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Wirtschaft

Mit Wasser volltanken, bitte

Wasserstoff gilt als der Treibstoff der Zukunft und jetzt wurde in Berlin die weltweit erste öffentliche H2-Tankstelle eröffnet. Ende 2003 sollen Busse in Berlin fahren, aus deren Auspuff nur Wasser kommt.

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Wasserstoffbusse können nun in Berlin auftanken

Am 23. Oktober öffnete eine Wasserstoff-Tankstelle der TotalFinaElf ihre Tore auf dem Weddinger Gelände der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Schlangen von wartenden Kunden erwarten die Betreiber jedoch nicht - den Treibstoff, der aus den Zapfsäulen fließt, schlucken bisher nur sehr wenige Fahrzeuge.

Wasserstoff für jedermann

Drei Testbusse der BVG fahren mit Wasserstoff und sollen Ende 2003 im regulären Betrieb die Tauglichkeit von Brennstoffzellen als Fahrzeugantrieb im öffentlichen Nahverkehr unter Beweis stellen. Zwar betont TotalFinaElf, dass es sich in Berlin um die erste öffentliche Tankstelle der Welt für Wasserstoff handelt. Angesichts des derzeit geringen Bedarfs gibt Burkhard Reuss, Pressesprecher von TotalFinaElf, gegenüber DW-WORLD jedoch zu, dass "die Diskussion um öffentlich oder nicht öffentlich momentan an den Haaren herbeigezogen" ist. Denn neben der BVG nutzt nur Opel die Tankstelle für vier Testfahrzeuge. Dennoch ist die Eröffnung der Tankstelle für Reuss der richtige Schritt, um die Brennstoffzellentechnologie weiter voranzutreiben. "Die Tankstelle muss als erstes da sein. Wozu brauche ich Fahrzeuge, die ich nicht betanken kann?"

Brennstoffzellen erzeugen elektrische Energie durch eine chemische Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff. Diese Energie kann zum Beispiel Elektromotoren in Fahrzeugen antreiben. Als Abfallprodukt aus diesem Vorgang entsteht lediglich Wasser, das flüssig oder als Dampf abgesondert wird. Brennstoffzellen arbeiten zudem sehr effizient: Die freigesetzte Energie kann zu 80 Prozent genutzt werden. Zum Vergleich: Ein Ottomotor erreicht einen Wirkungsgrad von nur 20 bis 30 Prozent, der Rest verpufft hauptsächlich in Form von Abwärme.

Problem Brennstoffgewinnung

Allerdings ist Wasser nicht das einzige Abfallprodukt beim Betrieb einer Brennstoffzelle. Wasserstoff kommt überwiegend in chemischen Verbindungen vor - der Brennstoff muss also erst aus Wasser gewonnen werden, was wiederum Energie erfordert. Wird diese Energie aus fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Öl erzeugt, ist der ökologische Vorteil der Brennstoffzelle dahin. Die Wasserstoffgewinnung ist derzeit also das größte Problem, das vor einer Einführung der Technik gelöst werden muss. Pläne, in denen Offshore-Windparks oder Solaranlagen den nötigen Strom zur Wasserstoffgewinnung liefern sollen, sind noch nicht reif für die Umsetzung. Für die Berliner H2-Tankstelle wird der Wasserstoff derzeit unter Verwendung von "grünem" Strom gewonnen. Auch für TotalFinaElf ist die Wasserstoffproduktion "eine Frage, die noch geklärt werden muss", so Reuss.

Serienreife in 20 Jahren

Wegen dieser ungeklärten Frage steht man im Bundesumweltamt den Bemühungen der Autoindustrie auch eher skeptisch gegenüber. "Wir sind nicht so begeistert von der Brennstoffzelle als Antriebsmittel für Fahrzeuge", sagt Thomas Hagbeck, Pressesprecher im Bundesumweltamt, in einem Gespräch mit DW-WORLD. Für den Antrieb von Fahrzeugen sind nach Meinung der sparsame, moderne Benzin- oder Dieselmotoren ökologisch sinnvoller. Da die Brennstoffzellentechnik noch etwa 20 Jahre bis zur Serienreife benötigt, äußert Hagbeck die Sorge, dass die Werbung für Wasserstoff "davon ablenken soll, was Hersteller heute schon tun könnten, um Fahrzeuge umweltgerechter zu konstruieren." Sparsamere Motoren, leichtere Autos: Dies seien Maßnahmen, mit denen sich das Abgasaufkommen kurzfristig wirkungsvoll senken ließe. Das Bundesumweltamt sieht die Stärke der Brennstoffzelle vornehmlich im stationären Bereich, etwa zur Energiegewinnung in Gebäuden.

Dennoch hebt beim Bundesumweltamt den Willen der Berliner Verkehrsbetriebe positiv hervor, weiter an ökologischen Konzepten für ihre Fahrzeugflotte zu arbeiten.

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