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Wirtschaft

Mobilcom hat ausgefunkt

Nachdem die Franzosen bei Mobilcom ausgestiegen sind, droht dem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. Ein jahrelanger Rechtsstreit könnte folgen. Kunden können derweil weiter telefonieren.

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Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid ist sauer: France Télécom will nicht mehr

Den Büdelsdorfern könnte das Aus bevorstehen: Die hochverschuldete France Télécom dreht dem deutschen Mobilfunkanbieter Mobilcom aus Schleswig-Holstein mit seinen 5400 Beschäftigten den Geldhahn zu. Ein Unternehmenssprecher erklärte, damit sei ein Insolvenzantrag noch vor dem Wochenende "äußerst wahrscheinlich". Mobilcom ist mit mehr als fünf Milliarden Euro verschuldet und hat in den zurückliegenden Monaten von France Télécom Liquiditätsspritzen in Millionenhöhe erhalten. Umgehend sagten Bundesregierung und das Land Schleswig-Holstein der Firma Hilfen zu.

Der Chef der France Télécom, Michel Bon, kündigte unterdessen seinen Rücktritt an, ein Nachfolger soll spätestens Anfang Oktober ernannt werden. Nach monatelangem Zögern hatte der französische Konzern, der rund 29 Prozent an Mobilcom hält, beschlossen, weder weiteres Geld zu überweisen noch ein Übernahmeangebot an die Aktionäre zu machen. Die Aktie des deutschen Telekommunikations-Unternehmens brach daraufhin ein.

Kunden können weiter telefonieren

Die Kunden des von der Insolvenz bedrohten Mobilfunkanbieters müssen sich hingegen zunächst keine Sorgen machen. Nach Unternehmensangaben können alle Dienste weiterhin und ohne Einschränkungen benutzt werden. Mobilcom teilte am Freitag (13. September) mit: Der Geschäftsbetrieb im Mobilfunk, im Festnetz und im Internet bleibe vollständig bestehen. Dies gelte auch für die Kunden der Tochtergesellschaften Cellway und Telepassport. Alle vertraglichen Vereinbarungen mit den Kunden behielten ihre Gültigkeit.

Das heißt aber auch, dass niemand aus einem bestehenden Vertrag vorzeitig aussteigen kann. Ein Sonderkündigungsrecht bestehe für die Kunden durch die mögliche Beantragung eines Insolvenzverfahrens nicht.

Rettungsversuch der Regierung

Aus Berlin heißt es zu dem Mobilfunk-Debakel, dass der Bund und das Land Schleswig-Holstein im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles tun würden, um eine Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen. Beispielsweise durch die Gewährung von Bürgschaften. "Mobilcom ist ein in seinen Kernbereichen gesundes Unternehmen, das man guten Gewissens fortführen kann", sagte eine Regierungssprecherin.

Man müsse nicht nur an die Beschäftigten von Mobilcom denken, sondern auch an zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen, die von der Firma abhängen, und an die fünf Millionen Kunden. Auf die Frage, ob sich die Bundesregierung jetzt immer einschalte, wenn Unternehmen vor der Pleite stünden, heißt es ausweichend aus Berlin: "Es geht um bilaterale Verträge und darum, dass die eingehalten werden."

Rechtsstreit steht bevor

Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid warf unterdessen dem Ex-Partner France Télécom vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. "Jetzt müssen die Gerichte über das nach meiner Meinung skandalöse und rechtsbrecherische Verhalten von France Télécom urteilen", sagte er. Für Mobilcom bedeutet der Ausstieg des Anteilseigners nicht zwangsläufig das Ende. Nach der Insolvenz steht laut Vorstands-Chef Thorsten Grenz ein jahrelange Rechtsstreit bevor. Möglicherweise würde Schadenersatz in Milliardenhöhe fällig.