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Amerika

Mobilmachen für illegale Einwanderer

Zehntausende Demonstranten forderten am 21. März in Washington eine Reform des Aufenthaltsrechts. Bis zu 12 Millionen Einwanderer leben illegal in den USA - bislang im Verborgenen, doch zunehmend organisieren sie sich.

Tagelöhner warten an einer Straßenkreuzung in Los Angeles auf Arbeit (Foto: K. Zilm/DW)

Tagelöhner warten an einer Straßenkreuzung in Los Angeles auf Arbeit

Acht Uhr morgens an einer Straßenecke in Los Angeles. Auf dem Bürgersteig vor einem Baumarkt stehen Männer in ausgewaschenen Jeans und dunklen Sweatshirts - Tagelöhner, die auf Arbeit hoffen. Skeptisch schauen sie auf den Mann mit Sonnenbrille, dickem schwarzen Haar und Schnauzbart, der Flugblätter verteilt. Antonio Barnabe erklärt den Arbeitssuchenden, dass sie Rechte haben, auch als illegale Einwanderer, und dass die Organisation CHIRLA sich für diese Rechte einsetzt. CHIRLA steht für "Koalition für die Menschenrechte von Einwanderern in Los Angeles" (Coalition for Humane Immigrant Rights of Los Angeles).

Antonio Barnabe (Foto: K. Zilm/DW)

Antonio Barnabe klärt illegale Einwanderer über ihre Rechte auf.

Zwei Arbeiter beginnen zu erzählen. Luis aus El Salvador hat eine Woche lang gearbeitet und fast keinen Lohn bekommen. "Mein Chef hat mir 150 Dollar gegeben und gesagt, den Rest bekommst Du, wenn Du fertig bist. Aber ich habe nichts bekommen." Roberto aus Honduras berichtet von einem Freund, der für seine Arbeit gar nicht bezahlt wurde. Er habe ihm geraten, zur Polizei zu gehen, aber der Freund hatte Angst abgeschoben zu werden, weil er keine Papiere hat. "Aber warum?", fragt Roberto, "wir haben nichts getan!"

Organisierte Hilfe für Arbeitslose ohne Papiere

Antonio hört aufmerksam zu. Der Aktivist aus Mexiko war selbst Tagelöhner, hat inzwischen eine Arbeitsgenehmigung und fährt im Auftrag der gemeinnützigen Organisation CHIRLA jeden Tag mit seinem dunkelblauen Kleinlaster zu den illegal eingewanderten Arbeitslosen. In Los Angeles, sagt er, hoffen täglich mehr als 26 tausend Tagelöhner an rund 150 Straßenecken auf Arbeit. Für knapp achttausend gebe es derzeit Jobs.

Versammlungsraum der Hilfsorganisation CHIRLA (Foto: K. Zilm/DW)

Bei der Hilfsorganisation CHIRLA erhalten Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung Hilfe und Rechtsberatung

Antonio fordert die Tagelöhner auf, sich mit CHIRLA im Kampf für eine Immigrationsreform, für ein Ende der Razzien und für die Legalisierung von Einwanderern ohne Papiere zu engagieren. Er sagt ihnen auch, dass sie die Polizei um Hilfe bitten können. "Die Polizei kann helfen, indem sie auf den Arbeitgeber Druck ausübt, damit er uns bezahlt. Oft denkt der Chef: Du bist illegal, du hast keine Rechte und ich lass dich von der Polizei abschieben." CHIRLA hat durch lange Zusammenarbeit mit der Polizei von Los Angeles sichergestellt, dass sie niemanden abschiebt, der um seinen Lohn gebracht wurde.

Razzien und Angst vor Abschiebungen

Der 31-jährige Candido hat vor drei Jahren seine Frau und drei Kinder in Honduras zurück gelassen. Jeden Tag steht er in weißer Malermontur ab sechs Uhr morgens an derselben Straßenecke. Seit drei Wochen hat er keinen Job bekommen. Anstatt wie erhofft Geld nach Hause zu schicken, kann er selbst kaum überleben. Für Candido ist die Reform der US-Immigrationspolitik überfällig. "Das Wichtigste ist, dass wir nach Hause zur Familie fahren und wieder zurück kommen dürfen. Ich habe mein jüngstes Kind seit drei Jahren nicht mehr gesehen."

Der Mexikaner Heraclio fürchtet die drohende Abschiebung (Foto: K. Zilm/DW)

Der Mexikaner Heraclio fürchtet die drohende Abschiebung

Ein paar Stunden später: In dem fensterlosen Versammlungsraum von CHIRLA, unter dem kalten Licht aus Neonröhren, sitzen Studenten, Arbeiter, Mütter mit Kindern, Arbeiter im Rentenalter und hören Antonio zu. Sie planen die Reise zur Großdemonstration für die Immigrationsreform in Washington.

In der hintersten Reihe sitzt müde und blass Heraclio, ein kleiner Mittvierziger mit schütterem Haar. Der Vater von zwei Mädchen kämpft gegen seine Abschiebung. Bei einer Razzia in einer Elektrofabrik wurde der Einwanderer aus Mexiko verhaftet, weil er keine Papiere hat. Heraclio kommt gerade von der kostenlosen Rechtsberatung, die CHIRLA anbietet. Er ist froh, dass er die Anwältin nicht bezahlen muss. "Sie nimmt nur Geld, wenn sie mir eine Arbeitserlaubnis beschaffen kann. Wenn ich keine Erlaubnis bekomme, muss ich nichts bezahlen."

Im Versammlungssaal stimmt Antonio Bernabe die Anwesenden auf die Demonstration in Washington ein und endet mit einem Kampfaufruf: "Wer sind wir? Wir sind CHIRLA! Weil wir immer kämpfen werden! Wir sind CHIRLA!"

Autorin: Kerstin Zilm
Redaktion: Mirjam Gehrke / Sven Töniges