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Kultur

Mobil aber unbeweglich

Die Evolution ließ unsere Vorfahren den aufrechten Gang erlernen, damit sie sich besser bewegen können. Der Mensch von heute scheint das vergessen zu haben.

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So weit hätte es nicht kommen müssen ...

Mediziner aus aller Welt sind sich einig: Der moderne, global agierende, mobil kommunizierende und weltweit im Internet surfende Mensch leidet an Bewegungsmangel. "Manche halten die Wanderniere bereits für eine ausreichende Betätigung", heißt es ironisch bei Experten. Denn weltweit ist die regelmäßige und gezielte Bewegung für Jung und Alt noch oft ein Fremdwort. Deshalb will sich die Weltgesundheits-Organisation (WHO) in diesem Jahr vor allem dem Bewegungsmangel widmen.

Ein ernstes Problem

Die WHO stellt den Aufruf zum "Gesund leben - in Bewegung bleiben" in den Mittelpunkt des diesjährigen Weltgesundheitstags am 7. April. "Wir schätzen, dass sich weltweit bis zu 80 Prozent der erwachsenen Menschen nicht ausreichend bewegen", rechnet die WHO mit Sitz in Genf vor. Jährlich sterben nach Schätzungen rund zwei Millionen Menschen, weil sie ihrem Körper Zeit ihres Lebens keine ausreichende Bewegung gegönnt haben. Jeder dritte Krebsfall könne durch eine gesunde Ernährung, normales Körpergewicht und körperliche Aktivität verhindert werden.

"Diabetes und Fettleibigkeit müssen ebenfalls nicht zum Alltag gehören", betonen die WHO-Fachleute. Allein in China droht nach Schätzungen der Mediziner in den kommenden zehn Jahren rund 200 Millionen Menschen Fettleibigkeit. Die Mischung aus ungesundem Essen, zu wenig Sport und zu vielen Zigaretten verursacht zudem rund 80 Prozent der frühzeitigen Herzkranzerkrankungen.

Die soziale Komponente

"Ein bisschen Bewegung kann die Gesundheit direkt und indirekt fördern", werben die WHO-Mitarbeiter. Denn Sport vermindert nach Einschätzung der Organisation die Anfälligkeit für Drogen und senkt die Gewaltrate unter Jugendlichen. "Zudem kann sie das Gefühl von Isolierung und Einsamkeit bei den Älteren in der Gesellschaft reduzieren", heißt es.

Bewegung im Alltag

Das Rezept lautet einfach gesagt: "Bewegt Euch!", erklären die Mediziner der WHO. Krankheiten könnten vermieden werden, wenn der Körper mindestens eine halbe Stunde pro Tag aus der Starre befreit werde. "Steigen Sie eine Haltestelle früher aus und laufen sie nach Hause. Nehmen Sie die Treppe und nicht die Rolltreppe", schlägt die WHO vor.

Politiker sind gefragt

Der Aufruf der Ärzte und Sportexperten ist zwar in erster Linie an die Bevölkerung gerichtet. Gefordert ist nach Ansicht der Fachleute aber auch die Politik. Viele Regierungen investierten nicht genug in die Aufklärung über drohende Gefahren, betont ein WHO-Sprecher.

Sichere Straßen und zusätzliche Grün- und Sportanlagen sind nach Ansicht des Kölner Experten Breuer weitere Schritte auf dem Weg zur beweglichen Gesellschaft. In Deutschland sei die "Public Health Politik" aber "traditionell unterbelichtet", kritisiert er. Die Verantwortung sei nach den Erfahrungen im Dritten Reich von der Politik auf den Sportbund verschoben worden. "Dieser erfasst aber nur Vereine und deren Mitglieder, Menschen also, die eh schon Interesse an Bewegung haben", meint Breuer. (dpa/kas)

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  • Datum 05.04.2002
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