr als vorgesehen.

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