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Wirtschaft

Mit Weiterbildung gegen die Arbeitslosigkeit

Im April waren in Deutschland fast 3,6 Millionen Menschen arbeitslos. Die Frühjahrsbelebung blieb aus. Mit über 120 Millionen Euro für die Weiterbildung will die EU den Arbeitsmarkt in der Gemeinschaft anschieben.

Arbeitslose auf dem Arbeitsamt (Foto: AP)

Jobverluste vermeiden - EU fördert Weiterbildung

In der Küche des Kulturcafés in Möckern geht es heiß her. Auf dem Herd brutzeln Koteletts und Bratkartoffeln, die Kaffeemaschine dampft. Für die Unternehmerin Gudrun Rotermund ist das nicht selbstverständlich. Die Sachsen-Anhaltinerin hat zu Beginn des Jahres das Kulturcafé in der Kleinstadt bei Magdeburg eröffnet. Dafür musste sie Kredite aufnehmen und viel Neues lernen, denn ein Café hatte sie bis dahin nie geführt. "Nun muss ich mich weiterbilden und den Unternehmerbrief machen, damit ich mein Café richtig führen und managen kann", sagt Gudrun Rotermund.

Für diese Weiterbildung gibt es seit dem 1. Januar finanzielle Unterstützung von der Europäischen Union. In Sachsen-Anhalt bekommen die Bewerber die Unterstützung vom Wirtschaftsministerium, in anderen Bundesländern vom Sozialministerium oder auch dem jeweiligen Landesverwaltungsamt. Die Hilfe ist nicht unerheblich. Je nach Unternehmensgröße werden die Weiterbildungskosten bis zu 70 Prozent übernommen.

Krise nutzen

Gudrun Rotermund mit zwei Mitarbeiterinnen (Foto: Victoria von Gottberg)

Gudrun Rotermund (rechts), Cafébetreiberin in Sachsen-Anhalt, bekam EU-Fördergelder

Ohne das Förderprogramm "Weiterbildung", wie es in Sachsen-Anhalt heißt, hätte sich Gudrun Rotermund das Qualifizierungsprogramm nicht leisten können. "Ich musste so viel in die Küche und Einrichtung investieren, dass einfach kein Geld mehr für eine Weiterbildung drin war", erzählt die Café-Betreiberin. So hat sie sich für die Förderung beworben, die ihr innerhalb einer Woche bewilligt wurde - eine erstaunlich kurze Bearbeitungszeit für die deutsche Bürokratie. So wie ihr geht es auch 125 anderen Unternehmen und Firmen in Sachsen-Anhalt, die sich für die Förderung beworben haben.

Insgesamt stehen aus dem Sozialfonds der EU 128 Millionen Euro zur Verfügung. "Unternehmen sollten das Angebot nutzen, denn es wird relativ einfach vergeben", rät Uta Blümel. Sie arbeitet für die Förderservice GmbH und prüft die Anträge der Unternehmen. Die Krisenzeit sollten die Unternehmen nutzen, um Schulungen und Weiterbildungen zu machen – denn "das Lernen im Arbeitsleben hört nie auf."

Von klein bis groß

Uta Blümel bearbeitet in Sachsen-Anhalt die EU-Förderanträge (Foto: Victoria von Gottberg)

Uta Blümel prüft die Anträge der Unternehmen

In Sachsen-Anhalt können Fördermittel bis zu einer Million Euro pro Antrag vergeben werden. Sei es nun ein Englischkurs, Weiterbildungen am PC oder Managementkurse, das Programm "Weiterbildung" fördert es finanziell. Jeder, der sich innerhalb seines Berufes weiterbilden möchte, kann es beantragen. Also: vom Selbständigen, über ein Kleinunternehmen bis hin zum mittelständischen Unternehmen.

Letzteres ist beispielsweise die Firma Ramonat aus Schönebeck an der Elbe, südlich von Magdeburg. Die 70 Mitarbeiter bauen Energieanlagen auf, warten und erneuern sie. Drei von ihnen sollten weiterqualifiziert werden, um neben den normalen Mittelspannungsanlagen auch Hochspannungsanlagen montieren zu können. Diese Weiterbildung kostet 30.000 Euro. Um auf dem Markt bestehen zu bleiben und der Konkurrenz Stand zu halten, musste Geschäftsführer Hubert Ramonat in den sauren Apfel beißen und seine Mitarbeiter zur Weiterbildung anmelden. Auch wenn die Weiterbildungskosten für ihn enorm sind. "Die nun bewilligten EU-Gelder helfen mir, denn das eingesparte Geld kann ich zur Stärkung des Unternehmens nutzen", sagt Hubert Ramonat. Und zum Erhalt der anderen Arbeitsplätze.

Zünglein an der Waage

Konkrete Zahlen, inwieweit das Förderprogramm wirklich Arbeitsplätze erhalten hat, gibt es noch nicht. Aber der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, gibt sich zuversichtlich und sagt: "Durch die Krise stehen viele Projekte auf der Kippe und wir können mit den Weiterbildungsprogrammen dabei helfen, das Zünglein an der Waage zu sein, damit die Projekte trotzdem noch zustande kommen." Trotz geschätzten sechs Prozent Wirtschaftsrückgang in diesem Quartal hätten in Sachsen-Anhalt bisher keine Betriebe ihre Arbeitnehmer massenhaft entlassen. "Das liegt unter anderem an unseren gut ausgebildeten Fachkräften, gerade im Ingenieurbereich", sagt der Wirtschaftsminister, "aber die müssen weiter ausgebildet werden und auf dem aktuellen Wissensstand bleiben."

Mit Hilfe des EU-Förderprogramms ist das nun für Unternehmer und Arbeitnehmer einfacher geworden. Es läuft noch bis zum Jahr 2013.

Autorin: Victoria von Gottberg

Redaktion: Monika Lohmüller

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