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Wirtschaft

Mit vollen Auftragsbüchern ins neue Jahr

Neben der Autobranche gehört der Maschinenbau zu den Stützen der deutschen Wirtschaft. Ähnlich wie die Autoindustrie blicken die Maschinenbauer auf ein erfolgreiches 2011 zurück. Auch für 2012 sind sie zuversichtlich.

Symbolbild Maschinenbau (Foto: dpa)

Maschinen "made in germany" bleiben gefragt

Mit gefüllten Auftragsbüchern lässt sich optimistisch in ein neues Jahr blicken. Die Wachstumsraten im Maschinenbau lassen zwar etwas nach, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Aber das liege unter anderem auch am hohen Niveau des Vorjahres, so Wiechers im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Dr. Ralph Wiechers vom Verband Deutscher Maschinenbauer (Foto: VDMA)

Ralph Wiechers: "Auftragspolster trägt"

Darüber hinaus machen sich nach Angaben Wiechers auch Bremseffekte aus einigen boomenden Schwellenländer bemerkbar: "China zum Beispiel hat ja die Zinsen mehrfach erhöht, das spüren wir bei unseren Exporten." Schließlich, so Wiechers, dürfe auch nicht vergessen werden, dass manche Länder aus der Krise nicht so erfolgreich herausgekommen seien wie Deutschland. Ohnehin habe Europa für die Branche an Bedeutung verloren, Ostasien hinzugewonnen.

Auch 2012 wird die Branche wachsen

Für 2011 erwartet der VDMA, dass sich die Produktion um 14 Prozent auf 188 Milliarden Euro gesteigert hat. Auch 2012 peilen die Hersteller ein Plus an: "Unsere aktuelle Prognose lautet auf einen nochmaligen Zuwachs von vier Prozent", sagt Wiechers. Der VDMA-Chefvolkswirt gibt aber zu, dass dies ein ehrgeiziges Ziel sei, was aber wiederum durch volle Auftragsbücher untermauert werde.

Reifenhäuser-Extrusionsanlage zur Herstellung hochwertiger Kunststoffe (Foto: Reifenhäuser)

Maschinen, die hochwertige Kunststoffe verarbeiten

Mit einer so raschen Konjunkturerholung hat auch Ulrich Reifenhäuser, Chef des gleichnamigen Unternehmens in Troisdorf bei Bonn, nicht gerechnet. Reifenhäuser zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Maschinen zur Herstellung von hochwertigen Kunststofffolien, die beispielsweise bei Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Der kräftige Aufschwung in 2011 sei nach dem extremen Absturz der Weltwirtschaft 2009 nicht vorstellbar gewesen: "Von heute auf morgen lief gar nichts mehr. Es war wie eine Sonnenfinsternis", sagt Ulrich Reifenhäuser: "Es gab keine Geschäfte mehr. Der Absturz war unglaublich, so etwas hat es noch nie gegeben. Aber genau so erstaunlich war dieser unglaubliche Aufschwung."

Mittelständler und Global Player

Reifenhäuser feierte 2011 sein hundertjähriges Bestehen. In einer Schmiede hat alles angefangen. Heute ist Reifenhäuser ein "Global Player". Und, was erstaunlich, aber nicht ungewöhnlich ist: Auch in Zeiten weltweiter Fusionen und Übernahmen ist der Maschinenbauer immer noch ein reines Familienunternehmen in der mittlerweile dritten Generation. Ulrich Reifenhäuser leitet mit seinen zwei Brüdern das Unternehmen. Auch ein Mittelständler, davon ist er überzeugt, kann trotz starken Wettbewerbs weltweit erfolgreich sein. Voraussetzung sei eine klare Strategie, seien klare Ziele. Reifenhäuser hat für sich die Nischenmärkte im Kunststoff-Maschinenbau erobert: "Da kann man sich durchaus erfolgreich bewegen und sogar Weltmarktführer in einigen Bereichen werden. Und das haben wir auch geschafft."

Trotz Schuldenkrise, trotz schwächeren Wirtschaftswachstums - die Maschinenbauer geben sich gelassen, wie VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers sagt. Doch die nachlassende Konjunktur macht sich in einigen Bereichen bemerkbar: "Das sind solche Bereiche, die durch Lagerauf- und -abbau sehr stark geprägt sind. Das sind Branchen, die Teile und Komponenten fertigen - Wälzlager oder auch Hydraulik zum Beispiel." Die Kunden seien verunsichert. Bevor sie neue Waren bestellten, räumten sie erst einmal die Lager leer.

Weniger Aufträge aus Südeuropa

Ulrich Reifenhäuser, Chef der Troisdorfer Maschinenfabrik Reifenhäuser (Foto: Reifenhäuser)

Mit an der Weltspitze: Ulrich Reifenhäuser

Verunsichert sind auch viele Kunden der Firma Reifenhäuser aus den Euroländern Spanien, Italien und Griechenland. Deren Aufträge seien spürbar zurückgegangen. Wer investiere, müsse sich schließlich in einem "positiven Umfeld" bewegen, da müsse die konjunkturelle Lage stimmen, sagt Ulrich Reifenhäuser. Und das tue sie derzeit in den mediterranen EU-Ländern nicht, die nach wie vor wichtige Märkte für die deutschen Maschinenbauer seien.

Wenig Verständnis hat der Mittelständler dafür, wie die Regierungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten mit den Staatsfinanzen umgegangen sind. In solch extreme Schuldensituationen würde er sich als Unternehmer nicht hinein begeben. Das sei extrem gefährlich, sagt Ulrich Reifenhäuser: "Und wenn es keine Staaten wären, dann wären sie auch schon längst pleite."

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Rolf Wenkel

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