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Wirtschaft

Mit Vollgas durch Deutschland

Mögen sich Deutschlands Autofahrer auch maßlos über die gestiegenen Spritpreise ärgern - beim Kauf eines neuen Fahrzeugs, entscheiden sie sich immer häufiger für Modelle mit stärkerer PS-Zahl.

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Pferdestärken sind gefragt - der Mercedes-Benz S 350 bringt es auf 272 PS

Dies ist das Fazit einer Studie über das Kaufverhalten und die Entwicklung der Benzinpreise seit dem Jahr 2000. Das Ergebnis hat selbst den Autor der Studie, Ferdinand Dudenhöffer, geradezu verblüfft. "Dieser hohe Anstieg von den PS-Zahlen trotz hoher Treibstoffpreise, den hatten wir wirklich nicht erwartet."

Lag der Anteil der Kleinwagen mit weniger als 70 PS im Jahr 2000 noch bei 17 Prozent, so sackte er 2006 auf neun Prozent ab. Gefragt ist dagegen alles, was mehr Leistung unter der Haube bietet. Allein in der Klasse der Fahrzeuge bis zu 190 PS ermittelte der Autofachmann in den letzten sechs Jahren eine Verdoppelung des Marktanteils auf 27 Prozent.

Autos sind emotionale Produkte

Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer ist Automobilwissenschaftler an der Fachhochschule Gelsenkirchen

Die Deutschen, so Dudenhöffer, drücken offenbar gern aufs Gaspedal. "Das Fahrzeug ist immer noch ein sehr emotionales Produkt. Und diese Emotionalität kommt in der Sportlichkeit zum Ausdruck. Da entscheidet mancher, wenn er kurz vor der Unterschrift des Vertrages steht, eben anders als er dann entscheiden würde, wenn er gerade an der Zapfsäule steht."

Selbst für "PS-Monster", wie Dudenhöffer Autos mit bis zu 350 Pferdestärken nennt, entschieden sich doppelt so viele Käufer wie im Jahr 2006. Und das, obwohl der Benzinpreis seither mit einem Anstieg von rund 33 Prozent einen historischen Höchststand erreicht hat. Die Deutschen, resümiert der Automobilexperte, lieben ganz offensichtlich Pferdestärken. Für sie stellt ein Auto mehr als nur ein Bewegungsmittel dar.

Freiheitsgefühl und Statussyssmbol

Maybach 57

Der 5,7 Meter lange Maybach 57 hat stolze 550 PS

"Dem Deutschen ist das Automobil sehr viel wert. Er hat ein Freiheitsgefühl mit dem Fahrzeug", ist Dudenhöffer überzeugt. "Auf der anderen Seite ist das Fahrzeug für die Menschen in Deutschland sehr wichtig, weil man mit dem Fahrzeug ganz klar eingeordnet wird. Die Wertschätzung eines Menschen hängt sehr stark auch damit zusammen, mit welchem Gefährt er unterwegs ist."

Käufer eines Neuwagens verfahren allerdings nicht grundsätzlich blindlings nach dem Motto "Koste es, was es wolle." Bei der Wahl des Motors richten viele durchaus den Blick auf die Treibstoffpreise. "Da haben die Hersteller bei den Verbräuchen durch die starke Hervorhebung des Diesels in den letzten Jahren sehr viel getan. Sie helfen damit einen Zielkonflikt zu überbrücken, der da heißt: höhere Leistung ohne höheren Verbrauch", sagt Dudenhöffer.

Gefragt: Dieselfahrzeuge

Unter diesem Aspekt fällt beim Kauf die Entscheidung immer häufiger auf ein Dieselfahrzeug, das weniger und zugleich preiswerteren Treibstoff benötigt. Der neuen Untersuchung zufolge kletterte der Marktanteil der Dieselfahrzeuge in der Bundesrepulik seit dem Jahr 2000 auf inzwischen fast 45 Prozent. Dennoch geht Dudenhöffer davon aus, dass der Trend zu mehr PS in Deutschland anhalten wird. "Schon allein wegen der neuen Fahrzeugkonzepte, die in den Markt kommen: das sind kleine Geländewagen, kleine Sportstourer, die von ihrer Größe und von ihrem Gewicht gegenüber den normalen kompakten Fahrzeugen mehr PS-Zahlen brauchen."

Vom PS-Monster zum Ladenhüter

Dennoch sollten sich die deutschen Automobilbauer langfristig nicht in Sicherheit wiegen. Entwicklungen können sich auch ins Gegenteil verkehren, wie der ökonomische Blick über den nationalen Tellerrand zeigt. "Wir sehen es an den USA: mittlerweile sind alle großen Geländewagen von den Amerikanern zu Ladenhütern geworden. Das ist eine sehr hohe wirtschaftliche Belastung für General Motors, Ford und Chrysler", sagt Dudenhöffer.

Auch wenn die deutschen Autobauer immer leistungsfähigere Motore mit geringerem Hubraum entwickeln, so ändert das nichts daran, dass die insgesamt höheren PS-Zahlen einen stärkeren Benzinverbrauch verursachen. Da der Trend zu höheren Benzinpreisen aller Voraussicht nach anhalten wird, werden die Kosten für den Fahrspaß deutlich steigen.

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