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Wirtschaft

Mitarbeiter wollen Anerkennung vom Chef

Lob, Anerkennung, ein offenes Ohr für die Mitarbeiter haben Chefs in Deutschland für ihre Mitarbeiter nur selten übrig. Das ist mit ein Grund dafür, warum jeder vierte Arbeitnehmer innerlich gekündigt hat.

Illustration: Ein Büroleiter lobt seine Angestellten in einem Büro

Symbolbild Chef lobt Mitarbeiter

Wenn der Chef von einem Führungskräfteseminar kommt und die Schulterklopf-Maschine für seine Mitarbeiter anwirft, dann sollte er sich nichts vormachen: diese Art von "Lobhudelei" wird von seinen Angestellten als unangenehm und durchsichtig erkannt. Das sagt Marco Nink, Autor einer Studie, die das Beratungsunternehmen Gallup erstellt hat: "Mitarbeiter haben dafür sehr feine Antennen und können sehr wohl ausmachen, ob es sich hier um ernst gemeintes Lob handelt."

Den Chefs in Deutschland kommt der Studie zufolge ein anerkennendes Wort in den Büros oder Werkshallen viel zu selten über die Lippen. Nach der Devise: 'Nicht geschimpft ist Lob genug' seien Mitarbeiter nun einmal nicht zu motivieren, sagt Nink: "Sie werden sich ausklinken, sie ziehen sich zurück und resignieren irgendwann. Und sie machen dann eben nur noch das, was man von ihnen wirklich verlangt."

Die Mehrheit macht "Dienst nach Vorschrift"

Nur jeder vierte Mitarbeiter wird nach der Gallup-Studie - für die rund 1200 Arbeitnehmer befragt wurden - für gute Arbeit vom Chef gelobt und nur jeder dritte meint, dass im Betrieb seine Meinung zählt. Die Mehrheit, nämlich 63 Prozent, mache im Großen und Ganzen Dienst nach Vorschrift, sagt Nink. Das habe sich auch trotz des kräftigen Aufschwungs in Deutschland kaum geändert.

Und ein Ergebnis der Umfrage dürfte wohl einige Personalmanager besonders aufhorchen lassen: Knapp jeder vierte Angestellte hat bereits innerlich gekündigt: Der innere "Kündiger" verhalte sich in der Regel sehr destruktiv und stachele die Kollegen an. Das wirke sich auf die übrigen Mitarbeiter aus. Es bestehe eine Art "Ansteckungsgefahr", so Marco Nink: "Um einen inneren "Kündiger" sozusagen zu neutralisieren, bedarf es in einem Unternehmen mindestens vier Personen, die mit Herz und Verstand bei der Sache sind."

Die Mitarbeiter, die sich schon vom Unternehmen verabschiedet hätten, fehlten auch häufiger und verursachten damit einen gesamtvolkswirtschaftlichen Schaden. In der Studie wird festgehalten, dass diejenigen, die mit Herz und Verstand bei der Sache sind, gegenüber denen, die innerlich gekündigt haben, auch weniger Fehlzeiten aufweisen: "Wir sprechen hier von 3,5 unproduktiven Tagen weniger im Jahr. Und wenn man jetzt bedenkt, dass jeder Fehltag ein Unternehmen im Schnitt rund 290 Euro kostet, dann kommt da natürlich eine erhebliche Summe zustande", sagt Marco Nink.

Sind deutsche Führungskräfte so schlecht?

Mitarbeiter, die sich montagmorgens schon auf dem Weg zur Arbeit quälen, am Dienstag bereits auf das Wochenende hoffen, können Unternehmern, die erfolgreich sein wollen, nicht gleichgültig sein. Die Studie wirft die natürliche Frage auf: Sind Deutschlands Manager in Sachen Mitarbeiterführung denn wirklich so schlecht? Das ist sicherlich nicht der Fall. Aber, so Nink, die Manager könnten durchaus etwas dazu lernen. Das würde sich bezahlt machen, denn es gehe um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.

Marco Nink empfiehlt daher deutschen Führungskräften, regelmäßige Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen: "Und dabei gilt – und das ist ganz wichtig - wenig reden, viel zuhören. Und wer diese informellen Gespräche führt und auf seine Mitarbeiter zu geht, der vermittelt Interesse."

Deutschland liegt im Mittelfeld

Im internationalen Vergleich stehen deutsche Führungskräfte allerdings nicht allzu schlecht da. Der Gallup-Studie zufolge liegt Deutschland im Mittelfeld: "In den USA sind etwa doppelt so viele Beschäftigte mit Herz und Verstand bei der Sache wie hier bei uns. Aber wenn man dann einen Blick auf die legt, die innerlich gekündigt haben, da liegen Deutschland und die USA gar nicht so weit auseinander. Die USA kommen auf 19 Prozent, Deutschland auf 23 Prozent", hält Marco Nink fest.

In der Studie werden auch die Führungskräfte in den boomenden asiatischen Schwellenländern betrachtet. Gegenüber Japan, China oder Indien bekommen deutsche Chefs dann doch etwas bessere Noten: "In diesen Ländern befindet sich ein Drittel der Beschäftigten in der inneren Kündigung", so Nink. Nur ein kleiner Teil sei mit Herz und Verstand bei der Sache: "In Japan sind es sieben Prozent, in China zwei, in Indien acht Prozent."