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Politik

Mit zweierlei Maß: Christliche Irak-Flüchtlinge in Deutschland

Mit dem Eintreffen der ersten der 2500 zumeist christlichen Flüchtlinge gibt es in Deutschland jetzt zwei Gruppen irakischer Flüchtlinge: willkommene und von Abschiebung Bedrohte. Ein Unding, meint Daniel Scheschkewitz.

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Daniel Scheschkewitz (Foto: DW)

Daniel Scheschkewitz

Seit 2002 herrscht im Irak ein blutiger Krieg, der Menschen aus unterschiedlichen Gründen zur Flucht getrieben hat: aus Angst um das eigene Leben, aus Verzweiflung und aus materieller Not. 2,5 Millionen sind es an der Zahl - die meisten von ihnen flohen in die Nachbarländer Jordanien und Syrien, einige wenige schafften es bis nach Europa.

In der EU - auch in Deutschland - sind sie nur vorübergehend geduldet und bleiben, wenn sie nicht als Asylbewerber anerkannt sind, von der Abschiebung bedroht. Demgegenüber werden die jetzt eintreffenden Irakflüchtlinge, die zum offiziellen UN-Flüchtlingskontingent gehören, ein volles Aufenthaltsrecht genießen, mit allen dazu gehörigen Privilegien wie dem Recht auf Sprachkurse, einer Arbeitserlaubnis und der Fürsorge durch Kirche und Staat.

Menschenrecht auf Asyl sollte für alle gelten

Dass Menschen, deren Schutzbedürftigkeit außer Frage steht, in unserem Land aufgenommen werden, ist gut so und weist uns als zivilisierte Nation aus. Dass dazu auch Christen gehören, sollte eine Selbstverständlichkeit sein, denn sie waren und sind im Zwei-Strom-Land besonderer Verfolgung ausgesetzt. Dass wir Menschen jedoch ungleich behandeln, nur weil die einen dem christlichen Glauben angehören und mit den Kirchen einen starken Schutzpatron haben, während die anderen ein Schattendasein fristen, ist ein unhaltbarer Zustand, der dem Fairness-Gebot widerspricht.

Das Menschenrecht auf Asyl sollte für alle gelten, ganz gleich, ob Moslem, Christ oder Atheist. Deutschland wird durch die offizielle Aufnahme irakischer Christen einem lange versäumten Anspruch dieser Menschen auf Solidarität und Nächstenliebe gerecht. Aber es ist Teil der christlichen Überzeugung unserer Wertegemeinschaft, diese Hilfe und unser Mitgefühl allen bedrohten Menschen unabhängig von ihrem Glauben zuteil werden zu lassen - sofern sie wie im Fall des Irak berechtigterweise an unsere Tür klopfen. Da gilt auch das Argument nicht, dass Schiiten und Sunniten ja auch in anderen Teilen des Irak Aufnahme finden könnten. Wer nach Europa flieht, hat seine Gründe - bereits hier lebende Familienangehörige oder Freunde oder aber die völlige Perspektivlosigkeit im eigenen Land.

Keine Flüchtlinge erster und zweiter Kategorie

Im Fall des Irak ist eine Ungleichbehandlung umso unverständlicher: Deutschland hat diesen Krieg von Anfang an aus moralisch starker Position kritisiert. Gemessen daran müssten nicht nur 2500, sondern eigentlich die zehnfache Zahl von Flüchtlingen aufgenommen werden. Das entspräche in etwa der Zahl, die Deutschland mit den so genannten "Boat People" in den achtziger Jahren aufnahm. Viele von ihnen waren auch keine Christen, und wir haben dennoch Solidarität geübt. Die Zahl der Christen unter den Irakflüchtlingen beträgt etwa 20 Prozent. Auch von ihnen nimmt Europa nur einen Bruchteil auf - etwa 10.000.

Vielleicht ist unseren Gesellschaften im Zeichen der anhaltenden Wirtschaftskrise auch gar nicht mehr zuzumuten. Was wir aber unbedingt tun sollten, ist den Rechtsstatus aller Irakflüchtlinge anzugleichen. Flüchtlinge erster und zweiter Kategorie darf es nicht geben, nicht in einem Rechtsstaat und aus Glaubensgründen schon gar nicht. Gerade weil wir als Angehörige einer christlich geprägten Wertegemeinschaft alle Menschen gleich behandeln, unabhängig von Geschlecht, Glaube oder Herkunft. Dieser Grundsatz muss auch für die Flüchtlinge aus dem Irak gelten.

Autor: Daniel Scheschkewitz

Redaktion: Anna Kuhn-Osius