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Kultur

Mode dies- und jenseits des Atlantiks

Porno auf dem Laufsteg: Die Modedesigner der New Yorker "Fashion Week" setzen auf Schockwirkung. London dagegen hat so seine Probleme. Und was letztendlich auf der Straße zu sehen ist, ist eine ganz andere Geschichte.

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Die "Sex and the City"-Girls: Trendsetter oder stillos?

Dunkle Peepshow-Kabinen, mit Glasscheiben von den Zuschauern getrennt. Drinnen Schulmädchen, Nonnen, Sado-Maso: Der amerikanische Modedesigner Jeremy Scott kennt keine Tabus, was die Präsentation seiner Entwürfe angeht.

Modewoche in New York Naomi Campbell

Naomi Campbell

Die geladenen Modejournalistinnen amüsierten sich köstlich auf der New York Fashion Week, auch als der französische Modeschöpfer Pierrot ein ähnliches Thema anschnitt: Seine Models stellten Szenen bei Pornofilm-Dreharbeiten nach. Junge Mädchen im Lolita-Stil mit superkurzen Shorts und winzigen Pullöverchen in Pastelltönen räkelten sich auf dem Laufsteg - unter den gestrengen Augen der Schauspielerin Mimi Rogers, die bei dem Spektakel als Puffmutter auftrat.

Londons Renommee sinkt

Während in New York Skandale und Skandälchen für Aufregung sorgen, macht sich in London bereits vor Beginn der allherbstlichen Fashion Week trübselige Stimmung breit: Die Top-Designer wandern ab oder werden gar nicht erst eingeladen. In diesem Jahr fehlt zum Beispiel der deutsche Designer Markus Lupfer, der sich in den vergangenen sechs Jahren an der Themse einen Namen gemacht hatte. "Man ist nicht länger neu, aber auch noch nicht etabliert. Man gerät einfach in Vergessenheit", bedauert er.

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Auch Roland Mouret, einer der talentiertesten Londoner Designer, präsentiert nicht in London, sondern in New York. Dort sind mehr internationale Einkäufer und Modejournalisten anwesend, und es ist leichter, Investoren zu finden. Damit folgt Mouret anderen "Dissidenten" der Londoner Modewoche wie Luella Bartley und Matthew Williamson - beide inzwischen international erfolgreich. "London ist ein großartiges Sprungbrett, wenn man neu ist und gerade aus dem College kommt", erinnert sich Williamson, "aber Wachstum wird hier nicht gefördert".

Eröffnung eines Versace Museums in London

Diese Abwanderungbewegung macht ein grundsätzliches Problem der englischen Modebranche sichtbar. London besitzt als Modestadt nicht die Bedeutung von Paris, Mailand oder New York. Junge Designer bekommen zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt ihrer Karriere die Chance, ihre Entwürfe einem großen Publikum vorzustellen. Aber viele junge Modemacher haben Schwierigkeiten, Investoren und Manufakturen zu finden, die ihre Entwürfe in Serie produzieren. Auf der anderen Seite des Atlantiks, wo es diese Probleme nicht gibt, haben sie aber auch kein Glück: Das Absurde ist, dass - im Gegensatz zu London - ausgerechnet die Bewohner der hochgelobten Mode-Metropole New York gar nichts Neues und Kreatives in ihrem Kleiderschrank haben wollen.

Fashion Victims, wohin das Auge blickt

"Amerika ist ein Land ohne Geschmack", urteilt eine amerikanische Kolumnistin über die Optik ihrer Landsleute. "In New York sieht man erschreckend hässliche Sachen", hat auch der deutsche Designer Wolfgang Joop bereits feststellen müssen. Die Nation, für die Aussehen über alles geht, hat in Sachen Mode keine eigene Meinung. Bloß nicht aus der Rolle fallen, scheint die Devise. Michelle Lee hat in ihrem jüngst erschienen Buch "Fashion Victim" diese Art des amerikanischen "Mode-Masochismus" minutiös seziert.

Frauen auf der Straße in New York

Ein "Fashion Victim" ist nach ihrer Definition jemand, der einem Trend sklavisch folgt, selbst wenn dieser eigentlich nicht zum eigenen Typ passt. Wer sich ein bestimmtes Kleidungsstück kauft, kauft eine Gesinnung dazu. Zum Beispiel die Coolness einer Jeans, die aussieht, als hätte sie bereits mehrere Sommer auf der Ranch hinter sich. Dass die aber nicht von der Tante geerbt, sondern für 230 Dollar im "used look" erstanden wurde, versteht sich von selbst. Wer sicher gehen will, nicht ins Visier der Mode-Polizei zu geraten, der kleidet sich ohnehin am besten nur in T- Shirt und Jeans. Dazu die neueste Handtasche von Yves Saint Laurent – die es in Chinatown bereits für 20 Dollar gibt. Als Raubkopie. Das reicht, um nicht aufzufallen. (fro/arn)

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