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Thüringisch

Mitten in Deutschland

Das Bundesland in der Mitte Deutschlands, ist vor allem eins: unauffällig. Kaum ein Westdeutscher hat ein konkretes Bild vom Freistaat Thüringen. Den Ossis fällt immerhin ein, dass man dort wandern kann.

Thüringen ist alles andere als langweilig. Das Bundesland in der Mitte Deutschlands glänzt mit großen Namen und historischen Überraschungen. Es ist eine Anlaufstelle für Freigeister. Die schätzten schon immer die gelassenen Einheimischen, die sich lieber um ihr Alltagsgeschäft kümmern als um die Eskapaden von Zugereisten. Dieser Freiraum lässt viel Platz für Leute, die etwas bewegen wollen – oder auch nur in Ruhe arbeiten.

Traktor auf dem Feld

Exil im Thüringer Wald
Martin Luther wurde um 1500 in Thüringen versteckt – auf der Wartburg von Eisenach. Hier ärgerte er sich über den harten mitteldeutschen Winter. Hier saß er aber auch den päpstlichen Ärger um seine Person aus und übersetzte dabei die Bibel ins Deutsche. Die kirchliche Reformation und die heutige deutsche Sprache haben deshalb ihre Wiege in Thüringen.

Literarische Zirkel
Auch der junge Johann Wolfgang von Goethe kam gern aus dem geschwätzigen Sachsen hierher, um Ende des 18. Jahrhunderts gegen die Rückständigkeit deutscher Kleinstaaterei vorzugehen. In Jena bewohnte er mit seinen Freunden Gottfried Herder, Friedrich Schiller, Max Schelling eine unkonventionelle Wohngemeinschaft – im nahen Weimar hielt er die Politik auf Trab.

Da sich die kleinen Herzöge im Thüringer Raum nie Eroberungskriege leisten konnten, umgaben sie sich lieber mit Denkern und Künstlern. Kein Wunder also, dass der Geist der späteren Weimarer Republik eben hier seinen Ursprung hat – in der Weimarer Klassik.

Bodenständige Bevölkerung
Die eigentlichen Thüringer schenkten dem regen Geistesleben nur mäßig Beachtung. Mehrere Völkerwanderungen ließen sie schon an sich vorbei ziehen – von Ost nach West und zurück. Ihre Aufmerksamkeit ruht bis heute auf Haus und Hof. Die Thüringer sind eben ein pragmatisches Volk, geprägt von Bergleuten und Holzarbeitern im Süden, von Bauern und Handwerkern im Norden. Reichtum haben sie nur selten angesammelt. Dazu war der Wald zu rau, die Gegend zu wenig besiedelt.

Dunkles Kapitel
Das friedfertige Desinteresse der Menschen ist auch der Grund für ein dunkles Kapitel in ihrer Geschichte: Die Nationalsozialisten erhielten zuerst in Thüringen überwältigende Wahlergebnisse. Und unwidersprochen entstand hier eines der ersten Konzentrationslager des Dritten Reichs: das KZ Buchenwald. Diese Neigung, die Führung gern anderen zu überlassen, haben die Nazis konsequent zu nutzen gewusst.

Nietzsche-Mühle an der Unstrut

Gut aufgestellt
Sonst ist diese Eigenart der Thüringer eher eine liebenswerte Marotte. In ihrem stillen Winkel zwischen Rennsteig und Kyffhäuser haben sie sich eingerichtet. Familie, Freunde im Rhythmus des Jahres, gesunde Natur, kräftiges Essen – Hektik und Lärm sind Sache der Anderen. Die aber begrüßen die Thüringer gern als Touristen und Wanderer. Die unaufgeregte thüringische Gastfreundschaft war berühmt zu DDR-Zeiten. Heute wird sie langsam wieder entdeckt.

Zu großem Reichtum ist der Freistaat nach der Wende 1989 nicht gekommen – dafür haben zu viele Bergwerke und Betriebe dicht gemacht. Doch das Land ist besser aufgestellt, als es zunächst aussieht: Noch immer entstehen hier in der Tradition von Carl Zeiss Jena Präzisionsgeräte bei Jenoptik, konzentrieren sich Gründerideen und neue Technologien. Autohersteller lassen in Thüringen Teile bauen. Jagdwaffen von hier sind weltberühmt, genauso wie die Kahlaer Keramik oder Altenburger Skatkarten. Und in den grün-goldenen Auen entlang des Flusses Unstrut reift Jahr für Jahr eine kleine Sensation: Wein aus Thüringen.

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