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Top-Thema – Podcast

Mit und ohne Rollstuhl – gemeinsam in die Schule

In deutschen Gymnasien trifft man nicht viele Kinder und Jugendliche mit körperlicher Behinderung. Eine Ausnahme ist die Anna-Freud-Schule in Köln. Hier lernen alle Schüler gemeinsam.‎

Cesar Benham ist hochkonzentriert. Der 20-Jährige Schüler, der an Muskelschwund leidet, schaut auf sein Aufgabenblatt und macht seinen beiden Mitschülern einen Lösungsvorschlag. Der Klassenraum der Anna-Freud-Schule ist groß – und das ist kein Zufall: Hier gehen die Schüler nicht nur zur Tafel, sie fahren auch mit einem Rollstuhl dorthin. Denn an dem Kölner Gymnasium bereiten sich Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam auf das Abitur vor.

Wenn es um die sogenannte "Inklusion" an deutschen Schulen geht, ist damit meist gemeint, dass sich Regelschulen wie Haupt- und Realschulen oder Gymnasien für Schüler mit Behinderungen öffnen. An der Anna-Freud-Schule ist das anders: Die frühere Schule für Kinder und Jugendliche mit körperlicher Behinderung öffnete sich auch für Schüler ohne Behinderung. Aufgrund dieses deutschlandweit einmaligen Konzepts darf sich das Gymnasium jetzt Hoffnung auf den deutschen Schulpreis 2012 machen.

Deutsche Schulen und die Politik beschäftigen sich derzeit sehr intensiv mit dem Thema Inklusion, weil eine UN-Konvention das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung fordert. Doch bis dahin muss sich noch viel tun – besonders in Deutschland, wo Kinder mit Behinderung meist eine so genannte Förderschule besuchen. Die Gebäude müssen nicht nur barrierefrei sein, auch das Lehr- und Pflegepersonal muss auf die neuen Aufgaben vorbereitet werden. Cesar Behnam findet das Konzept der Anna-Freud-Schule gut: "Ich habe mir schon immer gewünscht, auf eine integrative Schule zu gehen", sagt er. Für den Besuch seiner Schule fährt Cesar sogar täglich über 70 Kilometer von seiner Heimatstadt Aachen nach Köln.


Glossar

körperliche Behinderung, die – ein körperliches Problem, das meist dauerhaft bleibt

hochkonzentriert – so, dass man sich sehr intensiv mit etwas beschäftigt

Muskelschwund, der – eine Krankheit, bei der die Muskulatur immer schwächer wird

Inklusion, die – hier: ein pädagogisches → Konzept, das besagt, dass alle Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben und lernen

sich für jemanden öffnen – jemanden mitmachen lassen

Regelschule, die – die allgemeinbildende Schule mit Ausnahme von Förder- und Sonderschulen

Hauptschule, die – die einfachste Schule, die man nach der Grundschule besuchen kann

Realschule, die – die mittlere Schule in Deutschland, die nach der zehnten Klasse mit dem Realschulabschluss endet

Gymnasium, das – die höchste Schulform in Deutschland, die nach dem zwölften oder dreizehnten Schuljahr mit dem Abitur beendet wird

Konzept, das – die Idee; der Plan

jemand darf sich Hoffnung auf etwas machen – jemand könnte etwas schaffen; jemand könnte etwas erhalten

UN-Konvention, die – ein Vertrag zwischen den Staaten der Vereinten Nationen (UNO)

bis dahin muss sich noch viel tun – viele Dinge müssen noch erledigt werden, bis es soweit ist

barrierefrei – hier: so, dass man auch mit Rollstuhl überallhin gelangt

Lehr- und Pflegepersonal – die Lehrer/innen und die Personen, die sich um die Pflege der Schüler/innen (mit Behinderung) kümmern

integrative Schule, die – eine Schule, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen


Fragen zum Text

1. Das Besondere an der integrativen Anna-Freud-Schule ist, dass sie früher …
a) keine Regelschule, sondern eine Schule für Menschen mit Behinderung war.
b) eine Mischung aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium war.
c) eine Hauptschule war.

2. Was ist bei einer integrativen Schule nicht unbedingt erforderlich?
a) Es muss gut ausgebildetes Lehr- und Pflegepersonal geben.
b) In einer Klasse dürfen nicht mehr als vier Schüler sein.
c) Das Schulgebäude muss barrierefrei sein.

3. Was denkt Cesar Benham über seine Schule?
a) Er würde lieber auf eine Schule in seiner Heimatstadt Aachen gehen.
b) Er ist sehr froh, diese Schule besuchen zu können.
c) Er findet, dass man hier noch vieles verbessern muss.

4. In welchem der folgenden Sätze steht das "sich" an der richtigen Stelle?
a) Die Regelschulen öffnen /sich/ für Menschen mit Behinderung.
b) Die Schüler /sich/ bereiten gemeinsam auf das Abitur vor.
c) Die Anna-Freud-Schule macht Hoffnung auf den deutschen Schulpreis /sich/.

5. In welchen Satz kann das Reflexivpronomen "sich" nicht eingefügt werden?
a) Bis alle Schüler in Deutschland gemeinsam lernen können, muss … noch sehr viel tun.
b) Politiker sagen: "Wir beschäftigen … derzeit intensiv mit dem Thema Inklusion."
c) Cesar Benham hat … schon immer gewünscht, auf eine integrative Schule gehen zu können.


Arbeitsauftrag
In Deutschland glauben viele Menschen, dass Schüler dann am besten lernen, wenn alle Schüler in einer Lerngruppe etwa dieselben Fähigkeiten haben. In anderen Ländern dagegen lernen Schüler, die sehr unterschiedlich sind, lange zusammen. Welches Modell ist sinnvoller? Diskutiert im Kurs!


Autoren: Anna Allmeling/Anne Gassen
Redaktion: Ingo Pickel

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