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Wirtschaft

Mobilfunk: Aus der Traum vom großen Geld

Der Optimismus war kaum zu bremsen: Der Glaube an riesige Gewinne katapultierte die Aktien in schwindelnde Höhen. Mittlerweile ist die Euphorie Schnee von gestern - Die Mobilfunker stecken in der Schuldenfalle.

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Alptraum der Unternehmen: Nutzer gehen achtlos am Handy vorbei

Lange träumten die Mobilfunkunternehmen vom ewigen Wachstum und grenzenlosen Profiten. Der Mobilfunkboom Ende der neunziger Jahre verführte zu hochtrabenden Erwartungen für das UMTS-Zeitalter.

Im Rausch der Euphorie ignorierte die Branche die wahren Kosten für das rasante Wachstum: Auf der Jagd nach Kunden verschenkten die Unternehmen Handys oder gaben sie zu einem Bruchteil des wahren Wertes an die Kunden weiter. Sie versprachen sich, die Subventionierung über spätere Umsätze wieder reinzuholen. An dieser Stelle spielten die Nutzer jedoch nicht mit: Viele kauften zwar Handys, telefonierten aber weniger als erhofft war.

Unternehmen im Kaufrausch

Handymodell, CeBIT

Handys im Mittelpunkt der Mobilfunk-Welt

Im Rausch der Erwartungen versuchten die Unternehmen, möglichst schnell auf den verschiedenen nationalen Märkten Fuß zu fassen. Die großen Telekommunikationsunternehmen kauften kleinere und bezahlten horrende Preise. Die gekauften Unternehmen waren wegen viel zu hoher Gewinnerwartung heillos überbewertet.

Mit der Vergabe der UMTS Lizenzen kam der Wendepunkt. Milliarden wurden ausgegeben. In Deutschland sicherten sich sechs Unternehmen Lizenzen für rund 51 Milliarden Euro. Die Folge: haushohe Schulden. Die Mobilfunkexperten predigten weiter von hohen Gewinnen.

Glaube versetzt eben doch keine Berge

Mann mit Handy auf der CeBIT

Während die Schulden der Unternehmen stiegen, blieben die erwarteten Erträge vorerst aus. Mit zunehmender Zinslast, ging der Glauben an die goldene Zukunft verloren. Immer mehr Analysten kamen zur Überzeugung, dass für die Lizenzen viel zu viel Geld ausgegeben worden war.

Vor allem müssen die Unternehmen auch weiterhin sehr viel Geld aufwenden, um Sendestationen für das neue UMTS System zu installieren. Außerdem müssen neue Handys entwickelt werden. Und das alles kostet Geld und Zeit. Die Zeit wird aber immer knapper. Der Schuldenberg wächst ständig und die Anleger ergreifen die Flucht.

Das größte Problem sind die "Killer Applications" - Anwendungen, die die Nutzer überzeugen auf UMTS-Handys umzusteigen. Noch fehlt es an guten Gründen, warum UMTS Handys besser sind. Über den Preis wie bisher werden die Mobilfunkunternehmen den Kunden nicht gewinnen - die Zeit der billigen Handys ist vorbei.

Aufbruch in die Welt der UMTS-Handys

Motorola A820 UMTS Handy

UMTS-Handys wurden bislang nur auf der CEBIT präsentiert

In der "schönen neuen Welt" des UMTS dröhnt Musik aus dem Telefon. Handybesitzer messen ihre Kräfte in interaktiven Videospielen. Bereits vom Büro aus, wird das Wannenbad per Handy eingelassen oder der Herd, in dem die Pizza wartet, angestellt. Handys sollen den Nutzer durch Städte führen, ihm sagen, wann im nächstliegenden Theater die Abend-Vorstellung beginnt und gleich Karten vorbestellen.

Bedrohliche Wolken über der rosigen Zukunft

U-Bahn in Tokio

i-mode Handys gehören fest zum japanischen Alltag

Der ersten Erfahrungen mit UMTS Handys werden seit Oktober 2001 in Japan gemacht. Das Resultat ist allerdings wenig ermutigend: Die elektronikbegeisterten Japaner nehmen das Angebot nicht so an wie erwartet. Nur zwei Drittel des erwarteten Umsatzes sind bislang die magere Ausbeute. Ein Grund für die Zurückhaltung der Japaner: der hohe Preis für ein UMTS-Gerät. Japaner sind eben verwöhnt durch interaktive bunte i-mode-Handys. Das mobile Internet über die Handys von NTT Docomo gibt es schon seit Anfang 1999.

Außerdem droht Konkurrenz von den sogenannten wireless Local Area Networks (WLANs), noch bevor UMTS Handys sich richtig durchsetzen konnten. Im Bereich der WLANs kann man per Laptop oder Palm-PDAs im Prinzip dasselbe machen, wie mit einem UMTS-Handy. Der entscheidende Unterschied: Der Aufbau einer drahtlosen WLAN-Station ist wesentlich billiger als die UMTS-Sendestationen.

Falls sich WLANs in Europa als echte Konkurrenz zu UMTS entpuppen sollten, hätten die hochverschuldeten Mobilfunk-Unternehmen wirklich gar nichts mehr zu Lachen.

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