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Wirtschaft

Mobil auf Reisen

Seit 50 Jahren werden auf dem "Caravan Salon" in Düsseldorf Trends und Neuheiten der Branche präsentiert. Von Anfang an dabei: Reisemobile der Firma Hymer. Ein "Oldie" also, der 1961 mit der Serien-Produktion begann.

Ein Caravan der Firma Hymer auf Reisen (Foto: Hymer)

Hymer wird 50 in diesem Jahr. Ein runder Geburtstag also – der allerdings einiger Ergänzungen bedarf: Die Wurzeln des Unternehmens gehen bereits auf das Jahr 1923 zurück – auf eine Reparaturwerkstatt, die Alfons Hymer gründete. 1956 baute Erwin Hymer in der kleinen Werkstatt seines Vaters dann den ersten Wohnwagen. Seine Ideen brachte der Ingenieur aus dem Flugzeug- und Fahrzeugbau mit. 1961 begann die Serien-Produktion der ersten Hymer-Reisemobile. Zur richtigen Zeit. Denn die Wirtschaftswunderjahre klangen nach. Immer mehr deutsche Urlauber entdeckten den Süden Europas – nicht selten in umgebauten VW-Bussen.

Für ältere Mobile gibt es noch Ersatzteile

Fertigung eines Reisemobils (Foto: DW)

Viele Produktionsschritte sind notwendig...

Die meisten der Hymer-Ur-Modelle sind heute noch im Programm auszumachen – natürlich modernisiert und technisch auf dem neuesten Stand, aber immer noch mit einigen typischen Details der ersten Serien. Auch gibt es für die etwas in die Jahre gekommenen Ferienfahrzeuge immer noch Ersatzteile, sagt Hans-Herbert Haugg von der Produktion: "Für ein Fahrzeug, das jetzt 20 Jahre alt ist, bekomme ich einen Auftrag, und dann sind wir in der Lage, innerhalb von zehn Arbeitstagen dieses Bauteil herzustellen", so Haugg: "Das ist zwar eine sportliche Herausforderung, aber das packen wir."

Auf durchschnittlich sieben Metern Länge, zweieinhalb Metern Breite haben die Designer und Ingenieure alle Annehmlichkeiten untergebracht, die ein mobiler Urlauber braucht: eine voll ausgestattete Küche mit Kühlschrank beispielsweise, eine Sitzgruppe, die sich mit wenigen Handgriffen ausziehen lässt und wo auch mal Freunde bewirtet werden können. Selbst im Schlafzimmer geht es komfortabel zu, mit hochwertigen Stoffen und Materialien.

Ein Hymermobil besteht aus 2500 Einzelheiten

Fertigung eines Reisemobils - jetzt mit Seitenteilen (Foto: DW)

...bei der Fertigung eines Caravans oder Reisemobils

In der 24.000 Quadratmeter großen Produktionshalle laufen vier Bänder. Am Beginn einer Produktionsstraße ist lediglich der Boden eines Caravans zu sehen, einige Wagen weiter ist die volle Inneneinrichtung bereits montiert. Ein Hymer-Reisemobil besteht aus 2500 Einzelteilen. Im Werk in Bad Waldsee werden 15.000 Holzteile gefertigt, die täglich verarbeitet werden, sagt Haugg. Der Aufbau eines Caravans, eine mobile Wohneinheit, die an ein Fahrzeug gehängt wird, und eines Reisemobils mit integriertem Chassis, ist identisch. Je nach Auftragslage dauert es rund acht Wochen bis zur Auslieferung.

220 Millionen Euro hat Hymer in den letzten zehn Jahren investiert, um immer auf dem neuesten Stand mit seinen Mobilen zu sein. Der Wettbewerb ist hart, und die Wirtschaftskrise hatte das Unternehmen mit insgesamt 2700 Mitarbeitern voll erwischt. Die Produktion sei eingebrochen, sagt Finanzvorstand Hermann Pfaff. In dieser Zeit seien die Bestände abgebaut worden: "Deshalb sind wir vertriebsmäßig deutlich besser durch die Krise gekommen als die Produktion. Das sieht man auch an den Zulassungszahlen, die bei weitem nicht so eingebrochen sind wie die Produktionszahlen." Der Preis für ein Reisemobil fängt bei rund 39.000 Euro an - und endet etwa bei 300.000 Euro. Ein Caravan koste, so Pfaff, etwa 17.000 bis 25.000 Euro.

Handelspartner in ganz Europa

Etwa 450 Handelspartner hat Hymer in Europa. Die Exportquote, so Finanzvorstand Pfaff, liege bei circa 60 bis 65 Prozent: "Unser Markt ist der europäische Markt, wir haben Spotmärkte in Asien, wir haben Spotmärkte in Südafrika. Aber das sind dann eher Einzelgeschäfte in größeren Stückzahlen."

Reisemobil (Foto: DW)

Reisemobil mit integriertem Chassis

Hymer ist Branchenprimus und will stets Trendsetter bei der Entwicklung sein. Das Geschäft hat die Krise überwunden, aber dem Unternehmen geht es wie zahlreichen anderen Firmen in Deutschland auch: Die Fachkräfte fehlen. "Fachkräftemangel ist hier definitiv ein sehr großes Thema, insbesondere in der Region. Wir haben hier im Bereich Oberschwaben/Bodensee de facto Vollbeschäftigung", sagt Personalleiter Gerhard Melinz. Das Unternehmen brauche Facharbeiter, die häufig aus dem Handwerk kämen. Und die hätten in der Region die freie Auswahl: "Der Fachkräftemangel wird uns in den nächsten Jahren kontinuierlich begleiten", befürchtet Melinz.

Hymer ist ein börsennotierter Konzern - aber immer noch ein Familienunternehmen. Erwin Hymer und seinen Kindern gehören 77 Prozent der Unternehmensanteile - der Rest befindet sich im Streubesitz. Der Senior ist mittlerweile 80 Jahre - und nicht mehr im Tagesgeschäft tätig.

(Der Caravan Salon findet bis 4. September in Düsseldorf statt Die Messe gilt als weltweit größte Branchenschau. Fast 600 Unternehmen aus 25 Ländern stellen Wohnmobile, Anhänger und Zubehör aus. 1800 Fahrzeuge sind zu sehen - vom Mini-Anhänger bis zum überlangen Luxus-Caravan.)

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Henrik Böhme