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Wirtschaft

Mittelständler erholen sich von der Krise

Deutsche Mittelständler sind wieder optimistischer gestimmt. Mehr als ein Drittel bewertet die aktuelle Geschäftslage mit sehr gut oder gut, meldet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Sondermaschinenbau Calvörde GmbH in Sachsen-Anhalt (Foto: dpa)

Der Mittelstand erholt sich von der Krise, aber der Aufschwunng bleibt lahm

Wer wissen will, wie der deutsche Mittelstand die Krise überstanden hat, wird beim Verband der Vereine Creditreform fündig: Die Wirtschaftsauskunftei mit Sitz in Neuss hat im März mehr als 4.100 kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland zur aktuellen Wirtschaftslage, den Geschäftserwartungen und den gegenwärtigen Finanzierungsbedingungen befragt. Fazit der Forscher: Der Mittelstand erholt sich, aber der Aufschwung bleibt kraftlos.

Gut ein Drittel der befragten Unternehmen antwortete auf die Frage nach der aktuellen Geschäftslage mit sehr gut oder gut. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Anteil leicht um 1,3 Prozentpunkte erhöht. Die Noten mangelhaft oder ungenügend werden seltener vergeben als 2009. Allerdings ist noch immer jedes zehnte Unternehmen mit der Geschäftslage unzufrieden – im Vorjahr waren es knapp 14 Prozent.

Branchen unterschiedlich betroffen

Passanten vor dem Schaufenster eines Einzelhandelsgeschäfts (Foto: ap)

Nicht so optimistisch wie andere Branchen: Der Einzelhandel

Besser als im Krisenjahr 2009 sieht es der Umfrage zufolge für das Verarbeitende Gewerbe und Dienstleister aus. Schlechter beurteilen dagegen der Handel und das Baugewerbe die Aussichten. Insgesamt verbuchten rund ein Fünftel der Unternehmen und damit doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum mehr Aufträge. Bei einem Drittel gingen sie zurück, ein deutlich geringerer Anteil als im Vorjahr. Damals hatte fast die Hälfte über ein Minus geklagt.

Steigende Auftragseingänge melden die Firmen des Kredit- und Versicherungsgewerbes, der Elektrotechnik, der Informations- und Kommunikationstechnik, der Chemiebranche sowie des Grundstücks- und Wohnungswesens. Ein überdurchschnittliches Minus verzeichnen der Einzelhandel, das Ausbaugewerbe, die Verkehrs- und Logistikbranche sowie die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln.

Einbrüche zur Hälfte wettgemacht

(Foto: DW)

Stütze für den Arbeitsmarkt: Zwei Drittel der Unternehmen halten ihre Belegschaft unverändert

Den starken Umsatzeinbruch des vergangenen Frühjahrs haben die Unternehmen rund zur Hälfte wieder wettgemacht. Jedes fünfte Unternehmen verbuchte einen Umsatzanstieg; knapp 40 Prozent der Befragten berichten von Umsatzrückgängen. Im Vorjahr musste jeder Zweite ein Umsatzminus hinnehmen, nur knapp elf Prozent der Unternehmen konnten damals einen Zuwachs melden.

Der Mittelstand sorgt für Stabilität auf dem Arbeitsmarkt: Fast zwei Drittel der Unternehmen hat die Mitarbeiterzahl im Verlauf der vergangenen sechs Monate unverändert gelassen. 15 Prozent der Mittelständler haben zusätzliches Personal eingestellt, ein Fünftel war zu Entlassungen gezwungen. Bei ihren Neueinstellungen setzen die Unternehmen verstärkt auf flexiblere Beschäftigungsverhältnisse: Knapp 16 Prozent der Betriebe stellten Mitarbeiter auf Teilzeitbasis ein, jeder Zehnte schuf 400-Euro-Jobs. Drei Viertel der Unternehmen die ihr Personal aufgestockt haben, verstärkten sich mit Vollzeitkräften.

Optimismus kehrt zurück

13.07-2009 DW-TV Journal Wirtschaft Minireportage Kredite

Kredite zu bekommen wird für viele Unternehmen schwerer

Die Umsatzerwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich deutlich aufgehellt. Knapp ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einem Umsatzanstieg - im vergangenen Jahr waren nur 17 Prozent der Befragten optimistisch. Der Anteil der Firmen, die Umsatzrückgänge befürchten, sinkt von 38 Prozent im Frühjahr 2009 auf aktuell nur noch 17,5 Prozent. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Umsatzerwartungen notiert wieder im positiven Bereich, nachdem die Forscher aus Neuss im vergangenen Jahr mit minus 21 Punkten den schlechtesten Wert seit der Wiedervereinigung registriert hatten.

Für den Mittelstand ist es schwieriger geworden, Kredite zu bekommen. Jedes sechste Unternehmen, das Verschärfungen beim Kreditzugang erlebte, berichtet im Frühjahr 2010 von einer Ablehnung des Kreditgesuchs. Hiervon überdurchschnittlich betroffen sind Bauunternehmen und junge Firmen. Fast 30 Prozent der 2008 und 2009 gegründeten Betriebe wurde der Kredit verweigert. Etablierte Unternehmen, mit mehr als zehnjähriger Marktzugehörigkeit, trifft es weniger hart.

Ohne hohe Sicherheiten gibt es keinen Kredit – 84 Prozent der Unternehmen nennen die gestiegenen Anforderungen der Banken bezüglich der Sicherheiten als problematisch. Gut ein Drittel musste höhere Risikoaufschläge in Kauf nehmen. Eine grundlegende Entspannung der Finanzierungssituation zeichnet sich aus Sicht der befragten Unternehmen nicht ab. Neun von zehn Mittelständlern rechnen bei der künftigen Kapitalaufnahme mit Schwierigkeiten. Vor einem Jahr waren erst 84 Prozent der Befragten skeptisch.

Autor: Rolf Wenkel (rtr, ots)
Redaktion: Danhong Zhang

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