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Wirtschaft

Mobilfunk-Fusion heftig umstritten

Die beiden kleinsten Anbieter im deutschen Mobilfunkmarkt, O2 und E-Plus, wollen sich zusammenschließen. Was auf den ersten Blick völlig undramatisch aussieht, könnte allerdings zur Seifenoper ausarten.

Es ist ein Film mit vielen Hauptdarstellern, und das Ende ist noch völlig offen: Die Mobilfunkanbieter O2, eine Tochter der spanischen Telefonica, und E-Plus, Tochter des niederländischen Konzerns KPN, wollen in Deutschland zusammengehen. Aus vier Anbietern würden drei, und damit nicht genug, die beiden zusammen würden mit rund 40 Millionen Mobilfunk-Verträgen zum größten Anbieter in Deutschland aufsteigen - vor den bisherigen Marktführern Telekom und Vodafone.

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Hochzeit auf deutschem Mobilfunkmarkt

Damit steht das Bundeskartellamt vor einer schwierigen Güterabwägung, meint Torsten Gerpott, Experte für Telekommunikation an der Uni Duisburg/Essen: "Auf der einen Seite wird die Wettbewerbsintensität reduziert, weil sich die Zahl der Mitspieler von vier auf drei verringert." Das sei auf der negativen Seite zu verbuchen, weil zu vermuten sei, dass die Preise nicht mehr so schnell sinken werden, wie sie in der Vergangenheit gesunken sind.

Nur Platz für drei?

Allerdings: "Für die Transaktion spricht, dass möglicherweise auf Dauer die beiden Unternehmen nicht alleine in Deutschland am Mobilfunkmarkt weiter agieren würden. Und so ist es dann besser, jetzt einen starken dritten Spieler zu haben, als dann mittelfristig einen aus dem Markt ausscheiden zu sehen", so Gerpott zur DW.

E-Plus hat seine mangelnde Netzabdeckung immer durch Kampfpreise wettgemacht. Doch nach einer Fusion befürchten viele Beobachter, dass die Schlachten an der Preisfront zum Wohle der Verbraucher ein Ende haben werden. Andererseits sprechen ganz praktische Gründe für ein Zusammengehen der beiden kleinsten Anbieter in Deutschland: Ziel sei es, Betriebskosten zu senken und die Netzqualität zu verbessern, heißt es.

Preiskampf ade

Das klingt erst einmal gut für den Kunden: Er könnte von niedrigeren Kosten und einer besseren Netzqualität profitieren, wenn die niedrigeren Kosten auch in Form von niedrigeren Preisen weiter gegeben würden. Andererseits: Zusammen haben die beiden Anbieter über 40 Millionen Verträge - sehr viel mehr lässt sich nicht mehr hinzugewinnen. Es besteht also gar kein Anlass, weiterhin aggressiv die Preise zu senken.

So oder so - nicht nur das Bundeskartellamt und möglicherweise die EU-Kommission, sondern auch die Bundesnetzagentur in Bonn wird bei der geplanten Fusion ein Wörtchen mitreden: "Sie ist auf jeden Fall involviert, wenn es um die Frequenzen der beiden Unternehmen geht", sagt Torsten Gerpott. Denn das deutsche Telekommunikationsgesetz verlangt bei einem Eigentümerwechsel, der sich auf die Wettbewerbsintensität am Markt auswirken kann, eine Überprüfung der Frequenzvergabe durch den Bonner Regulierer. "Und wenn der zu dem Schluss kommt, dass das aus Wettbewerbsgründen notwendig ist, kann er auch auch die Frequenzvergabe widerrufen und dann wieder neu vergeben."

Störfeuer aus Mexiko

Carlos Slim, owner of Telmex and America Movil (Foto: picture-alliance/dpa)

Der Milliardär Carlos Slim mischt mit

Störfeuer kommt jedoch nicht nur aus Deutschland und möglicherweise aus Brüssel, sondern aus Mexiko. Der Mexikaner Carlos Slim, mit geschätzten 73 Milliarden Dollar laut Forbes-Liste der reichste Mann der Welt, hält 30 Prozent an der E-Plus-Mutter KPN. Er scheint sauer zu sein, dass er vor der geplanten Fusion nicht gefragt wurde und will KPN ganz übernehmen. Das nötige Kleingeld dafür habe er bereits zusammen, ließ er verlauten.

Über seine Motive gibt es nur Spekulationen. Will er KPN übernehmen, um den Deal zu verhindern? Torsten Gerpott von der Uni Duisburg/Essen glaubt das nicht: "Er sieht einfach eine günstige Einstiegsmöglichkeit. Die KPN-Aktie notiert weit unter drei Euro, und das ist aus meiner Sicht ein Preis, der dem Wert des Unternehmens nicht gerecht wird. Ich denke, er spekuliert primär darauf, dass der Kapitalmarkt später auch den Wert von KPN erkennen wird."

Und dann kann Carlos Slim seinen Abstand in der Forbes-Liste noch etwas ausbauen, wenn er die Aktien mit Gewinn verkauft.

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