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Wirtschaft

Mittelstand beißt sich durch die Krise

Noch Anfang des Jahres herrschte Grabesstimmung unter den deutschen Mittelständlern. Doch inzwischen hat sich die Stimmung etwas gebessert: Drei von zehn Unternehmen erwarten im zweiten Halbjahr bessere Geschäfte.

Montage einer Werkzeugmaschine bei einem Mittelständler in Sachsen-Anhalt (Foto: ZB)

Industriebetriebe leiden weiter unter der Exportflaute

Trotz des massiven gesamtwirtschaftlichen Einbruchs im ersten Halbjahr 2009 bezeichneten im Juli noch zwei Drittel der Mittelständler ihre Geschäftslage als gut oder eher gut; in Ostdeutschland waren es sogar fast drei Viertel der Betriebe. Die Erwartungen für das zweite Halbjahr haben sich deutlich verbessert.

Die Beratungsgesellschaft Ernst&Young lässt halbjährlich 700 Unternehmen mit weniger als 2000 Mitarbeitern nach ihrer Geschäftslage, den Erwartungen und den Investitionsplänen befragen. Demnach ist die Situation derzeit im Baubereich am besten. Die Branche profitiert offenbar bereits von den ersten Aufträgen aus den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung. Am ungünstigsten stellt sich die Lage in der Industrie dar, was angesichts der Exportflaute nicht verwundert. Aber selbst hier sehen sechs von zehn Unternehmen ihre Lage eher positiv.

Bessere Geschäfte erwartet

Ein Bauarbeiter mauert an einem Haus in Frankfurt am Main (Foto: AP)

Das Baugewerbe profitiert von öffentlichen Aufträgen

Für das zweite Halbjahr erwarten immerhin drei von zehn Unternehmen bessere Geschäfte; im Januar sahen für das erste Halbjahr nur halb so viele eine Verbesserung vorher. Besonders günstig ist die Einschätzung im Handel, der hofft, dass die Krise nicht auf den Konsum durchschlägt. Die Erwartungen der ostdeutschen Betriebe sind dabei etwas verhaltener als die der westdeutschen. Dafür aber ist die Lage im Osten ohnehin besser.

Auch die Investitionsbereitschaft hat ihren Tiefpunkt erreicht. Knapp zwei Drittel der Mittelständler wollen ihre Investitionen konstant halten. Ein Fünftel plant, mehr für neue Maschinen und Anlagen auszugeben. Bei allem Optimismus gibt es jedoch auch Verlierer: Zwölf Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als kritisch; dauert die Rezession bis ins Jahr 2010 hinein an, sieht jede siebte Firma ihre Existenz gefährdet.

"Die Zeit wird knapp"

'Wegen Betriebsaufgabe geschlossen' steht auf einem Schild in einem Schaufenster in Dinslaken (Foto: dpa)

Creditreform: Das Insolvenzrisiko nimmt zu

Bei 15 Prozent der Betriebe würde eine sechsmonatige Fortdauer der Krise existenzielle Probleme nach sich ziehen. "Die Unternehmen stemmen sich mit drastischen Kostensenkungen, Kurzarbeit und häufig sogar mit Einsatz ihres Privatvermögens gegen die Krise", sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. "Aber die Zeit wird knapp: Immer mehr Mittelständlern droht bald das Geld auszugehen." 37 Prozent klagen über Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Bankkrediten.

Wie ernst die finanzielle Lage der Mittelständler ist, zeigt auch eine Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Immer mehr mittelständische Unternehmen können demnach ihre Rechnungen nicht mehr pünktlich begleichen. "Die Folgen der anhaltenden Krise sind an den stark gestiegenen Zahlungsverzögerungen zu beobachten", hieß es. Im zweiten Quartal seien überfällige Rechnungen im Schnitt erst nach 14,47 Tagen beglichen worden. Am Jahresanfang habe es nur 13,41 Tage gedauert.

Auch das Insolvenzrisiko nimmt zu: Statistisch seien von 10.000 Unternehmen 227 entweder schon zahlungsunfähig oder akut von der Pleite bedroht. Vor einem Jahr seien es lediglich 213 gewesen. "Länge und Tiefe des Abschwungs strapazieren die Stabilität des Unternehmenssektors stark", hieß es bei Creditreform. Die Rezession habe in den ersten sechs Monaten 16.650 Firmen in die Pleite getrieben - 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. (we/je/iw/rtr)

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