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Wirtschaft

Mobilfunkmesse Barcelona - Handy war gestern

Der Siegeszug der Smartphones ist nicht mehr aufzuhalten - sie werden immer smarter und immer billiger. Eine wahre Flut von neuen Modellen wird auf dem Mobile World Congress in Barcelona gezeigt.

Seit Montag trifft sich in Barcelona alles, was in der Mobilfunkwelt Rang und Namen hat. Und das sind nicht nur die Hersteller von Mobiltelefonen, sondern auch die Software-Entwickler, die neue Applikationen für Smartphones vorstellen werden, und die Mobilfunk-Betreiber, denen langsam die Felle davonschwimmen. Denn einerseits sollen sie Milliarden in bessere und schnellere Funknetze investieren, andererseits geraten ihre Geschäftsmodelle ins Wanken. Sie können nämlich immer weniger Einfluss darauf nehmen, welche Dienste ihre Kunden auf dem Handy nutzen. Der Kunde selbst bestimmt, was aus dem App-Store auf seinem Smartphone landet. Google und Apple verdienen an diesen App-Stores ganz gut, und die Netzbetreiber sehen sich auf die Rolle eines bloßen Transporteurs von Daten reduziert.

Hinter den Kulissen spielen sich also spannende Kämpfe ab - doch den Kunden interessiert etwas ganz anderes: "Wir werden viele neue Smartphones sehen, einige neue Tablets - und dazu ganz viele Apps", sagt Lutz Labs, Redakteur beim Computermagazin c't. In Deutschland werden im Jahr 2012 voraussichtlich erstmals mehr Smartphones als herkömmliche Handys verkauft - knapp 16 Millionen Stück, schätzt der Branchenverband BITKOM.

Neue Prozessoren

"Bei den High-End-Geräten werden wir die ersten Modelle mit Vier-Kern-Prozessoren sehen", weiß Labs, "die sind noch einmal eine ganze Ecke schneller als das, was wir heutzutage kennen." Die Displays werden größer, die Gehäuse dünner, und vermutlich werden auch neue Techniken bei den Smartphones Einzug halten. Wie zum Beispiel die Nahfeld-Kommunikation, abgekürzt NFC, eine Funktechnik, mit der das berührungslose Bezahlen ermöglicht werden soll.

Der Computer wandert ins mobile Telefon - dieser Trend ist nicht mehr aufzuhalten. Und er wird auch bald die Entwicklungsländer erreichen. Denn mit Firmen wie ZTE oder Huawei drängen chinesische Hersteller auf den Markt, die das Billig-Segment der Smartphones abdecken. Mit neuen Bauteilen und neuen Prozessoren lassen sich inzwischen Smartphones für weniger als 100 Dollar produzieren, und beide Firmen haben kurz vor dem Mobile World Congress in Barcelona Milliarden-Deals mit Chip-Lieferanten wie Qualcomm und Broadcom bekannt gegeben. Das lässt auf eine neue Offensive schließen, die den Mobilfunkmarkt weiter umkrempeln dürfte.

Neue Apps

"Richtig spannend wird es bei den Apps", vermutet c't-Redakteur Lutz Labs. Denn die Non-Profit-Organisation Mozilla, Hersteller des Browsers Firefox und des Mail-Programms Thunderbird, wird einen eigenen App-Store vorstellen, der Programme enthält, die nicht nur auf einem Betriebssystem laufen, sondern auf mehreren. "Man kann erwarten, dass das durchaus Erfolg haben wird, denn Mozilla hat einen sehr guten Namen, da werden sicherlich sehr viele Entwickler aufspringen", ist Labs überzeugt.

Mit den neuen Apps wird auch die mobile Nutzung des Internets einen kräftigen Schub bekommen. Der Umsatz mit mobilen Datendiensten soll allein in Deutschland im laufenden Jahr um zehn Prozent auf 8,2 Milliarden Euro steigen, schätzt der Branchenverband BITKOM. In deutschen Mobilfunknetzen sind im vergangenen Jahr erstmals mehr als 100 Millionen Gigabyte übertragen worden, dieses Jahr werden es 170 Millionen Gigabyte werden. Acht bis zehn Milliarden Euro müssen die deutschen Mobilfunkbetreiber in neue Infrastruktur investieren - unter anderem auch, um die Vorgaben der Bundesnetzagentur zu erfüllen. Die verlangt nämlich, dass in Deutschland auch die letzten weißen Flecken bei der Breitbandversorgung verschwinden.

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Philipp Bilsky

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