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Amerika

Mitt Romney gegen Rick Santorum

Die nächsten Vorwahlen im Rennen um die repbulikanische Präsidentschaftskandidatur finden in Michigan und Arizona statt. Zwei der vier Kandidaten stehen hier im Rampenlicht: Mitt Romney und Rick Santorum.

Mitt Romneys größtes Problem ist sein Vermögen. Denn wenn er im Wahlkampf wie am vergangenen Wochenende ein NASCAR-Rennen besucht, dann wird schnell klar, wie wenig er mit den Fans dieser in den USA beliebten Autorennen gemein hat. Dabei mag es noch in Ordnung sein zuzugeben, dass er selbst kein großer Fan ist. Aber wenn er stolz ergänzt, ein paar seiner Freunde seien doch immerhin Eigentümer von NASCAR-Teams, dann erweckt er damit keine Sympathien bei Wählern, die sich nicht einmal ein Auto leisten können, weil sie arbeitslos sind oder unter den hohen Benzinpreisen stöhnen. So führt er den Wählern unweigerlich vor Augen: Das ist niemand von uns. Das gleiche gilt, wenn Romney in einem Ford-Autosalon mit bester Absicht und mit Blick auf die Wähler im "Autostaat" Michigan erklärt, er besitze nur amerikanische Autos - dann aber fortfährt, es handele sich um "ein paar Cadillacs, in zwei verschiedenen Häusern". Volksnähe sieht anders aus.

U.S. Republican presidential candidate and former Massachusetts Governor Mitt Romney addresses the American Conservative Union's annual Conservative Political Action Conference (CPAC) in Washington, February 10, 2012. REUTERS/Jim Bourg (UNITED STATES - Tags: POLITICS) // Eingestellt von wa

Favorit mit Image-Problemen: Mitt Romney

Und so hat Romney auch in seinem Heimatstaat Michigan ein Problem. Hier ist er geboren und aufgewachsen, hier war sein Vater ein erfolgreicher Automanager und beliebter Gouverneur. Bis vor kurzem lag Romney in den Umfragen hier sogar hinter seinem derzeitigen Hauptrivalen Rick Santorum, konnte aber in den letzten Tagen aufholen. Ein zweiter Platz in Michigan wäre für Romney eine Niederlage.

Denn bei den Wahlen geht es um Delegiertenstimmen, aber vor allem um Prestige. Auch Santorum steht unter Erfolgsdruck. Er hat zwei der letzten drei Wahlen - in Minnesota und Colorado - gewonnen und muss nun beweisen, dass er tatsächlich ein ernst zu nehmender Herausforderer Romneys ist.

Cadillac-Besitzer gegen Pullunder-Träger

Im Duell zwischen Mitt Romney, dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, und Rick Santorum, dem früheren Senator aus Pennsylvania, zeichnet sich ab, mit wem die republikanische Basis warm wird - und mit wem nicht. Der ehemalige Manager Romney besticht zwar durch Detailkenntnis, aber Sympathie strahlt er nicht aus. Sein Kontrahent Santorum dagegen gibt sich als Vertreter des "Mannes von der Straße". Dabei spielt es keine Rolle, dass sein Einkommen in den letzten Jahren jeweils rund eine Million Dollar betrug. Santorum redet anders als Romney, er kann auf die Menschen zugehen, signalisiert Verständnis. Auch optisch wird das deutlich: Romneys gebügelten Hemden setzt Santorum den zu seinem Markenzeichen avancierten Pullunder entgegen. Und er betont noch einen anderen gravierenden Unterschied zu Romney: Santorum präsentiert sich als jemand, der konservative Werte nicht nur vertritt, weil sie Stimmen bringen, sondern weil er an sie glaubt.

Rückenwind durch gute Wirtschaftszahlen: Barack Obama

Auf der Überholspur: Rick Santorum

Der ehemalige Senator aus Pennsylvania hält die Werte der Familie hoch. Seine Frau und er haben sieben Kinder. Er ist gegen Abtreibung, selbst im Falle von Inzest und Vergewaltigung, und lehnt pränatale Diagnostik ab, weil sie nach seiner Ansicht zu vermehrten Abtreibungen führt. Den von Menschen verursachten Klimawandel hält er für einen "schlechten Scherz". Und er mag extreme Worte: Präsident Barack Obama verglich er vor wenigen Tagen mit Adolf Hitler, als er erklärte, die Wähler dürften gegenüber Obama nicht genauso untätig sein wie die Amerikaner zunächst im Zweiten Weltkrieg gegenüber Nazi-Deutschland.

Obama holt auf

All diese Äußerungen beunruhigen das republikanische Establishment. Sie wollen keinen Wahlkampf gegen Präsident Obama, in dem es um Abtreibung, pränatale Diagnostik und den Klimawandel geht, sondern sie wollen die Wirtschaftslage zum Thema machen. Und da sollte ein erfolgreicher Manager wie Romney der Richtige sein, dem sie auch zutrauen, die für den Sieg im November notwendigen unabhängigen Wählerstimmen zu holen.

Auch Barack Obama betreibt seit einiger Zeit Wahlkampf - und zwar erfolgreich: In den Meinungsumfragen hat er, was die Zufriedenheit mit seiner Amtsführung angeht, leicht aufgeholt. In einigen Umfragen liegt er sogar vor seinen republikanischen Herausforderern. Und die Wirtschaftslage hat sich leicht verbessert. Die Amerikaner blicken optimistischer in ihrer Zukunft als noch vor wenigen Monaten, das hat die jüngste Erhebung des Pew Research Centers ergeben. Den Republikanern droht ihr wichtigstes Wahlkampfthema wegzubrechen.

Offenes Rennen bis zum Schluss?

So tun sie sich weiter schwer, sich hinter einem Kandidaten zu versammeln. Es wird vermutlich noch eine Weile dauern, bis feststeht, wer als Herausforderer des amtierenden Präsidenten antreten wird. Denn letztlich zählen die Delegiertenstimmen, die teilweise nach einem komplizierten und zeitlich verzögerten Verfahren vergeben werden. Romney hat derzeit 99 Stimmen, Santorum 47, so rechnet es die Webseite RealClearPolitics vor. 59 Delegierte werden am Dienstag (28.02.2012) vergeben: Die 29 Stimmen in Arizona gehen komplett an den Sieger. Hier gilt Mitt Romney als eindeutiger Favorit. Die 30 Stimmen in Michigan werden anteilig vergeben. Für einen Sieg sind aus allen Bundesstaaten insgesamt 1144 Stimmen nötig.

U.S. President Barack Obama delivers remarks on his administration's 2013 budget at Northern Virginia Community College in Annandale, Virginia, February 13, 2012. REUTERS/Jason Reed (UNITED STATES - Tags: POLITICS BUSINESS)

Rückenwind durch gute Wirtschaftszahlen: Barack Obama

Nicht nur Rick Santorum macht dem Favoriten das Leben schwer. Auch Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, und Ron Paul, Kongressabgeordneter aus Texas, sind noch im Rennen. Sie liegen aber in den Umfragen in beiden Bundesstaaten abgeschlagen auf Platz drei und vier. Gingrich setzt sogar ganz auf den "Super Tuesday" Anfang März, wenn zehn Bundesstaaten Wahlen abhalten.

Auch immer wieder zu hören ist das Stichwort "brokered convention" - also die Möglichkeit, dass es auf dem Parteitag in Tampa Bay, Florida, Ende August zu einer Kampfabstimmung kommt, weil keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit hat und vielleicht noch ein ganz neuer Kandidat ins Rennen geschickt wird. So wichtig Michigan und Arizona also sowohl für Mitt Romney als auch Rick Santorum sind - das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner wird noch eine Weile weitergehen.

Autorin: Christina Bergmann, Washington
Redaktion: Klaus Dahmann