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Wirtschaft

Mode "Made in Greece"? - Geht doch!

Während die griechische Textil- und Bekleidungsindustrie in einer tiefen Rezession steckt, ist ein junges Unternehmen aus Thessaloniki auf Erfolgskurs. Marianthi Milona hat nach dem Erfolgsrezept gefragt.

Über 50 Jahre hatte Griechenland in der Textil- und Bekleidungsindustrie die Nase vorn. Aus ganz Europa kamen die Auftraggeber und setzten auf griechische Wertarbeit, ob es Nylonstoffe oder wertvolle Baumwolltextilien waren. Besonders in Nordgriechenland hatte sich bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Bekleidungsbranche etabliert. Doch spezielle EU-Förderprogramme führten in den letzten Jahren dazu, dass konjunkturschwache Länder und EU-Anwärter wie Bulgarien und Rumänien durch die Ansiedlung von Industrien unterstützt werden sollten. Steuervergünstigungen und billige Arbeitskräfte wurden dabei den Investoren versprochen. Das Resultat: Viele griechischer Industriezweige wanderten in die angrenzenden Balkanländer ab. In Griechenland brach der Textilmarkt komplett zusammen.

Werbefoto der Kollektion Modus Vivendi

Kann sich sehen lassen: Model in einem Shirt von Modus Vivendi

Fehler in der griechischen Steuerpolitik

In den Balkanländern erwarteten die griechischen Investoren nicht alleine billigere Arbeitskräfte. Auch ein wesentlich besseres und effektiveres Steuersystem als in Griechenland fanden sie dort vor. Das ist heute noch so. Vielen Geschäftsleuten ist das griechische Steuerverfahren noch immer zu chaotisch. Darüber hinaus erschwert es ausländischen Investoren, sich in Griechenland niederzulassen.

Das griechische Steuergesetz existiert seit 1908, wird aber zum Verdruss aller ständig verändert. Über 100 Mal pro Jahr werden die Paragraphen geändert. Vor zwei Jahren musste eine Firma noch 45 Prozent Steuern zahlen. Dann ging der Steuersatz auf 16 Prozent runter. Die neue Regierung führte die 25-Prozent-Steuer ein. Bis schließlich der Beschluss einer einheitlichen Besteuerung von 26 Prozent fiel. Der griechische Unternehmer weiß nie genau, was ihm blüht. Eine vernünftige Kalkulation und Planung ist nicht möglich.

Verlust traditioneller Industriebetriebe

Aber in der Schneiderei des Modedesigners Christos Bibitsos laufen die Nähmaschinen auf Hochtouren. 20 Frauen arbeiten hier, machen alles vom Schnittmuster bis zum fertigen Herrenhemd, der Unterhose, einem T-Shirt oder einen Badeanzug: Alles entsteht vor Ort in der Firma "Modus Vivendi". Im Augenblick gilt Bibitsos als der Ausstatter für Herrenunterwäsche in Griechenland. Seine Label gibt es seit über 20 Jahren.

"Die Geschichte der griechischen Textil- und Bekleidungsindustrie ist eine traurige", erklärt Christos Bibitsos. "Und das obwohl es traditionell keine qualitativ besseren Stoffe auf der Welt gibt, als die griechischen." Momentan sieht es so aus, als sei dieser Prozess unumkehrbar. Die Abwanderung vieler Firmen nach Bulgarien oder in Türkei führte dazu, dass viele Auftraggeber ihre Stoffe und Kleidungsstücke lieber an billigeren Standorten produzieren ließen.

Erfolgskonzept ist kein Geheimnis

Als der Markt für die Waren des Modedesigners Bibitsos in Griechenland zusammenbrach, hat er sich schnell in Richtung Auslandsmärkte orientiert. Die Rechnung ging für ihn auf, weil er früh in ein eigenes Markenzeichen investiert hatte. "Modus Vivendi" hatte er bereits 1989 kreiert. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Umsatz des griechischen Unterwäsche-Herstellers verzehnfacht. Vor allem der Verkauf übers Internet entwickelt sich rasant. Was hingegen überhaupt nicht läuft, ist die Zusammenarbeit mit dem deutschen Groß- und Einzelhandel.

"Während der englische, französische, amerikanische und australische Großhandel ganz ausgezeichnet läuft, bleibt der deutsche Großhandel zurück", stellt Modemacher Christos Bibitsos staunend fest. Hingegen rangiert der deutsche Kunde in seinen Bestellungen übers Internet auf Platz 1. "Ich möchte die deutschen Händler an dieser Stelle fragen: Warum macht ihr das? Gibt's auch in Deutschland eine Krise?", fragt der griechische Designer ratlos. Das nicht. Aber im deutschen Einzelhandel herrscht ein gnadenloser Preiskampf. Da kann man auf die Sorgen von Christos Bibitsos wenig Rücksicht nehmen