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Kultur

Mit Wasserstoff über Wasser: Der Öko-Dampfer Alsterwasser

Viele sehen Wasserstoff als der Treibstoff der Zukunft. Er verbrennt sauber und kann umweltfreundlich mit regenerativen Energien hergestellt werden. Seit kurzem gibt es in Hamburg das weltweit erste Wasserstoff-Schiff.

Die Alsterwasser (Quelle: AP Photo/Axel Heimken)

Die "Alsterwasser" fährt leise und umweltfreundlich

"Ich taufe dich auf den Namen 'Alsterwasser' und wünsche dir allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!" Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk taufte ein Schiff, das eigentlich genauso aussieht wie all die anderen Ausflugsdampfer, die auf der Alster herumschippern. Den Unterschied merkt man erst, wenn man mit der Alterwasser ablegt.

Wasserstoff-Bus in Hamburg (Quelle: dpa)

In Hamburg wurden bereits im Jahr 2003 die ersten wasserstoffbetriebenen Busse eingeführt

Das 25 Meter lange Schiff bewegt sich praktisch geräuschlos und vibrationsfrei. Denn statt wie üblich mit Diesel fährt sie mit Wasserstoff. Nicht Kohlendioxid und Ruß kommt aus ihrem Schornstein, sondern Wasserdampf. Prototypen von Wasserstoffautos und -bussen fahren schon seit Jahren in einigen Staaten, um auf ihre Alltagstauglichkeit getestet zu werden. Nun ist also auch das erste Wasserstoff-Schiff unterwegs.

Neue Technik

Angetrieben wird die Alsterwasser durch eine Brennstoffzelle unter Deck des Schiffes. "Eine Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff mit Hilfe von Luft in elektrischen Strom um", erklärt Anno Mertens von der Münchener Firma "Proton Motor", die die Brennstoffzelle herstellte. "Mit diesem elektrischen Strom treiben wir das Schiff elektrisch, leise und abgasfrei an.“

Der Wasserstoff steckt in 12 Tanks, gespeichert bei 350-fachem Atmosphärendruck. Der Strom, den die Brennstoffzelle erzeugt, lädt eine Batterie auf, die als Zwischenspeicher dient. Diese Batterie speist einen Elektromotor, und der bringt die Schiffsschraube auf Touren. Mit einer Leistung von 100 Kilowatt ist der Motor nicht stärker als der eines Mittelklassewagens, jedoch viel effektiver als eine herkömmliche Dieselmaschine. "Die Brennstoffzelle hat eine Effizienz, einen Wirkungsgrad von knapp 50 Prozent", sagt Mertens. "Das erreicht kein Dieselmotor."

Keine gewöhnliche Zapfsäule

Getankt wird an einer Wasserstoff-Tankstelle. Sie wurde eigens für das Schiff gebaut und stammt von der Firma Linde Gas. Eine Viertelstunde würde ein Betankungsvorgang dauern, sagt Linde-Mitarbeiter Christian Tuchel. Unten, am Wasser, sieht man nur eine Zapfsäule. Doch oben, versteckt hinter Bäumen, steht ein haushoher Wasserstofftank, gefüllt mit einer Tonne Flüssigwasserstoff, gekühlt auf minus 253 Grad Celsius.

"Das Schiff benötigt den Wasserstoff bei 350 bar gasförmig", erklärt Tuchel. Der Wasserstoff wird in der Tankstelle über einen Verdampfer umgewandelt und mit einer neuen Verdichtereinheit auf das erforderliche Druckniveau komprimiert. Die Tankstelle ist ein Prototyp, vollgestopft mit neuartiger Hightech, die erst noch erprobt werden muss - ebenso wie die Brennstoffzelle auf dem Schiff.

Noch in der Testphase

Alster bei Hamburg

Ob bald noch mehr Wasserstoff-Schiffe die Alster befahren ist fraglich

Bislang aber ist die Alsterwasser noch gar nicht im Linienverkehr eingesetzt worden, denn zunächst mussten die Mitarbeiter der Betreiberfirma Alstertouristik GmbH in die neue Technik eingewiesen werden. "Unsere große Aufgabe war es, die notwendigen Hintergrundkenntnisse für unsere Mitarbeiter zusammenzustellen und sie damit vertraut zu machen", sagt Geschäftsführerin Gabriele Müller-Remer. Immerhin hat die Alsterwasser schon ein paar Probefahrten und Charter-Ausflüge hinter sich gebracht - und zwar erfolgreich.

"Die betrieblichen Erfahrungen, die wir bisher mit dem Schiff gesammelt haben, sind sehr positiv", freut sich Müller-Remer. Die Mitarbeiter, die das Schiff steuern können, würden sich sehr zufrieden äußern. Der raue Linien-Alltag steht der Alsterwasser aber noch bevor - und damit die eigentliche Bewährungsprobe. Eine Frage ist zum Beispiel, wie lange die Brennstoffzelle an Bord hält.

Betreiber will abwarten

Die Frage, ob sie bereits die Anschaffung weiterer Wasserstoff-Schiffe anvisiere, beantwortet Müller-Remer noch zurückhaltend. Zunächst werde sie den Ausgang des laufenden Projekts, das bis 2010 geht, abwarten. Nach den bisherigen Erfahrungen sei sie allerdings sehr positiv gestimmt, "dass alles so klappt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Bis Brennstoffzellendampfer in Serie vom Stapel laufen, dürfte also noch eine Menge Wasser die Alster hinunterfließen.

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