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Wirtschaft

Mitarbeiter der HypoVereinsbank fürchten um ihre Jobs

Die italienische Großbank UniCredito will die Münchner HypoVereinsbank (HVB) für gut 15 Milliarden Euro übernehmen. Wenn alles klappt, handelt es sich um die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa.

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Profumo: "Das ist ein Abbau, der gut zu handhaben ist."


HypoVereinsbank Albrecht Schmidt und Dieter Rampl

Albrecht Schmidt, links, Aufsichtsratsvorsitzender der HypoVereinsbank, und Vorstandschef Dieter Rampl blieb keine andere Wahl zur Übernahme

Der Verwaltungsrat von UniCredito und der HVB-Aufsichtsrat hätten zugestimmt, teilten beide Banken am Sonntag mit. HVB-Chef Dieter Rampl sagte, die Partner übernähmen eine Vorreiterrolle bei der Konsolidierung der Branche in Europa. "Wir haben beide den besten Partner gewählt." UniCredito-Chef Alessandro Profumo ergänzte: "Wir werden durch Bündelung unserer Kräfte die erste wahre europäische Bank sein."

Die Bankenfusion soll im Oktober abgeschlossen werden. Die beiden Geldinstitute erhoffen sich von dem Zusammenschluss jährliche Kosteneinsparungen vor Steuern von knapp einer Milliarde Euro.

Viele Stellen in Gefahr

Die italienische Großbank UniCredit will nach der Übernahme der HypoVereinsbank mehr als 9000 Arbeitsplätze in Deutschland und Osteuropa streichen. Etwa 1800 Stellen sollen bei der HVB in Deutschland zusätzlich wegfallen, kündigte UniCredito-Chef Alessandro Profumo am Montag in München an. "Das ist ein Abbau, der gut zu handhaben ist." Zusammen mit einem Anfang des Jahres verkündeten Sparprogramm entfallen damit bei der HVB etwa 4000 der 26.000 Arbeitsplätze im Inland. Dennoch soll das Deutschland-Geschäft laut HVB-Chef Dieter Rampl unter dem neuen Mehrheitseigner nicht zur Disposition stehen. "Deutschland spielt eine tragende Rolle in diesem Zusammenschluss." Der Großteil des Abbaus soll
auf Osteuropa entfallen.

Kombo HypoVereinsbank und UniCredito

Die Italiener gaben zudem eine Bestandsgarantie für das Deutschlandgeschäft über fünf Jahre. Diese Zusage kann aber theoretisch bei einer großen Mehrheit im UniCredito-Aufsichtsrat, bei der auch HVB-Vertreter zustimmen müssen, abgeändert werden.

Die Aufsichtsräte der beiden Banken hatten den ganzen Sonntag über getagt. UniCredito bietet den HypoVereinsbank-Aktionären fünf eigene Aktien je HVB-Anteilsschein. Auf Basis der Schlusskurse vom Freitag entspricht dies einer Bewertung von etwa 20,50 Euro je HVB-Aktie oder insgesamt 15,1 Milliarden Euro.

Größter Aktionär begrüßt Fusion

Nikolaus von Bomhard Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

Der HVB-Großaktionär, die Münchener Rück, hat die geplante Fusion des Bankhauses mit der UniCredito begrüßt. Als maßgeblicher Aktionär der HVB werde der Versicherungskonzern das Aktientauschangebot der Italiener sorgfältig prüfen, erklärte Konzernchef Nikolaus von Bomhard am Montag. Die Münchener Rück ist mit 18,3 Prozent an der HypoVereinsbank beteiligt. Das Bankhaus wiederum hält knapp zehn Prozent an dem Versicherungskonzern und fünf Prozent an dessen Erstversicherungstochter ERGO.

Durch den Zusammenschluss entsteht die nach Börsenwert neuntgrößte Bank Europas. Gemeinsam kommen HypoVereinsbank und UniCredito auf eine Bilanzsumme von 730 Milliarden Euro und 126.000 Beschäftigte.

Profumo rückt an die Spitze

An der Spitze wird der jetzige UniCredito-Chef Allessandro Profumo stehen. Allerdings sollen die Münchner fünf von elf Vorstandsmitgliedern der neuen UniCredito-Gruppe stellen. Mit nur 48 Jahren hat der Vorstandsvorsitzende von Italiens Marktführer die größte grenzüberschreitende Bankenfusion Europas ausgehandelt. Die neue Bank mit einer Marktkapitalisierung von gut 41 Milliarden Euro wird sich von Deutschland, Österreich und Italien bis nach Zentral- und Osteuropa erstrecken. Im Heimatmarkt kann UniCredito durch die Übernahme den Abstand zu den Rivalen Banca Intesa und Sanpaolo IMI nochmals ausbauen. Und auf europäischer Ebene wird sich das Institut künftig auf Augenhöhe mit den Großen wie Santander Central Hispano oder BNP Paribas bewegen.

Profumo erkannte die Bedeutung Osteuropas im Bankengeschäft früh und begann die Expansion in der Region bereits 1999 mit der Mehrheitsübernahme der polnischen Bank Pekao. "Man könnte sagen, wir waren ziemlich clever", sagte der grauhaarige Manager kürzlich in einem seiner wenigen Interviews. "Oder man könnte auch sagen, wir waren einfach glücklich, weil wir diesen Prozess vor anderen in Gang gesetzt haben."

Noch mehr Übernahmen?

Durch die Fusion könnte nach Meinung von Branchenexperten der europäische Bankenmarkt in Bewegung geraten. Die HVB habe nicht viele Optionen gehabt, der Zusammenschluss sei notwendig gewesen. Da die neue Bank Marktführer im lukrativen osteuropäischen Markt wird, könnten andere internationale Finanzhäuser zu Zukäufen gezwungen sein. Auch deutsche Institute könnten ein Übernahmeziel werden. Im Zentrum der Spekulationen steht Deutschlands Nummer drei, die Commerzbank. Der Bankenmarkt in Deutschland ist mit seinem Drei-Säulen-System aus Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken stark zersplittert, was als Ursache für die schwächeren Erträge deutscher Banken gilt. (stl)

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