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Wirtschaft

Mittelstand verhalten optimistisch

Deutschland ist bisher gut durch die Krise gekommen. Das liegt auch an der wirtschaftlichen Stärke des Mittelstands. Sein Hauptverband warnt nun vor falscher Politik, um das Wachstum nicht abzuwürgen.

Maschinenbauunternehmen Kirow Ardelt AG (Foto: dpa)

Wirtschaft, Konjunktur, 2012, 2103, Deutschland , BVMW

Es hat Tradition, dass der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) zwischen den Jahren seine Wirtschaftsprognose für das kommende Jahr vorstellt. Und die Aufmerksamkeit dafür ist hoch. Denn schließlich geht es um die Frage, wie der für die deutsche Wirtschaft so wichtige Mittelstand in die Zukunft blickt. Die diesjährige bundesweite Umfrage unter 3300 Unternehmen aller Branchen des Verbandes ergab ein "verhalten optimistisches Bild" für 2013. "Die Unternehmer wollen investieren und zusätzliche Arbeitskräfte einstellen", fasste Verbandspräsident Mario Ohoven die Ergebnisse zusammen. Außerdem sprechen sich 88 Prozent der Befragten dafür aus, dass Deutschland den Euro behält. "Dieser Wert ist wesentlich höher, als das, was man auf der Straße so hört", sagte Ohoven. Das sei positiv zu bewerten.

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW (Foto: dapd-Text) Foto: Michael Gottschalk/dapd

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW)

Doch mit der Euro-Rettungspolitik sind viele Unternehmer nicht einverstanden. "Jeder zweite Mittelständler lehnt den Verbleib aller heutigen Mitgliedsländer in der Eurozone ab", sagte Ohoven. Auch die Haftung Deutschlands für andere Länder werde von einer breiten Mehrheit (87,4 Prozent) kritisch gesehen.

Banger Blick auf die Euro-Zone

Belastend für die Unternehmen bleibe die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Eurokrise. "Wir wissen nicht, welcher Brandherd das System gefährden wird - ist es Griechenland, Italien, Spanien, Zypern oder auch Frankreich?" Besonders wichtig für die Geschäftsaussichten des deutschen Mittelstands sei die Frage, so Ohoven, ob Frankreich sein Wachstumsversprechen von 0,8 Prozent für das Jahr 2013 einhalten könne. Der BVMW rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank auch weiterhin Staatsanleihen aufkaufen wird. Wie sich die hohe Geldmenge auf die Preise auswirken werde, das sei derzeit die große Unbekannte für gesamtwirtschaftliche Schätzungen.

Positiv für die Wachstumsaussichten sei zu bewerten, dass das Volumen der geplanten Investitionen in den Unternehmen im Vergleich zu 2012 gleich bleiben oder sogar steigen soll, so der Chefvolkswirt des BVMW, Michael Vogelsang. Die Umfrage des BVMW ergab außerdem, dass jedes dritte Unternehmen neue Arbeitsplätze schaffen will. 28 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe erwarten, dass sich ihre Geschäftslage im ersten Halbjahr 2013 verbessert. Mehr als die Hälfte rechnet trotz Eurokrise mit einer gleichbleibend guten Geschäftslage.

Ein Prozent Wachstum

Unter der Voraussetzung, dass die Eurokrise nicht noch weiter aufflamme, wie Verbandspräsident Ohoven betonte, rechnet der BVMW mit einem leichten Wachstum des Bruttosozialprodukts von bis zu einem Prozent. Die Prognose des BVMW bewegt sich damit im Vergleich zu anderen aktuellen Schätzungen am oberen Ende der Skala. In den vergangenen beiden Jahren lag die BVMW-Prognose immer relativ nah an der tatsächlichen Entwicklung.

Ein Grund für Optimismus sei die gute Kreditversorgung in Deutschland, besonders im Vergleich zu vielen anderen Ländern Europas, erläuterte Ohoven. An die Adresse der deutschen Politik schickte er dennoch deutliche Warnungen.

"Keine Wahlkampfgeschenke!"

Die Wachstumsaussichten würden nivelliert werden, sollte sich die europäische Haftungsunion zu einer Transferunion entwickeln, warnte Ohoven. Der BVMW empfiehlt einen anderen Weg und schlägt die Einführung einer Parallelwährung in Griechenland vor. "Dann könnten die Griechen mit ihren Preisen runter, könnten wettbewerbsfähiger sein, blieben aber weiterhin im Euroraum."

Angesichts der unsicheren Lage in Europa sei es umso wichtiger, dass die Politik in Deutschland dem Mittelstand keine zusätzlichen Steine in den Weg lege. "Wir brauchen Planungssicherheit", forderte Ohoven. Verzögerungen bei Großprojekten wie Stuttgart 21 zum Beispiel koste manches kleinere Unternehmen die Existenz. Das Vertrauen in die Politik beschädigen würden auch plötzliche Kurswechsel wie bei der Energiewende. Diese habe außerdem zu explodierenden Energiepreisen geführt. Weshalb der BVMW nun eine Verringerung der Stromsteuer fordert, die immerhin rund 45 Prozent der Energiepreise ausmacht.

Ein Drehen an der Steuerschraube, wie derzeit vom manchen Parteien diskutiert, wäre "Gift für die Unternehmer und die Konjunktur", betonte Ohoven außerdem. Für milliardenschwere Wahlkampfgeschenke vor der Bundestagswahl im Herbst fehle das Geld - angesichts von zwei Billionen Euro Staatsschulden und weiteren 1,5 Billionen Euro Risiken im Rahmen der Euro-Rettung.

Wachstums- und Jobmotor

In Deutschland gibt es rund 3,5 Millionen Unternehmen. Die meisten davon gehören zum Mittelstand mit bis zu 500 Mitarbeitern. "Auf den Mittelstand war und ist Verlass, er wird auch 2013 seine Rolle als Wachstums- und Jobmotor erfüllen", versprach Ohoven. Nun sei es an der Politik, die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Optimistisch äußerte sich auch der Bundesfinanzminister zu den Aussichten für 2013. "Die Lage ist besser als gedacht, weil unter anderem die Geschäfte mit USA und Asien stärker anziehen", sagte Wolfgang Schäuble in einem Zeitungsinterview. Die Wirtschaft werde daher auch 2013 "ordentlich wachsen".