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Wirtschaft

Mitsubishis Misere

DaimlerChrysler will Mitsubishi Motors kein Geld mehr geben. Dem japanischen Autobauer fehlt damit nun Kapital und der strategische Partner. Die Hauptversammlung der Mitsubishi-Aktionäre dürfte spannend werden.

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Viel modernes Drumherum im Mitsubishi-Hauptquartier in Tokio

Mitsubishi Motors Corporation (MMC), der viertgrößte japanische Automobilbauer, hat erhebliche Probleme: Unattraktive Modelle, geringe Absatzzahlen, Forderungsabschreibungen wegen zahlungsunfähiger Kunden und einen Schuldenberg. Seit kurzem hat MMC, an dem die japanische Mitsubishi-Gruppe mit 34 Prozent beteiligt ist, ein neues Problem: DaimlerChrysler hat am Donnerstag (22.4.2004) bekannt gegeben, dass der Konzern dem PKW-Bauer kein weiteres Geld in Form einer Kapitalerhöhung zahlen wird. Damit hat der amerikanisch-deutsche Autoriese, der mit 37 Prozent der größte Anteilseigner der Japaner ist, nicht nur die finanzielle Unterstützung versagt. Er hat auch die strategische Partnerschaft mit MMC aufgekündigt.

Auch wenn DaimlerChrysler nicht sofort und nicht ganz bei dem Traditionsunternehmen Mitsubishi Motors aussteigen will, ist damit doch die enge Kooperation in der Produktion am Ende. Begonnene Projekte sollen laut DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Schrempp jedoch zu Ende geführt werden. Und auch die Zusammenarbeit des Konzern mit einem anderen Mitsubishi-Unternehmen, dem LKW-Hersteller Mitsubishi-Fuso, werde fortgesetzt.

Mächtige Mitsubishi-Marke

In der Autobranche ist klar: Für Mitsubishi Motors muss in den nächsten Wochen und Monaten ein neuer Kompagnon gefunden werden. Allein sei der PKW-Bauer nicht überlebensfähig. Kurzfristig brauchen die Japaner jedoch Kapital: 5,5 Milliarden Euro.

Das ist viel Geld, doch Mitsubishi Motors gilt in Japan als starker Name: "Die Marke Mitsubishi Motors wird diese Misere überstehen", sagt Robert Pottmann von der Privatbank M. M. Warburg & Co. in Hamburg. Der Aktienanalyst für die Automobilindustrie meint: "In Japan besteht ein Interesse daran, das Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen. Man wird die Marke nicht sterben lassen." Die Mitsubishi-Gruppe gilt in Japan als mächtigster Industrieverband. Sie besteht vor allem aus drei Großkonzernen: Dem Maschinenbauer Mitsubishi Heavy Industries Ltd. - hierzu gehört auch Mitsubishi Motors - dem Handelshaus Mitsubishi Corporation und dem Geldinstitut Bank of Tokio-Mitsubishi. Insgesamt gehören zur Großfamilie Mitsubishi 29 Unternehmensgruppen.

Mit einer Insolvenz des Autobauers Mitsubishi Motors ist bei einer so starken Rückendeckung nicht zu rechnen. Auch Japans Transportminister Nobuteru Ishihara sagte, sein Ministerium habe sich bereits eingeschaltet, um die Lage auszuloten. Schließlich stünde das Überleben eines der bekanntesten Unternehmen des Landes auf dem Spiel.

Entwarnung erwartet

Börse in Tokio Mitsubishi Aktie

Kein Geld mehr von DaimlerChrysler: Die Aktie von Mitsubishi Motors rutschte an der Börse in Tokio in den Keller.

Die MMC-Aktionäre dürften erstmal an der finanziellen Situation des Unternehmens interessiert sein. Die Hauptversammlung von Mitsubishi Motors am Freitag (30.4.2004) wird von den Anteilseignern mit Spannung erwartet. Sie rechnen mit einem Signal, woher das fehlende Geld kommen soll. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Mitsubishi-Gruppe eine erste Entwarnung gibt und mitteilt, dass sie selbst den größten Teil der Kapitalerhöhung, die DaimlerChrysler eigentlich leisten sollte, übernehmen wird. Zudem wird damit gerechnet, dass einige der japanischen Banken auf einen Teil ihrer vergebenen Kredite an MMC verzichten.

Eine Antwort auf die Frage, wer neuer strategischer Partner des japanischen Traditionsunternehmens wird, ist auf der Hauptversammlung hingegen nicht zu erwarten. Wobei die Spekulationen darüber bereits begonnen haben. Der südkoreanische Autohersteller Hyundai kam sogleich ins Gespräch. "Für Hyundai wäre eine strategische Beteiligung nicht uninteressant. Aber auch Toyota könnte in Frage kommen", sagt auch Pottmann vom Geldinstitut M.M. Warburg. Wenn erstmal wieder Geld in der Kasse ist und sich der erste Schock über den Rückzug DaimlerChryslers gelegt hat, besteht kein Zeitdruck. In der zweiten Jahreshälfte 2004 kann damit gerechnet werden, dass Mitsubishi Motors einen neuen Partner im PKW-Geschäft bekannt gibt.

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