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Wirtschaft

Mittelstand: Digitalisierung als größte Herausforderung

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Den Unternehmen jenseits der großen Konzerne geht es gut, sie wollen investieren, weiter ausbilden und einstellen. Nur ein Thema sorgt für Unruhe.

In Deutschland kennt sie jedes Kind: Edeka, Rewe und Intersport sind nur einige Beispiele für genossenschaftlich organisierte Kooperationen im mittelständischen Einzelhandel. Das Prinzip: Viele einzelne Geschäftsinhaber firmieren unter einem gemeinsamen Markennamen. Im Einkaufsbereich haben sie Vorteile wie zum Beispiel Mengenrabatte. Gemeinsames Marketing sowie Werbung nutzen allen Mitgliedern der Kooperationen, im Fachjargon auch "Verbundgruppen" genannt.

Der Mittelstandsverbund mit Sitz in Berlin ist die Dachorganisation von rund 320 Verbundgruppen, die zusammen 230.000 mittelständische Unternehmen aus Handel, Handwerk, Dienstleistungs- sowie produzierendem Gewerbe zu ihren Mitgliedern zählen. Die im Mittelstandsverbund organisierten Firmen aus mehr als 45 Branchen erwirtschaften zuletzt insgesamt einen Jahresumsatz von knapp 500 Milliarden Euro - eine gewaltige Zahl, die fast ein Sechstel des gesamten deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmacht.

Erfreuliches Bild

Die jährliche Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes unter seinen Mitgliedern zeichnet für das vergangene Jahr ein erfreuliches Bild. Die Umsatzentwicklung nahm zum Jahresende noch einmal Fahrt auf. Während im ersten Quartal noch 21 Prozent der Befragten schrumpfende Umsätze hinnehmen mussten, waren dies im letzten Quartal nur noch zwölf Prozent. Mehr als 80 Prozent haben das Gesamtjahr mit steigenden oder gleichbleibenden Umsätzen abgeschlossen. Beachtliche 31 Prozent der Unternehmen konnten ihre Erträge steigern.

Entsprechend zuversichtlich blicken die meisten Mittelständler auf das noch junge Geschäftsjahr 2016. Mehr als die Hälfte erwartet Umsatzsteigerungen, nur neun Prozent befürchten eine negative Entwicklung.

Konkurrenz aus aller Welt

Die größte Herausforderung sehen die Unternehmen in der Digitalisierung. "Durch das Internet haben wir neue Konkurrenten aus aller Welt bekommen", sagt Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes, im Gespräch mit der DW. "Insbesondere Unternehmen wie Amazon, Google und Ebay treten auf den Plan." Die Internetriesen verfügten nicht nur über dicke Kapitalpolster: "Sie zahlen in Deutschland keine Steuern und nehmen den mittelständischen Unternehmen weite Teile des Marktes weg", so Veltmann. Hier müsse der Gesetzgeber für eine gerechte Steuerpolitik sorgen.

Dr. Ludwig Veltmann (Foto: Mittelstandsverbund)

Ludwig Veltmann vom Mittelstandsverbund

Der Verbandsprecher sieht noch ein weiteres Problem: "Die Wettbewerbsgesetzgebung stammt aus der Zeit vor der Digitalisierung und ist heute alles andere als tauglich." So könnten die Mitglieder mittelständischer Kooperationen innerhalb ihrer Gruppen keine gemeinsame Preisstrategie festlegen, um gegen die großen der Branche wie die Mediamärkte oder Amazon zu bestehen. "Denn Preise innerhalb einer bestimmten Gruppe abzustimmen, stößt an die Grenzen unseres Kartellrechts", sagt Veltmann. "Da sehen wir schon deutliche Erschwernisse in der digitalen Zeit".

Qualifizierung als Herausforderung

Für die kleineren Mittelständler stelle auch das notwendige Know-how für die eigene Digitalisierung eine große Herausforderung dar. "Das Thema 'Qualifizierung' steht hier sicherlich im Mittelpunkt", so Veltmann. Es gehe um die Fragen, welche Kenntnisse gerade in kleineren mittelständischen Betrieben in Bezug auf die Digitalisierung vorhanden seien und was getan werden müsse, "um sich technologisch auf die Höhe der Zeit zu bringen".

Große Unternehmen hätten es mit ihren Ressourcen leichter als kleine Mittelständler, die wachsende Aufgaben mit wesentlich weniger Mitarbeitern zu meistern hätten. Und die Digitalisierung sei schließlich eine "Mammutaufgabe", wie Veltmann betont.

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