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Kultur

Mittelalter auf Schritt und Tritt

"Flandrische Schöne", "Venedig des Nordens", "Märchenstadt" - an poetischer Phantasie hat es nie gefehlt, wenn es um Beinamen Brügges ging. In diesem Jahr ist Brügge neben Salamanca Kulturhauptstadt Europas.

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St. Annakirche in Brügge

Himmel hohe Türme, Fassaden mit gotischem Backsteinmaßwerk, altniederländische Malerei in Museen und Kirchen: Auf Schritt und Tritt begegnen uns Zeugnisse einer Epoche, in der Brügge der bedeutendste Handelsplatz nördlich der Alpen, die drittgrößte Stadt Europas mit über 40.000 Einwohnern war - doppelt so viel wie heute in der historischen Innenstadt leben. Im 14. Jahrhundert wurden hier Wolle aus England, Pelze aus Nowgorod, Gewürze aus Italien, Wein aus Frankreich, Bier aus den deutschen Hansestädten, aber auch Gobelins und Tuche aus Flandern gehandelt.

Giebelhäuser statt Industrie

Als der Zwin genannte Meeresarm verlandete und Antwerpen die Nachfolge der uralten Handelsmetropole antrat, geriet Brügge in Vergessenheit. Während im 19. Jahrhundert in anderen europäischen Großstädten Fabriken aus dem Boden gestampft wurden, dämmerte Brügge in einem wirtschaftlichen Dornröschenschlaf dahin. Die industrielle Revolution ging an der Stadt nahezu spurlos vorbei. Heute erscheinen die über 2000 Denkmal geschützten Giebelhäuser im warm tönigen Backstein des Landes, die imposanten Kirchen, die noblen Patrizierhäuser und Stadtpaläste und nicht zuletzt die romantischen Grachten wie ein Traum vom Mittelalter, das in jeder Gasse, an jeder Straßenecke erfahrbar ist. Brügge bietet seinen jährlich mehr als fünf Millionen Besuchern ein bezauberndes Ensemble bürgerlicher Baukunst, ein einzigartig geschlossenes Bild einer hochmittelalterlichen Kaufmannsstadt. Bei einer Rundfahrt durch die von malerischen Brücken überwölbten "reien" genannten Kanäle, unter herab hängenden Weiden hindurch, öffnet sich der Blick auf eine fast venezianisch anmutende Häuserkulisse.

Belfried erlaubt atemberaubenden Blick

In diesem von Jacques Brel besungenen "platte land" ragen drei Türme in den Himmel: der wuchtige Backsteinturm der St. Salvator-Kathedrale, der monumental auffahrende Turm der Liebfrauenkirche und - wie könnte es in einer flandrischen Stadt anders sein - der trotzige Belfried. Hat man die 366 Stufen des 85 Meter hohen, achteckigen Belfrieds erklommen, eröffnet sich der Blick auf ein überwältigendes Urbild einer mittelalterlichen Stadt. 122 Meter hoch ragt der Turm der Liebfrauenkirche in den Himmel.

Der Grote Markt mit Belfried und Hallen, dem prachtvollen Sitz der Provinzialverwaltung, den Zunfthäusern und den gemütlichen Terrassencafés ist wie die gute Stube der Stadt. Der Marktplatz bot einst den Rahmen für die verschwenderischen Feste und Turniere während der Burgunderzeit.

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