1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Mladen Petric: "Wir haben keinen Druck"

Mladen Petric gilt als einer der gefährlichsten Fußball-Spieler Kroatiens. Sein Land ist einer der Geheimfavoriten für die Europameisterschaft. Im DW-WORLD-Interview spricht Petric über die Ziele seiner Mannschaft.

Mladen Petric in Jubelpose (Quelle: AP)

Mladen Petric in Jubelpose. Die Kroaten wollen bei der EM weit kommen

DW-WORLD.DE: Mladen Petric, Sie sind einer der wichtigsten Spielern der Nationalmannschaft Kroatiens, die für viele Experten einer der Titelkandidaten bei der Fußball-EM 2008 ist. Sind die Chancen von Kroatien auf den Titel wirklich so groß?

Mladen Petric: Ich glaube schon, dass wir gute Chancen haben, weil wir eine gute Mannschaft sind. Natürlich wird es nicht einfach werden. Alle sagen, dass unsere Gruppe keine schwere ist. Aber ich finde, dass es eine extrem schwere Gruppe ist. Deutschland ist ein Mitfavorit des Turniers, Polen war erster, vor Portugal, in der Qualifikation, und Österreich hat den Heimvorteil. Also, es wird schon schwer.

Wie groß ist der Druck, wenn man als Geheimfavorit gehandelt wird?

Wir haben keinen Druck. Der kroatische Fußballverband hat schon gesagt, dass er sehr zufrieden ist, dass wir uns überhaupt qualifiziert haben. Viele hätten uns das überhaupt nicht zugetraut. Deswegen haben wir überhaupt keinen Druck bei diesem Turnier, auch wenn viele Leute sagen, dass wir Geheimfavorit sind. Wir haben unsere Ziele und wissen, was wir erreichen wollen. Das ist gut so.

Was für Ziele sind das?

Wir sagen, dass wir zuerst einmal die Gruppenphase überstehen wollen. Dann sehen wir weiter. Es bringt ja nichts, wenn man sagt, unser Ziel ist das Achtelfinale. Dann steht man im Achtelfinale, hat das Ziel erreicht, super und dann?

Aber vor Augen haben Sie sicherlich das Finale?

Das kann ich nicht sagen, es kommt immer darauf an, wie die Tagesform ist, gegen wen man spielt, und ein bisschen Glück muss man auch haben. Es kann viel passieren. Ich denke, es ist wichtig für uns, die Gruppenphase zu überstehen.

Für die kroatische Nationalmannschaft waren die EM 2004 in Portugal und die WM 2006 in Deutschland eine Enttäuschung, die Turniere sind einfach nicht so gut gelaufen, wie die Fans erwartet haben. Bietet die Europameisterschaft 2008 eine Chance, alles wieder gutzumachen?

Ich glaube, das Vergangene ist vorbei, darüber kann man nicht mehr nachdenken. Wir haben jetzt eine super Qualifikation gespielt und uns so in die Herzen der Zuschauer und unserer Fans gespielt. Die EM ist nicht eine Wiedergutmachung für irgendwas, was man vorher nicht gut gemacht hat. Dabei geht es um sehr viel, das ist Motivation genug. Da will man einfach nur Erfolg haben.

Wo liegen die Stärken und die Schwächen der gegenwärtigen kroatischen Nationalmannschaft?

Das wird man während der Europameisterschaft sehen.

Etwas davon kann man schon ahnen, wenn man sich das letzte Spiel der Qualifikation gegen England in London anschaut. Das war eine Demütigung, die den Engländern die EM-Teilnahme kostete.

Das war keine Demütigung. Wir mussten das Spiel gewinnen, weil es für uns als so kleines Land eine Riesensache war, gegen England in London zu gewinnen. Wir waren dort, um Geschichte zu schreiben. Das war genug Motivation für uns.

Kann man mit mehr solcher Überraschungen rechnen? Werden die Zuschauer weiterhin den schönen, guten Fußball der kroatischen Nationalmannschaft sehen?

Ich hoffe es, denn wir haben in der Qualifikation Superspiele gezeigt. Ich hoffe natürlich auch, dass wir diese Leistung während der EM bestätigen können.

Eine neue Generation vertritt jetzt den kroatischen Fußball. Geht es bei der EM um die Reifeprüfung ihrer Entwicklung?

Die Entwicklung ist sicherlich sehr positiv. Nicht viele haben uns zugetraut, dass wir uns mit dieser Mannschaft so souverän qualifizieren, da der Trainer Slaven Bilic doch mit einer jungen Mannschaft in die Qualifikation gestartet ist. Er hat aber eine gute Mischung zwischen jungen und erfahrenen Spielern gefunden. Ich glaube an die Zukunft, selbst wenn die Gebrüder Kovac nach der EM aufhören sollten. Nach der EM werden wir viele junge gute Spieler haben, die dann nachrücken.

Der Beitrag von der Bundesliga in der kroatischen Nationalmannschaft ist sehenswert, es gibt viele Nationalspieler, die in Deutschland tätig sind, oder hier lange Zeit gespielt haben. Spielt Deutschland eine tragende Rolle in der Entwicklung der kroatischen Nationalmannschaft?

Ich glaube, dass die Entwicklung von uns Spielern in der Bundesliga nicht viel mit dem kroatischen Fußball zu tun hat. Weil wir ja keinen Einfluss auf die kroatische Liga nehmen. Was für uns natürlich ein bisschen von Vorteil ist. Da viele von unseren Spielern in Deutschland spielen, kennen wir die deutsche Nationalmannschaft ganz gut, ihre Stärken und ihre Schwächen.

Angesichts der Begegnung Deutschland gegen Kroatien am 12. Juni ist es ein großer Vorteil. Wird das Spiel für Kroatien entscheidend sein auf dem Weg zum Titel?

Das weiß man jetzt noch nicht. Es kommt darauf an, was in den anderen Spielen passiert. Ich denke, dass wir uns vor keinem Gegner verstecken müssen. Aber ich glaube, für uns wird das erste Spiel das wichtigste, das Eröffnungsspiel gegen Österreich.

Das wird auch ein schwieriges Spiel sein, weil Österreich der EM- Gastgeber ist ...

Ja gut, Österreich spielt zu Hause, aber es gibt auch viele Kroaten, die in Österreich leben, und Kroatien ist nicht so weit weg von Österreich. Also, ich bin sicher, dass da auch viele Kroaten im Stadion sein werden.

Ist Deutschland für Sie ein Titelfavorit bei der Europameisterschaft?

Deutschland ist in jedem Turnier ein Mitfavorit - das haben sie zuletzt wieder bei der WM gezeigt, obwohl sie dort auch Heimvorteil hatten. Ich glaube, dass Deutschland sicherlich wieder unter den letzten sechs Mannschaften sein wird.

Die 27-jährige Mladen Petric kam im Januar 2007 aus der Schweiz, wo er im Trikot vom FC Basel mit 19 Treffern Torschützenkönig wurde, in die Bundesliga. In der vergangenen Saison war er einer der Leistungsträger von Borussia Dortmund und mit 13 Toren der gefährlichste Mittelfeldspieler der Bundesliga.

Die Redaktion empfiehlt