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Berlin Fashion Week

Modeexpertin Christiane Arp: "Berlin muss anders sein"

Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp engagiert sich für deutsche Designer – auch bei der Berlin Fashion Week. Im DW-Interview rät Arp, Berlin solle nicht auf Paris schielen, sondern der eigenen Stärke vertrauen.

DW: "I have a dream" - so haben ja schon wunderbare Geschichten angefangen. Wenn Sie vom Modeland Deutschland träumen, was sehen Sie da?

Christiane Arp: Mein Traum wäre nicht, zu sagen, dass Berlin eine Stadt ist, in der eine riesengroße Fashion Week stattfindet. Dazu bin ich zu norddeutsch.

Ich würde mir wünschen, dass einige von den Designern, die ich schon länger unterstütze, in Deutschland und international ihren Weg machen, dass sie ihren Platz finden in dem "System Mode". Einige von ihnen besitzen wirklich hervorragendes Talent. Etwa Marina Hoermanseder, Tim Labenda, René Storck oder William Fan, um nur einige zu nennen. Das ist auch der Motor für all mein Tun während der Fashion Week und auch außerhalb. Ich möchte diesen zum großen Teil jungen Menschen meine Bühne zur Verfügung stellen. Und die Vogue ist eine große Bühne. Das Wort der Vogue und das Wort der Vogue-Chefredakteurin hat Gewicht in dem "System Mode".

Das "System Mode"

In diesem "System Mode" spielen sicherlich die Medien und die einflussreichen Förderer eine wichtige Rolle. Aber auch der Handel, dem viele deutsche Designer wie etwa Antonia Goy nachsagen, er sei zu mutlos. Oder die Produzenten von Mode, von denen es zu wenig gute und bezahlbare in Deutschland gibt. Oder auch die kulturelle Offenheit für Mode, die es in Frankreich oder Italien gibt, nicht aber im gleichen Maße in Deutschland. Was müsste sich aus Ihrer Sicht am System Mode ändern, damit Deutschland zu seiner eigenen Identität als Modeland findet?

Dass sehe ich nicht so wie Sie. Es  gibt die Strukturen in Deutschland. Einige der von mir erwähnten Designer fertigen in Deutschland, dort sind die Zuschneidereien für ihre Mode. Aber es ist essentiell, den Weg in den Handel und zum Konsumenten zu finden. Das ist auch das, worunter der Handel leidet. Denn den Handel können Sie als junger Kreativer über Social Media oder eine eigene Website umgehen. Es braucht im Prinzip nicht nur einen guten Modedesigner, sondern auch dieses Gen des "creative leader". Jemanden, der nicht nur designt, sondern der es auch wichtig findet, ob sich dieses Teil gut verkauft. Diese Verbindung zum "Jetzt", zur Gesellschaft ist essentiell.

Berlin muss offen für jedes Design sein

Ich glaube auch, dass wir gar nicht wie Paris sein sollten. Es gibt Paris, das ist ein wunderbares System. Das heißt, Berlin muss anders sein, sonst gibt es gar keinen Grund, dass die Menschen hier herkommen. Was wir uns abschauen können, ist, dass wir offen sein sollten. Paris war immer offen für jedes Design, für jede Idee und hat nicht alles im Keim erstickt. Das haben wir beständig getan, wenn es um Modedesign aus Deutschland ging. Diese Offenheit, daran arbeite ich.

Was ist aus Ihrer Sicht die Identität Berlins und die des Modelandes Deutschland? Auf welchen Stärken können wir hier aufbauen?

Ich glaube, kreative Städte brauchen was Rohes, die brauchen was Radikales, diese Gegensätze, dieses Spiel zwischen schön und hässlich. Das hat Berlin. Das ist alles da. Ich glaube aber nicht an den Berliner Stil. Den sollte es auch nicht geben, den gibt es nirgends mehr. Es gibt nicht mehr den Pariser, den Londoner oder den New Yorker Stil. Designer sind heute so unterschiedlich. Und das sind am Ende die vielen verschiedenen Bilder, die dann einen Platz wie Berlin auch so attraktiv machen.

Christiane Arp ist seit 2003 Chefredakteurin der deutschen Vogue. Gemeinsam mit dem Berliner Modemanager Marcus Kurz hat sie im Januar 2015 den Berliner Mode Salon gegründet, der deutsche Designer mit Shows während der Berlin Fashion Week und ganzjähriger Marketinginitiativen unterstützt. Außerdem ist die Vogue regelmäßig mit dem "Vogue Salon" bei der Fashion Week präsent.

Das Gespräch führte Gero Schließ

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