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Europa

Mladic weist vor UN-Tribunal alle Vorwürfe zurück

Der Ex-Militärführer der bosnischen Serben, Ratko Mladic, muss sich vor dem UN-Tribunal in Den Haag verantworten. Das Gericht hält ihn für verhandlungsfähig, er bezeichnet sich als krank. Die Anklage weist er zurück.

Ratko Mladic (Foto: AP)

Ratko Mladic

Bei seinem ersten Auftritt vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag am Freitag (03.06.2011) hat Ratko Mladic alle Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. "Ich habe keine Muslime oder Kroaten umgebracht", sagte der serbische Ex-General, dem schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. "Ich habe mein Volk und mein Land verteidigt." Mladic erschien nicht wie angekündigt in Militäruniform, sondern trug einen Anzug. "Ich bin General Ratko Mladic", sagte er auf die Frage des Richters nach seiner Person.

Um die Anklage zu lesen, brauche er mehr Zeit, sagte Mladic weiter. "Ich möchte diese abscheulichen Vorwürfe gegen mich lesen", forderte er. "Ich will sie mit meinen Anwälten studieren." Der Vorsitzende Richter unterbrach daraufhin die Verhandlung und vertagte sie auf den 4. Juli. Bezieht Mladic bis dahin keine Stellung zur Anklage, wertet das Gericht das als ein Plädoyer auf nicht schuldig.

Tribunal: verhandlungsfähig

Mladic (Foto: AP)

Mladic als General 1996 in Bosnien

Mladic war kürzlich in Serbien festgenommen und an das UN-Tribunal nach Den Haag ausgeliefert worden. Ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im bosnischen Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1995 vorgeworfen. Mladic war damals Militärführer der bosnischen Serben. Insbesondere die dreieinhalb Jahre dauernde Belagerung von Sarajevo und das Massaker an 8000 Muslimen in Srebrenica werden Mladic zur Last gelegt. Mit seiner Auslieferung am Dienstag endete eine fast 16 Jahre dauernde Flucht vor der Justiz.

Zuletzt hatte es Spekulationen darüber gegeben, ob Mladic verhandlungsfähig ist. Sein Anwalt hatte behauptet, Mladic leide unter Lymphdrüsenkrebs und könne einen Prozess möglicherweise nicht durchstehen. "Ich bin ein schwer kranker Mann", sagte Mladic selbst vor Gericht. Das UN-Tribunal sah jedoch keinen Grund, von einem Prozess abzusehen. "Im Augenblick gibt es keine Hinweise, dass der Gesundheitszustand Mladic hindern wird, am Gerichtsverfahren teilzunehmen", sagte der Sekretär des Tribunals, John Hocking, der Belgrader Zeitung "Blic" (Freitagsausgabe).

Serbien fordert schnelle Aufnahme in die EU

Polizisten und Mladic (Foto: AP)

Kurz nach seiner Verhaftung

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag ist zuständig für die Verbrechen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien zwischen 1991 und 1999. Das Verfahren gegen Mladic wird der niederländische Richter Alphons Orie leiten. Das habe das dreiköpfige Richtergremium einstimmig beschlossen, sagte Orie im Gerichtssaal. Die beiden anderen Richter sind der Deutsche Christoph Flügge und der Südafrikaner Bakone Moloto. Der Pflichtverteidiger für Mladic ist der Anwalt Aleksandar Aleksic.

Nach der Auslieferung von Mladic hofft die serbische Regierung auf einen schnelleren Beitritt zur Europäischen Union (EU). Sein Land müsse nun den Status eines Beitrittkandidaten erhalten und außerdem ein konkretes Datum für den Beginn von Beitrittsgesprächen, sagte Präsident Boris Tadic der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe): "Serbien hat die gleiche Behandlung wie unser Nachbarland Kroatien verdient, dem gleichzeitig der Kandidatenstatus und das Datum für den Beginn von Beitrittsverhandlungen verliehen wurde."

Autor: Dirk Eckert (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Naima El Moussaoui

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