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Europa

Mit Werbung aus der Krise

Nach fast 80 Jahren bricht Radio Vatikan mit einem Tabu und sendet ab sofort Werbespots. Der Grund sind leere Kassen. Allerdings vergibt der Kirchenstaat seine Werbezeiten nicht nur an Kunden mit kirchlichem Hintergrund.

Ein Brunnen auf dem Petersplatz vor dem Petersdom im Vatikan (Foto: dpa)

Der Vatikan möchte raus den roten Zahlen

"Energie, die nachwächst, endet nicht" – verkündet der Stromkonzern "Enel" neuerdings auf der römischen UKW-Frequenz von Radio Vatikan und wirbt so für seine Windkraft- und Solaranlagen. "105 live" heißt das flotte 24-Stunden-Programm des Vatikans, das man über Satellit oder im Internet weltweit hören kann. Es bringt Nachrichten, Interviews und Musik.

Das Programm von Radio Vatikan ist in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeweitet worden, online wird immer mehr angeboten. Videoaufnahmen, Lifestreaming und aktuelle Artikel zum Nachlesen haben Radio Vatikan eine virtuelle Fangemeinde rund um den Globus eingebracht und das Interesse potentieller Werbekunden erhöht.

Strenge Filter

Studio von 'Radio Vatikan' (Foto: dpa)

Studio von "Radio Vatikan"

Der Papst ist von dem Programm überzeugt und will die mediale Verbreitung des Evangeliums weiter vorantreiben. Mit der Öffnung für kommerzielle Reklame plant Pater Federico Lombardi, der Intendant von Radio Vatikan, im ersten Jahr zwischen 100.000 und 200.000 Euro einzunehmen. "Unser erster Werbekunde ist 'Enel', ein Riese unter den Energieversorgern, nicht nur in Italien, sondern international", erklärt er. "Dieses Unternehmen hat keine religiösen Ambitionen, sondern wirtschaftliche, ist aber von öffentlichem Interesse. Deshalb fügt es sich gut in unser Programm ein."

"Enel" ist bislang der einzige Werbekunde des Papstsenders. Dass er über Beteiligungen im Ausland indirekt auch den Bau und den Betrieb von Atomkraftwerken finanziert, stört Pater Lombardi nicht. Er lobt die "Enel"-Projekte zu erneuerbaren Energiequellen als wegweisend. Bei der Auswahl weiterer Werbekunden verlässt er sich auf eine Agentur, die verspricht, strenge Filter anzuwenden und Firmen- wie Werbephilosophie der interessierten Unternehmen sorgfältig zu prüfen.

"Die Kirche hat genug Geld"

Vatikansprecher Federico Lombardi (Foto: dpa)

Vatikansprecher Federico Lombardi achtet auf die Inhalte der Spots

Für kriegerische Computerspiele oder Kondome wird auf Radio Vatikan also sicher nicht geworben. "Das würde uns noch fehlen!", lacht Padre Lombardi. "Selbstverständlich achten wir darauf, wer bei uns Werbung machen darf." Die Direktion von Radio Vatikan werde über jeden potentiellen Werbekunden entscheiden und dabei im Auge behalten, wofür das Unternehmen stehe. "Und natürlich hören wir uns auch die fertig produzierten Spots erst an, bevor sie auf Sendung gehen."

Trotzdem riecht das Vorhaben nach Kommerz und das gefällt nicht jedem. "Unpassend" finden es viele religiöse Italiener. Die Kirche habe schon genug Geld, meinen sie. Jedoch scheint die Zahl der Werbespotgegner unter den nicht religiösen Hörern höher zu sein als unter denjenigen, die sich selbst als gläubig einstufen und aktiv am Gemeindeleben teilnehmen.

Autorin: Kirstin Hausen
Redaktion: Andreas Ziemons

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