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Aktuell Welt

Mo Yan erhält Literaturnobelpreis

Es ist der begehrteste Literaturpreis der Welt: der Nobelpreis für Literatur. In diesem Jahr hat ihn der Chinese Mo Yan gewonnen. Er ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller und stand auch auf der Favoritenliste.

Die Schwedische Akademie hat in Stockholm den vierten Nobelpreis des Jahres vergeben: Er geht an den chinesischen Autor Mo Yan. Zur Begründung erklärte das zuständige Preiskomitee, der Schriftsteller vermische mit "halluzinatorischem Realismus" Volksmärchen, Geschichte und Gegenwart. Mo Yan sei eine "Mischung aus Faulkner, Charles Dickens und Rabelais". Er schildere eine dörfliche Welt in einem Teil Chinas, der den meisten anderen fremd sei.

Mo Yan gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Autoren Chinas, sowohl im Westen als auch in seinem Heimatland, in dem er für seine mittlerweile neun Romane und über 70 Erzählungen nahezu jeden Literaturpreis erhalten hat. In seinen Werken bezieht er sich häufig auf Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. In Deutschland ist er der am meisten übersetzte chinesische Autor.

Durchbruch mit "Rotem Kornfeld"

Auf Deutsch erschienen von Mo Yan unter anderem "Das rote Kornfeld", "Die Knoblauchrevolte" und "Die Schnapsstadt". "Das rote Kornfeld" (1986) bescherte ihm den internationalen Durchbruch, die opulente Verfilmung der Familiensaga vor dem Hintergrund des chinesisch-japanischen Krieges (1937-1945) durch seinen Landsmann Zhang Yimou gewann auf den Berliner Filmfestspielen 1988 den Goldenen Bären.

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Literaturnobelpreis geht nach China

Der Schriftsteller wurde am 5. März 1955 unter dem Namen Guan Moye in der ostchinesischen Provinz Shandong geboren und stammt aus einer bäuerlichen Familie. 1976 trat er in die Volksbefreiungsarmee ein, wo er zu schreiben begann und sich den Künstlernamen Mo Yan ("Sprich nicht") zulegte. Diesen Befehl soll ihm seine Mutter während der Kulturrevolution eingeschärft haben.

Asiatische Autoren favorisiert

Bereits im Vorfeld der Preisverleihung waren vor allem asiatische Autoren als Favoriten gehandelt worden. Die größten Chancen räumten Beobachter allerdings dem japanischen Schriftsteller Haruki Murakami ein. Die US-Schriftsteller Thomas Pynchon und Philip Roth, der Ire William Trevor, der Ungar Peter Nádas, der syrische Dichter Adonis sowie der amerikanische Sänger und Autor Bob Dylan galten ebenfalls als aussichtsreiche Anwärter.

Im vergangenen Jahr war der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer mit dem berühmtesten Literaturpreis der Welt ausgezeichnet worden. Dass ein Europäer dieses Mal das Rennen machen würde, galt als unwahrscheinlich, denn in den letzten zehn Jahren hatten acht Europäer den Preis erhalten. Auch deutschsprachige Literaturproduzenten können sich über mangelnde Würdigung nicht beklagen: Sie wurden in den vergangenen 20 Jahren gleich dreimal ausgezeichnet: 1999 ging der Nobelpreis an Günter Grass, 2004 an Elfriede Jelinek und 2009 an Herta Müller.

Ruhm und Ehre und Werbeeffekt

Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 von der Schwedischen Akademie in Stockholm vergeben. Er wird nicht nur renommierten Autoren verliehen, sondern verhilft manchmal auch weitgehend unbekannten Schriftstellern zu Ruhm und Ehre. Auch die Verlage der Preisträger profitieren vom PR-Effekt.

Die meisten Preisträger kamen bisher aus dem europäischen Raum. Bezogen auf die Herkunftsländer der Preisträger war Frankreich bisher am erfolgreichsten, dem 15 ausgezeichnete Autoren zugerechnet werden. Großbritannien kommt ebenso wie die USA auf elf. Aus Deutschland stammen acht Preisträger.

Männer dominieren 2012

Seit Anfang dieser Woche wurden bereits die wissenschaftlichen Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie vergeben - an sechs durchweg männliche Preisträger aus den USA, Frankreich, Japan und Großbritannien. Am Freitag wird noch der Friedensnobelpreis vergeben. Den Abschluss bildet am kommenden Montag die Entscheidung über den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaft.

Die Preise werden jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. Angesichts der Finanzkrise wurde das Preisgeld von bisher zehn Millionen Schwedischen Kronen (gut 1,1 Millionen Euro) auf nun acht Millionen Kronen (etwa 930.000 Euro) gesenkt.

kle/se (dpa, rtr, afp, dapd)

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